FundraiserGrün bringt Geld

Wikipedia unterstützt man gern – das ist das Verdienst von Till Mletzko. Ein Besuch beim besten Online-Spendensammler Deutschlands. von Carmen Pförtner

Das Büro, in dem Till Mletzko in 49 Tagen 5,2 Millionen Euro Spenden gesammelt hat, ist eng, vollgestellt und unscheinbar. Es liegt an einer ruhigen Straße im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Das Klingelschild an der Haustür ist klein. Im ersten Stock verrät nur ein mit Tesastreifen festgeklebtes Papier die Existenz des Vereins, für den Mletzko Geld eintreibt. Mit fünf Kollegen teilt er sich den kleinen Raum. Dicht gedrängt stehen hier Schreibtische und Bildschirme, auf dem Boden stapeln sich Kisten voll mit Umschlägen und Spendenbescheinigungen. Von hier aus konzipiert der 34-Jährige seit drei Jahren die erfolgreichsten Online-Spendenaufrufe Deutschlands. 2012 hat er 234.000 Menschen dazu gebracht, für Wikipedia zu spenden, der Großteil des Geldes kam in der siebenwöchigen Kampagne Ende des Jahres rein. Keine andere Organisation in Deutschland akquiriert so viele Online-Spenden, geschweige denn in so kurzer Zeit.

Till Mletzko ist Fundraiser bei Wikimedia. Anders als die Internetseite Wikipedia, die in Deutschland 1,5 Millionen Mal pro Stunde aufgerufen wird, ist der Verein dahinter weitgehend unbekannt – obwohl es ihn bald seit zehn Jahren gibt. Wikimedia organisiert die deutsche Öffentlichkeitsarbeit, Spendengewinnung und Infrastruktur der Online-Enzyklopädie aus den USA. Rund 50 Menschen arbeiten in Berlin als PR-Leute, Softwareentwickler und Projektmanager. Außerdem kümmern sich viele Angestellte um die Wikipedianer, jene Autoren, die in ihrer Freizeit und ohne Bezahlung die allwissende Enzyklopädie bestücken. Und dann gibt es eben noch die Spendensammler: Teamleiter Till Mletzko, zwei hauptberufliche und zwei Werkstudenten.

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Mletzko trägt Hemd, etwas zu tief sitzende Jeans und Sneakers – auch, wenn er einen Vortrag hält und über "Das Geheimnis der erfolgreichsten deutschen Online-Spendenkampagne" spricht. "Vor drei Jahren haben mir gerade mal acht Leute zugehört, als ich beim Deutschen Fundraising Kongress gesprochen habe", sagt er. Im April hat er den gleichen Vortrag beim gleichen Kongress noch mal gehalten. Doch dieses Mal entschieden sich mehr als 150 Teilnehmer des Kongresses im Berliner Vier-Sterne-Hotel Andel’s, ihm zuzuhören.

Online-Fundraising ist ein Thema geworden in der Branche. Spätestens seit der Tsunamikatastrophe 2005, bei der innerhalb kürzester Zeit allein in Deutschland durch Spendenaufrufe im Internet mehr als 150 Millionen Euro zusammenkamen, weiß man, was dort alles möglich ist. Dann sammelte Barack Obama 2008 online Millionen durch kleine und kleinste Einzelspenden für seinen Wahlkampf ein. Inzwischen wirbt Greenpeace im Netz für Unterstützung, die Organisation SOS Kinderdörfer hat sich zum Ziel gesetzt, innerhalb der nächsten zehn Jahre mindestens 60 Prozent ihrer Spenden online einzunehmen, und selbst die Kirchen sind nun im Internet aktiv.

"Wir setzen uns für freies Wissen ein. Wikipedia steht für das Gute"

"Dem Online-Fundraising wird seit Jahren eine große Zukunft prophezeit", sagt Matthias Buntrock vom Fundraising-Verband. Die tatsächlichen Spenden machen nach aktuellen Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung bisher zwar lediglich ein bis zwei Prozent des gesamten Spendenvolumens in Deutschland aus. "Doch die unter 30-Jährigen spenden schon jetzt, wenn sie spenden, bis zu 90 Prozent im Internet", sagt Buntrock.

Leserkommentare
  1. Wir suchen übrigens gerade Unterstützung im Fundraising-Bereich: http://wikimedia.de/wiki/.... Bei Interesse einfach melden. Beste Grüße, Till Mletzko

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