Der Leo-User-Club war einst ein exklusiver Zirkel. Nur Europäer und Nordamerikaner konnten Mitglied werden. Heute wächst der Club weltweit. Künftig werden Indonesien und Katar dazugehören. Und auch Saudi-Arabien hat den Mitgliedsantrag längst gestellt.

"Leo-User-Club" nennt der Generalunternehmer Krauss-Maffei Wegmann die Staaten, die über Leopard-Kampfpanzer verfügen. Sie sollen gemeinsam Versorgungskonzepte, Weiterentwicklungen und Änderungsvorhaben ausarbeiten – und KMW mit Aufträgen versorgen. Die Bundeswehr spricht vornehmer und bürokratischer von der LeoBen-Gemeinschaft, den Leopard benutzenden Staaten. Die deutsche Armee hat großen Anteil daran, dass die LeoBen-Gemeinschaft wächst. Seit Jahren mustert sie Hunderte Leopard-Panzer aus und verkauft diese ins Ausland oder an die deutsche Rüstungsindustrie weiter. Die modernisiert das Kriegsgerät und exportiert es. Das Verteidigungsministerium gibt die Panzer teilweise zum Spottpreis von 180.000 Euro ab. Die Rüstungsfirmen verkaufen das Gerät für ein Vielfaches.

Der stählerne Koloss zählt zu den deutschen Verkaufsschlagern. Katar hat jüngst bei Krauss-Maffei Wegmann 62 Leopard 2 und Haubitzen bestellt für 1,89 Milliarden Euro. Rheinmetall darf mit Genehmigung der Bundesregierung zudem 104 Leopard-Panzer an Indonesien exportieren. Und auch für die Ausfuhr der Kampfpanzer nach Saudi-Arabien hat das Kabinett Merkel bereits eine Voranfrage genehmigt.

Wie bei jedem Rüstungsexport setzt die Regierung auch beim Panzerdeal mit Indonesien auf Geheimhaltung. Sie schweigt darüber, ob die Panzer für Indonesien aus Bundeswehrbeständen stammen. Der Preis spreche dafür, sagte ein Sprecher lediglich. Wer hinter den Kulissen mehr erzählt, will nicht genannt werden. Die Industrie habe immer wieder gebrauchte Panzer sehr günstig von der Bundeswehr übernommen, heißt es in Berlin aus dem Umfeld des Verteidigungsministeriums. Das Kriegsgerät sei per "Herstellererlass" veräußert worden, der Rüstungsunternehmen den Rückkauf von ausgemusterten Waffensystemen ermöglicht. Man habe im Fall Indonesiens mit dem Verkauf der Leopard-Panzer an Rheinmetall dem Panzerbauer die Möglichkeit geben wollen, ein gutes Geschäft zu machen. Rheinmetall äußerte sich nicht dazu.

Seit Jahren verdient das Unternehmen viel Geld mit dem Modernisieren alter Bundeswehrpanzer, die ins Ausland verkauft werden. Während des Kalten Krieges hatte die Truppe noch 2.125 Kampfpanzer für die Landesverteidigung. Künftig will die Bundeswehr nur 225 Leopard-Panzer unterhalten. Der Überschuss wird vom Verteidigungsministerium und der Industrie international angeboten, und zwar längst nicht mehr nur an Nato- und EU-Staaten. Laut Krauss-Maffei Wegmann gehören heute "eine Vielzahl internationaler Kunden" zum Leo-User-Club.

Das Wachsen des Clubs geht vor allem auf Panzerverkäufe des Verteidigungsministeriums zurück. An Griechenland gingen 347 Leopard 2 und Haubitzen. Für die finanziell klamme Regierung in Athen war das ein gutes Geschäft. Sie zahlte lediglich 60 Millionen Euro. Die anschließende Modernisierung bei der deutschen Industrie war deutlich teurer. Auch die Regierung in Ankara bekam zwischen 2005 und 2010 zusammen für 63 Millionen Euro 345 Leopard 2. Chile nahm aus Bundeswehrbeständen zwischen 2006 und 2011 insgesamt 207 Schützenpanzer Marder und 172 Kampfpanzer sowie Munition für 59 Millionen Euro ab. Der Zwergstaat Singapur besitzt nun 168 Leopard-Panzer aus Bundeswehrbeständen und zahlte rund 39 Millionen Euro dafür. Und Polen kaufte 2007 gleich die Ausstattung für eine ganze Panzerbrigade für den Freundschaftspreis von 28 Millionen Euro. 16 Staaten verfügen momentan über den Kampfpanzer, bald werden es 18 sein.

Indonesien wird – wie aus Industriekreisen zu hören ist – umgebaute alte Panzer erhalten. Der Typ ist für den Einsatz gegen Aufständische und Terroristen entwickelt worden. Auch die beim deutschen Heer ausgemusterten Schützenpanzer Marder werden vor dem Ausliefern nach Indonesien modernisiert. Rheinmetall und das Verteidigungsministerium schweigen auch dazu.

Selbst Bundestagsabgeordnete erfahren kaum etwas: "Wie viele dieser Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgüter ursprünglich aus Beständen der Bundeswehr stammen, lässt sich nicht beantworten, da die Herkunft der Güter keine Angabe ist, die im Genehmigungsverfahren zu machen ist", teilte die Regierung auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Katja Keul von den Grünen mit. "Das schreit zum Himmel", empört sich die Rüstungsexpertin. Sie klagt bereits vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe auf mehr Transparenz.

Die indonesische Regierung hingegen spricht seit Langem offen über ihre Pläne, bei Rheinmetall modernisierte Leopard-Panzer und Marder zu kaufen. Zunächst hatte Indonesien in den Niederlanden ausgemusterte Leopard-Panzer bestellen wollen, doch dort hatte das Parlament das Geschäft verhindert. In Deutschland wird der Bundestag an Rüstungsexportentscheidungen nicht beteiligt. Beim Besuch von Angela Merkel in Indonesien vor einem Jahr machte auch der Präsident Susilo Bambang Yudhoyono kein Geheimnis an dem Interesse seines Landes an deutschen Waffen. Yudhoyono wollte schon im Vorfeld Kritiker beschwichtigen: "Wir haben Panzer oder Hubschrauber oder auch Waffen nie gegen unsere Bevölkerung eingesetzt." Dem widersprechen Südostasienexperten und Rüstungsfachleute vehement. Das Bonner Zentrum für Internationale Konversion etwa verweist auf Menschenrechtsverletzungen und andere Verbrechen, die Angehörige der indonesischen Armee bei inneren Konflikten begangen haben.

In Berlin stößt das Geschäft mit Indonesien nicht nur auf Kritik wegen der dortigen schlechten Menschenrechtslage in Konfliktgebieten. "Mit dem Verkauf von ausgemusterten Waffensystemen ermöglicht die Bundesrepublik anderen Staaten die Anschaffung von Kriegsgerät, das sie sich sonst nicht leisten könnten", klagt Katja Keul. "Was überhaupt nicht geht, ist dass die Regierung den Rückkauf von Panzern und dann einen Weiterverkauf ermöglicht, der möglicherweise gegen die Rüstungsexportrichtlinien verstößt", sagt Rainer Arnold, Verteidigungsexperte der SPD. Und Jan van Aken von der Linkspartei fordert, solche Deals ganz zu unterlassen. "Bei den Vereinten Nationen gilt das Prinzip, dass alte Waffen nicht verkauft, sondern verschrottet werden sollen", sagt der Rüstungsfachmann der Linken, ein ehemaliger UN-Biowaffen-Inspekteur. "Richtig viel Geld verdient das Bundesverteidigungsministerium nicht damit, sondern die Industrie macht das Geschäft."

Der Panzerverkauf soll der Bundesregierung nur 3,3 Millionen Euro einbringen. Stimmt das, wäre wohl der Verkaufswert für den alten Stahl beim Schrotthändler höher als der Deal mit Indonesien. Das Bundeswirtschaftsministerium schweigt auch dazu: "Endgültige Zahlen werden in den entsprechenden Exportberichten der Bundesregierung veröffentlicht." Der Bericht für 2013 wird erst im nächsten Jahr erscheinen – frühestens im November. Bis dahin dürfte der Leo-User-Club wieder gewachsen sein.