EsoterikWas suchen die da?

Channeling, Lichttherapie, Feng Shui, Wahrsagen und viele weitere esoterische Praktiken erleben einen Boom. Was steckt dahinter? von 

Das Baby schwebte noch im Fruchtwasser, da geriet es schon in den Sog einer Massenbewegung. Seine Mutter Alexandra war im neunten Monat schwanger, und das Ungeborene wollte sich partout nicht in Schädellage drehen. Darum griff die Hebamme zur Moxibustion: Sie hielt eine "Moxa-Zigarre" aus Beifußkraut an Alexandras kleinen Zeh. Alexandra Elek – eine Rechtsanwältin, die eben noch in ihrer Kanzlei gearbeitet hatte – kauerte auf dem Wohnzimmerteppich und streckte ihr Bein in den Qualm der Zigarre. "Es war ein bisschen wie bei der ›versteckten Kamera‹", erinnert sie sich. "Ich dachte die ganze Zeit, gleich fällt von irgendwoher eine Filmleuchte vom Himmel."

Nein, die Szene ist nicht für das Fernsehen inszeniert, sondern Alltag in Deutschland. Esoterikalltag. Die einen möchten ein Kind auf die Welt bringen und werden mit Moxa-Zigarren behandelt. Andere wollen nur ein Brot kaufen und stellen fest, dass die Lübecker Bäckerei Junge ihren Sauerteig mit "energetisiertem Wasser" anmischt. An Volkshochschulen wird Reiki gelehrt, Heilen durch Handauflegen. Feng-Shui-Berater stellen Möbel um und Steine auf, um den Fluss der Energien zu harmonisieren. Wenn Oma gestorben ist, gehen die Enkel ins Internet und nehmen über ein Medium Kontakt mit der Verstorbenen auf. Nach wissenschaftlichen Maßstäben ist Deutschland nicht mehr ganz dicht.

Anzeige

Doch wer so denkt, zählt womöglich bald zu einer Minderheit. Die Okkultismusforscherin Sabine Doering-Manteuffel, Präsidentin der Universität Augsburg, beobachtet "eine stille spirituelle Revolution", die sich über Europa ausbreitet: "Hier werden Weltbilder verändert wie in keiner Missionsphase der europäischen Geschichte zuvor."

Jeder sechste Deutsche* äußert Sympathie für Anthroposophie und Theosophie, jeder vierte zeigt sich aufgeschlossen gegenüber Wunder- und Geistheilern, gut 40 Prozent der Bevölkerung halten etwas von Astrologie oder New Age – Westdeutsche jeweils mehr als Ostdeutsche. Das sind die neuen Zahlen der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (Allbus). "Esoterische Vorstellungen gelten zunehmend als normal", sagt der Münsteraner Soziologe Detlef Pollack. "Sie diffundieren in die alltägliche Kommunikation der Menschen, sogar in Wissenschaft und Medizin." Und helfen sie nicht manchmal sogar? Als Alexandra Eleks Baby sich kurz vor der Geburt in die Schädellage drehte, begann selbst die Mutter kurz zu zweifeln: "Ob an dem Moxa-Qualm nicht doch was dran ist?"

Esoterik ist ein Sammelbegriff, der nicht nur Okkultes umfasst. Sie reicht vom harmlosen Aufspüren angeblich schädlicher Wasseradern und ungesunder Strahlenquellen über Eselsmilchtinkturen und bisweilen hilfreiche homöopathische Kügelchen bis hin zu Geistheilungen und weißer und schwarzer Magie.

Leserkommentare
  1. über den großen Teil der deutschen Bevölkerung zu lesen, der sich als Experte auf gesundheitlichen und wissenschaftlichen Gebieten empfindet.
    Ich habe selbst einige Jahre während meiner Studienzeit bei Questico im Backoffice gearbeitet und habe zweierlei festgestellt:
    1. Ja, der Markt für Okkultes ist riesig. Das Unternehmen Esoterik ist nicht von außen entstanden, sondern der Markt dafür war schon lange vorher da, Questico musste lediglich das Geld, das quasi auf der Straße lag, aufheben und gewinnbringend in den Ausbau des Unternehmens investieren. Im Gegensatz zu marktüblicher Nachfragenerschaffung beim Kunden hatte Questico eine solche Strategie gar nicht nötig.
    2. Jeder Mensch hat das Recht auf Unvernunft. Wenn ich davon ausgehen würde, dass wir die Menschen vor sich selbst schützen müssen, dann sprächen wir ihnen jede Verantwortung ab, könnten sie also nicht mal eine Unterschrift leisten oder alle vier Jahre wählen lassen. Wir müssen also davon ausgehen, dass erwachsene Menschen in voller Eigenverantwortung ihr Geld zum Fenster hinauswerfen, um sich "beraten" zu lassen. Übrigens hat Questico die Mitarbeiter im Backoffice angewiesen, auch die Telefonnummer der Seelsorge oder psychiatrischen Krisendienst an Kunden mit "echten" Problemen weiterzuleiten. So viel Anstand konnte selbst dieses Unternehmen aufbringen.
    Allerdings fällt es mir nach wie vor schwer, der Verbissenheit und Humorlosigkeit der Esoterikanhänger nicht mit Spott und Verachtung zu begegnen.

    17 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Allerdings fällt es mir nach wie vor schwer, der Verbissenheit und Humorlosigkeit der Esoterikanhänger nicht mit Spott und Verachtung zu begegnen."
    Wenn ich mir anschaue, was zum Beispiel heute los ist im medialen Dorf. Was als großer "Sport" und Unterhaltung einen Stellenwert hat, der einfach nur absurd ist. Wenn ich mir anschaue, dass sich Menschen gegenseitig totprügeln deswegen, dass Angriffe gegen Schiedsrichter oder alles was nicht den vermeintlich "eigenen" Interessen entspricht zur Regel geworden sind. Das Rassismus und rechte Gesinnung unterschwellig oder ganz offen ein Thema ist, das aus diesem Zusammenhang nicht mehr wegzudenken ist. Und das die meisten dieser "Anhänger" einen Humor pflegen der nach irem Auftritt in den Bussen und Bahnen des öffentlichen Nah und Fernverkehrts eine Spur der Verwüstung hinterlässt. Wenn diese gehypte Geldmaschine dafür sorgt, dass es an solchen Wocheneenden kaum eine Möglichkeit gibt, dieser Verbissenheit zu entkommen. Dann sind mir doch diejenigen hundert Mal lieber, die zumindest von der Möglichkeit ausgehen, dass es Alternativen zu dieser gesteuerten Massenhysterie gibt. Weil sie dafür stehen, dass diese Massen"kultur" krank ist und krank macht. Und weil sie dafür stehen, dass es unter Umständen nochmal so etwas, wie eine Veränderung gibt. Mit Spott und Verachtung möchte ich denen, die hinter den Angeboten unserer Medien Mainstreamkultur hertrotten, wie die Lemminge trotzdem nicht begegnen. Was auch mir manchmal schwer fällt.

  2. Der Philosoph Immanuel Kant & der Hellseher Emanuel Swedenborg

    http://community.zeit.de/...

    Ein Studium dieses hausinternen Beitrages hätte die Autoren möglicherweise befähigt, statt schneller Urteile zunächst einmal Fragen zu stellen:

    
• In welchem gesellschaftlichen und weltanschaulichen Kontext findet die Hinwendung zu Feldern der Esoterik heute überhaupt statt?
    
• Welches sind die Felder und worin liegt es, dass die bisherigen Bereiche nicht mehr tragen?
    
• Was kann heute noch als erprobtes Werkzeug des Erkenntnisgewinns gelten?

    • Wo verläuft die Trennlinie zwischen ›Esoterik‹ und ›Markenkult, Finanzökonomie, Sport, Entertainment‹?

    Statt sich mit professioneller Distanz und solidem journalistischem Handwerk dem Themenfeld zu nähern, lesen wir: Meinungen, Urteile, wertende Beschreibung von Einzelphänomenen.

    Guter Journalismus zeichnet sich kaum dadurch aus, ein Thema auf den Horizont seines privaten Weltbildes zu reduzieren. Esoterik aus der Perspektive eines positivistischen Reduktionismus erfassen zu wollen, muss zwangsläufig zu substanzlosen Befunden u. Urteilen führen.

    Oder, um mit Kant zu sprechen (angesichts der ihm vorgetragenen Berichte d. Visionen u.Totengespräche des Geistsehers Emanuel Swedenborg, 10. Aug. 1763): …um nun das Vorurtheil von Erscheinungen und Gesichtern nicht durch ein neues Vorurtheil blindlings zu verwerfen, fand ich es vernünftig, mich nach dieser Geschichte näher zu erkundigen.

    12 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • dweber
    • 23. Mai 2013 20:14 Uhr

    ...steht auch in dem Artikel, den ich mit großem Interesse gelesen habe.

    Weil es nämlich Opfer gibt. Opfer, die Leuten auf den Leim gehen, die entweder ein Fall für die Psychiatrie oder für den Staatsanwalt sind, wie es der Psychologe Goldner treffend ausdrückt. Auch für dieses Zitat kann man den Autoren dankbar sein, die im Übrigen im Gegensatz zur Meinung von farbenspiel54 professionell und solide recherchiert und strukturiert haben. Den Artikel als positivistischen Reduktionismus auf verschwurbelte Weise zu diffamieren, spricht für sich.

    Was kann heute noch als erprobtes Werkzeug des Erkenntnisgewinns gelten?
 Wissenschaft natürlich. Aber nicht eine als Wissenschaft verkleidete Pseudowissenschaft, die mit "Feldern", "Energien" und "Quanten" Mixturen herstellen, die, wie es wunderbar ausgedrückt ist, autoritätsstiftend daherkommen, obwohl sie auf eine lächerliche Weise nichtssagend sind.

    • gorgo
    • 25. Mai 2013 15:29 Uhr

    Ihre Bereitschaft, sich redlich mit Gegnern auseinanderzusetzen, lässt sich daran erkennen, dass Sie Kant nur genau so weit zitieren, als er Ihre Behauptungen scheinbar unterstützt. Sie verschweigen: Kants "Träume eines Geistersehers erläutert durch die Träume der Metaphysik", anonym erschienen, nennt Swedenborgs "Himmlische Geheimnisse" "acht Quartbände voller Unsinn " .." wenn ein hypochondrischer Wind in den Eingeweiden tobet, so kommt es darauf an, welche Richtung er nimmt, geht er abwärts, so wird daraus ein F -, steigt er aber aufwärts, so ist es eine Erscheinung oder eine heilige Eingebung."

    Wissenschaft ist ein sehr ausgeklügeltes System der ÜBERPRÜFUNG von Thesen, die Zusammenhänge zunächst Mal nur behaupten (Hypothesen). In diesem System KONTROLLIEREN und beoabachten sich tausende und abertausende Wissenschaftlerinnen ständig GEGENSEITIG, verÖFFENTLICHEN ihre Ergebnisse, die danach von allen anderen KRITISIERT werden können und müssen. Ergebnisse müssen unter VERGLEICHBAREN BEDINGUNGEN WIEDERHOLBAR sein, sowie mit bisherigen Erkenntnissen kompatibel. Alle Beteiligten haben eine AUSBILDUNG AUF DEM STAND relevanter Erkenntnisse zu einem bestimmten Thema. (und noch ein paar Dinge). Diese wissenschaftliche METHODIK schützt nicht vor einzelnen Irrtümern, kann nie alles retten und tun - und ist ev. böswillig manipulierbar. Als ÜBERPRÜFBARE Wissenserzeugung ist sie jedoch allen Pseudonaturkennern überlegen, soweit diese nur subjektive Erfahrungen Weniger anführen können.

    Bei der Forderung nach wissenschaftlicher Methodik und Ergebnisevaluation stellt sich die Frage, auf welchen Feldern diese angewandt werden. Wenn ich die Zuverlässigkeit eines Autogetriebes oder eines Computerbauteils sicherstellen möchte, ist dieses Vorgehen sinnvoll und nutzbringend. Natur und Mensch entziehen sich jedoch diesen Methoden, Herangehensweisen und Ergebnissen, die in der Dingwelt nützlich und erfolgreich sind.

    Das 18. Jhd. trachtete danach, das sich entwickelnde Forschungsbewustsein auf alle Lebensbereiche zu übertragen. Rene Descartes nagelte eine lebendige Katze an ein Scheunentor und erklärte dem staunenden Publikum deren Reaktion als die rein mechanische eines unbeseelten Wesens. Dieses Verhältnis zur belebten Natur hat sich als Weltbild in manchen Teilen der Wissenschaft bis heute erhalten: Der Mensch als bio-chemischen Maschine, gesteuert von einer elektrischen Zentralstelle. Konstruktionsmängel oder Verschleisserscheinungen werden mit doppel-blind evaluierten Ersatzteilen behoben.

    Die Wissenschaft ist jedoch dabei, sich selbst zu überwinden. Wenn etwa mit bildgebenden Methoden sichtbar wird, dass mit einem Wachkoma-Patienten eine aktive Kommunikation möglich ist, müssen Schulmediziner ihr Bild der leblosen Zellansammlung revidieren. Was heute Manchem noch als esoterischer Irrglaube erscheint, kann morgen zur wissenschaftlichen Gewissheit werden. Warum also Wissenschaft auf den status quo von heute festlegen?

    • dweber
    • 23. Mai 2013 20:14 Uhr

    ...steht auch in dem Artikel, den ich mit großem Interesse gelesen habe.

    Weil es nämlich Opfer gibt. Opfer, die Leuten auf den Leim gehen, die entweder ein Fall für die Psychiatrie oder für den Staatsanwalt sind, wie es der Psychologe Goldner treffend ausdrückt. Auch für dieses Zitat kann man den Autoren dankbar sein, die im Übrigen im Gegensatz zur Meinung von farbenspiel54 professionell und solide recherchiert und strukturiert haben. Den Artikel als positivistischen Reduktionismus auf verschwurbelte Weise zu diffamieren, spricht für sich.

    Was kann heute noch als erprobtes Werkzeug des Erkenntnisgewinns gelten?
 Wissenschaft natürlich. Aber nicht eine als Wissenschaft verkleidete Pseudowissenschaft, die mit "Feldern", "Energien" und "Quanten" Mixturen herstellen, die, wie es wunderbar ausgedrückt ist, autoritätsstiftend daherkommen, obwohl sie auf eine lächerliche Weise nichtssagend sind.

    40 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Edmund Husserl hat den fundamentalen Irrtum heutiger Wissenschaft beschrieben, dass die Welt der Erscheinung durch die Beschreibung objektive Gesetzmäßigkeiten eine Universalität und einen Bestand haben könnte. Jegliches sog. Naturgesetz sei ein Produkt des menschlichen Geistes, da ausschließlich von diesem formuliert, so Husserl.

    Heisenberg hat in Folge dargelegt, dass die Trennung von Subjekt und Objekt (und damit die Vorstellung einer objektiven und wertfreien Wissenschaft) nicht gegeben sein kann: wie sich die Welt erklärt, hängt einzig von unserer Fragestellung ab. Der Wissenschaftler fragt mit seinem Bewusstsein und ist daher immer Teil des Ergebnisses. Wenke (2011) geht soweit zu behaupten, das Universum der Wissenschaft sei ein ›reines soziales Phantasieprodukt‹.

    Es gibt also gute Gründe, den Universalanspruch heutiger Wissenschaft zu relativieren. Diese existiert als subjektive Erscheinung mit dem jeweiligen Bewusstsein des Fragenden, der Bedeutungszuweisung der Gesellschaft und dem ökonomischen Interesse der Auftraggeber. Die Differenzierung einer vermeintlich objektiven Wissenschaften vs. subjektiven Bereichen der Kunst, Religion und Esoterik ist daher ebenfalls nur ein gedachtes Modell. Realität sind ausschließlich Phänomene, nicht Deutungen (Husserl).

    PS. Dem Verfasser sei noch die Frage gestellt, wievlele ›Opfer‹ esoterischer Praxis er denn persönlich kennt und wie er Markenkult, Finanzökonomie, Sport und Entertainment hierzu einordnet?

    die wissenschaftliche Methode ist auch eine Art "Glaubensrichtung". Sie ist NICHT absolut und unumstößlich. Ich empfehle dazu folgende Lektüre:
    http://kanope.de/ascentli...

    Gesunder Menschenverstand ist immer noch der beste Weg!

    Warum es höchst vernünftig ist, die Grundlagen der Wissenschaft als das, was sie ist zu entlarven: pseudoreligiös. Weil diese Grundlagen Opfer in nie dagewesenem Ausmaß produziert haben und weiter produzieren werden. Weil dieses System der angeblichen Aufgeklärheit die Welt insgesamt ausbeutet. Millionen von Menschen verhungern, durch Spekulation oder Krieg mit Massenvernichtungswaffen ihrer Heimat, ihrer Existenz und ihrer Lebensgrundlage beraubt. Und weil es gegen diesen Trend anscheinend keine wirksamen Mittel gibt. Keine Ethik, keine Moral, keine wissenschaftlich technischen Lösungen. Mit denen zum Beispiel der Überschuß an Nahrung und oder Energie so verteilt werden könnte, dass diese Opfer nicht nötig wären. Oder sich Umweltprobleme effektiv lösen ließen. Wenn man von Opfern spricht in dem Zusammenhang, dann sollte man an die Opfer denken, die unser Anspruch produziert hat, die Welt mit den beschränkten Mitteln unseres analytischen Verstandes absolut erfassen und als Standard allgemeingültig definieren zu können. Das macht die Wissenschaft nicht überflüssig. Aber der Platz, den die Wissenschaft seit Jahrhunderten für sich beansprucht, den wird sie in Zukunft hoffentlich wieder mit anderen Religionen teilen müssen.

  3. Es wundert mich, dass der in dem Artikel angerührte Eso-Mischmasch so weitgehend unkommentiert bleibt. Geistheilen, Naturmedizin, Feng Shui - alles munter unter dem Label "Okkultismus" zusammengerührt und damit die eigenen Vorurteile und anscheinend auch die der Leserinnen und Leser aufs Trefflichste bestätigt. Ich habe mich ehrlich gesagt geärgert, dass ich für jene Ausgabe der ZEIT auf Papier Geld ausgegeben habe. Von einer so renommierten Redaktion hätte ich fundiertere Recherche und Urteilsbildung erwartet.

    15 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    @leiselesen: Ging mir ganz genau so!
    War auch verärgert, "dass ich für jene Ausgabe der ZEIT auf Papier Geld ausgegeben habe. Von einer so renommierten Redaktion hätte ich fundiertere Recherche und Urteilsbildung erwartet."
    Das betrifft übrigens die meisten Artikel im Ressort "Glauben und Zweifeln" unter der Ägide von der m. E. gar nicht so fachlich renommierten Evelyn Finger .
    Das Papier und auch die vertane Zeit war es nicht wert, sich mit solch dilettantisch zusammengerührten Von "Jedem-Etwas-Mischmasch" näher zu befassen.
    Inhaltlich kann ich mich mich den Artikel kritischen Kommentaren ( wie Nr.2, 5, 8, u.a.) nur anschließen.
    Andererseits werden berechtigte "Warnungen" vor Seelenfängern, die Leichtgläubige mittels Gehirnwäsche ernsthaft zu Opfern werden lassen, in dem Artikel mit einer ebenso flüchtigen Andeutung am Rande kurz abgehandelt, so dass dies schon an Verantwortungslosigkeit grenzt.

    Wenn die ZEIT schon nicht über die das journalistische Potential verfügt, ein derart gesellschaftlich bedeutsames Thema substanziell angemessen zu durchdringen, sollte man besser kompetente Gastautoren zu Wort kommen lassen, mit denen sich mitdenkende ZEITleser inhaltlich wirklich auseinander setzen können

    Was ich fuer Quatsch halte, sind solch undifferenzierte Artikel von Leuten, die einerseits ueberhaupt keine Motivation haben, sich mit dieser Materie zu beschaeftigen, da sie ja von vornherein Vorurteile gegenueber allem haben, was "die Wissenschaft" (PS: welche denn?) uebersteigt.

    Und dann stets munter Feng Shui, Moxa und Kartenlegen und ueberhaupt alles ueber einen Kamm scheren. Ich haette ebenfalls gerne so ein simples Weltbild - oder vielleicht doch lieber nicht.

    ... wenn einem die Aussage nicht passt. Dann hätte der Journalist mal seine Hausaufgaben machen sollen! Kann ja nicht sein, dass der was schreibt, was mit dem eigenen Weltbild so eklatant kollidiert.

  4. Edmund Husserl hat den fundamentalen Irrtum heutiger Wissenschaft beschrieben, dass die Welt der Erscheinung durch die Beschreibung objektive Gesetzmäßigkeiten eine Universalität und einen Bestand haben könnte. Jegliches sog. Naturgesetz sei ein Produkt des menschlichen Geistes, da ausschließlich von diesem formuliert, so Husserl.

    Heisenberg hat in Folge dargelegt, dass die Trennung von Subjekt und Objekt (und damit die Vorstellung einer objektiven und wertfreien Wissenschaft) nicht gegeben sein kann: wie sich die Welt erklärt, hängt einzig von unserer Fragestellung ab. Der Wissenschaftler fragt mit seinem Bewusstsein und ist daher immer Teil des Ergebnisses. Wenke (2011) geht soweit zu behaupten, das Universum der Wissenschaft sei ein ›reines soziales Phantasieprodukt‹.

    Es gibt also gute Gründe, den Universalanspruch heutiger Wissenschaft zu relativieren. Diese existiert als subjektive Erscheinung mit dem jeweiligen Bewusstsein des Fragenden, der Bedeutungszuweisung der Gesellschaft und dem ökonomischen Interesse der Auftraggeber. Die Differenzierung einer vermeintlich objektiven Wissenschaften vs. subjektiven Bereichen der Kunst, Religion und Esoterik ist daher ebenfalls nur ein gedachtes Modell. Realität sind ausschließlich Phänomene, nicht Deutungen (Husserl).

    PS. Dem Verfasser sei noch die Frage gestellt, wievlele ›Opfer‹ esoterischer Praxis er denn persönlich kennt und wie er Markenkult, Finanzökonomie, Sport und Entertainment hierzu einordnet?

    22 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Natürlich ist auch Wissenschaft subjektiv, zumindest zu einem guten Teil. Solange man sich dessen bewusst bleibt, ist das aber kein fundamentales Problem. Allerdings gibt es zur wissenschaftlichen Methode (WM) keine Alternative. Unter anderem zeichnet sich die WM dadurch aus, dass sie reproduzierbare (!) Phänomene untersucht, die es in Religion und Kunst selten gibt. Leider hat es die Esoterik leicht, sich in der Heilkunde breit zu machen, da alle Menschen "Einzelfälle" und daher nur mit Mühe einer wissenschaftlichen Analyse zugänglich sind.

    Es ist bedauerlich, dass immer noch so viele Leute auf Esoterik und Religion hereinfallen. Man kann sich darüber beklagen, dass die Schulmedizin nicht immer eine Antwort hat, aber um die WM kommen auch Esoterik und Religion nicht herum, wenn sie ihre Wirksamkeit beweisen wollen:

    Auch wenn der Glaube manche Berge versetzen kann, einer wissenschaftlichen Überprüfung hält er nicht Stand. Wenn z.B. Gebete helfen würden, hätten die hochreligiösen Länder Nordafrikas keine Dürren und Hungerkatastrophen, und die reichen Christen der westlichen Welt hätten weniger Krebs oder andere Krankheiten als die nichtbetenden Atheisten. Wenn der Glaube dann doch Berge versetzt, darf man getrost psychologische und sonstige Placebo-Effekte in Betracht ziehen, die wissenschaftlich aufs Beste belegt sind.

    • 29C3
    • 25. Mai 2013 12:58 Uhr

    ... und wirre Zitaten, die in der 2. Hälfte des 19.(!) Jahrhunderts entstanden sind.

    Dumm nur, dass auch Ihre Husserl-Zitate den Weg hierher nicht fänden, gäbe es "die sog. Naturgesetze" nicht. Aber warum sollte man sich an so einem elementaren Faktum stören, wenn man ohnehin Im Höheren Auftrag unterwegs sei?

    YMMD

    ...den die Wissenschaft die ja nur fundamentale Fehler macht, hat ihnen ermöglicht via Internet einen Kommentar abzuschicken. Ob ihr Fernseher, ihr Computer oder das GPS System das ihnen hilft den nächsten Wunderheiler in der Parawissenschaften Straße zu finden. Das alles basiert auf wissenschaftlichen Theorien. Es funktioniert also und das jeden Tag aufs neue.

    Wissenschaftler sind die einzigen die es schaffen, wirklich etwas "vorher zu sagen". Aber das wird von Menschen wie ihnen einfach ignoriert. Sie glauben einfach nur friedlich vor sich hin.

    Alles andere ist hergeleitetes Geschwafel.
    Was die Opfer von solchen Scharlatanen angeht, da gibt es jede Menge. Das tolle an der Sache ist, das das sie Esotherik Szene nicht wahr haben will. Die Opfer haben halt etwas falsch gemacht, sind selber Schuld an ihrer Krankheit weil sie nicht fest genug an die eigene Heilung glauben und wenn sie sterben muß es die böse Schulmedizin gewesen sein.

    Opfer "Neue Germanische Medizin":
    http://www.ariplex.com/am...

    Opfer Lichfasten:
    http://www.focus.de/polit...

    Ein Geistheiler:
    http://www.spiegel.de/pan...

    In der Eso Szene gibt es viele Menschen die Krankheiten wie Aids leugnen, es gibt die Homöopathen ohne Grenzen die behaupten eben auch diese Kranheit (wie auch Krebs) heilen zu können.

    Es gibt viele Opfer!

    "den fundamentalen Irrtum heutiger Wissenschaft beschrieben, dass die Welt der Erscheinung durch die Beschreibung objektive Gesetzmäßigkeiten eine Universalität und einen Bestand haben könnte"
    " Wenke (2011) geht soweit zu behaupten, das Universum der Wissenschaft sei ein ›reines soziales Phantasieprodukt‹."

    fehlen mir die Worte.

    Nur gut das diese Fundamentalen Irrtuemer und sozialen Fantasieprodukte gerade gut genug funtionieren um elektrischen Strom zu erzeugen, Lebern zu transplantieren und Hochhaeuser nicht einstuerzen zu lassen....

    • marxo
    • 25. Mai 2013 17:37 Uhr

    Auch ein Husserl fällt in Richtung Erde vom Baum. Sie basteln sie eine Ersatzphilosophie zurecht. Adorno wurden hingegen folgende Zeilen untergeschoben: "Als "Metaphysik der dummen Kerle" bezeichnete der Soziologe Theodor W. Adorno einst den Okkultismus. Heute zeichnen Sozialforscher ein weniger verächtliches Bild suchender Menschen: Es sind überdurchschnittlich viele Städter, Abiturienten, religiös Interessierte, Westdeutsche, Frauen – Menschen wie die Physiotherapeutin Sarah Schneider."

    Gerade das sagt Adorno mit dummen Kerlen: Städter, Abiturienten, religiös Interessierte - Dummköpfe, die über ein wenig Halbbildung verfügen, wenn es hochkommt, ein Goethegedicht auswendig können, aber keine "zwei Naturtatsachen" in ein Verhältnis bringen können, weil ihnen schlicht die philosophische UND naturwissenschaftliche Bildung fehlt. Darauf verweist Adorno mehrfach, u.a. in seiner Astrologiestudie "The stars down to earth". Darin wird der Zusammenhang von Halbbildung, Büroalltag und Dummheit sehr sichtbar. Natürlich kann man auch Adorno nicht gelesen haben und dann so etwas insinuieren, als hätte er einen reinen Bildungsdünkel gehabt. Er aber kannte das 19. Jahrhundert besser, und wusste genau, dass es die Philosophen und Akademiker sind, die Esoterik produzieren - und die dann auch den NS begründeten. Dumme Kerle, freilich mit PhD heute, Atomphysiker, die etwas von Wassergedächtnis und Kreationismus raunen.

  5. Natürlich ist auch Wissenschaft subjektiv, zumindest zu einem guten Teil. Solange man sich dessen bewusst bleibt, ist das aber kein fundamentales Problem. Allerdings gibt es zur wissenschaftlichen Methode (WM) keine Alternative. Unter anderem zeichnet sich die WM dadurch aus, dass sie reproduzierbare (!) Phänomene untersucht, die es in Religion und Kunst selten gibt. Leider hat es die Esoterik leicht, sich in der Heilkunde breit zu machen, da alle Menschen "Einzelfälle" und daher nur mit Mühe einer wissenschaftlichen Analyse zugänglich sind.

    Es ist bedauerlich, dass immer noch so viele Leute auf Esoterik und Religion hereinfallen. Man kann sich darüber beklagen, dass die Schulmedizin nicht immer eine Antwort hat, aber um die WM kommen auch Esoterik und Religion nicht herum, wenn sie ihre Wirksamkeit beweisen wollen:

    Auch wenn der Glaube manche Berge versetzen kann, einer wissenschaftlichen Überprüfung hält er nicht Stand. Wenn z.B. Gebete helfen würden, hätten die hochreligiösen Länder Nordafrikas keine Dürren und Hungerkatastrophen, und die reichen Christen der westlichen Welt hätten weniger Krebs oder andere Krankheiten als die nichtbetenden Atheisten. Wenn der Glaube dann doch Berge versetzt, darf man getrost psychologische und sonstige Placebo-Effekte in Betracht ziehen, die wissenschaftlich aufs Beste belegt sind.

    31 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • KHans
    • 25. Mai 2013 16:34 Uhr

    #6 produziert Argumente, mit Bezug auf die als unverzichtbar bezeichnete Wissenschaftsmethode. Grund: es gilt nur, was reproduzierbar ist.

    Ja, du liebe Güte. Ich teile die Skepsis gegen jegliche Methoden, denen die Gründlichkeit abgeht. Gründlich ist aber nicht nur, was mittels Reduktion und Ausschluß von Variablen mit Vorabthesen, deren Entstehungsmoment nicht reflektiert, sondern vorausgesetzt wird dann reprodizierbare und wahre Wirklichkeit gesehen wird.

    Mich stört die verarmte Sehnsucht, nicht mehr denken zu müssen, weil Wissenschaftler, die nur noch auf ein bestimmtes Spezialgebiet starren, XYZ sagen. Es ist nicht weniger "gläubig" z.B.Hirnforschern, die Deutung unserer Lebensumstände zu überlassen. Wieso ist das weniger "esoterisch" aus einem elektro-chemischen-Vorgang allgemeingültige Aussagen abzuleiten über die menschliche Emotion oder das Entstehen von Erinnerung. Wobei ich die Forschungen von Eric Kandler bewundere. Nicht aber seine Schlüsse und Urteile.

    Wenn Frömmigkeit abtut, weil es doch in frommen ländern hungersnöte und Krebs gibt, also bitte, das ist unterirdisch. Wieso gibt es das denn, obwohl es Wissenshaft gibt?

    Also denken muß ich doch selber, nicht nur gläubig beurteilen oder nachbeten. In den Schulen heute lernt man diesbezüglich, sich anzupassen an die gängige Lesart, mit den entsprechenden a priori. Die sollen nicht hinterfragbar, alternativlos sein? das ist naiver Realismus.

    Ich stimme also dem Beitrag 2 und 5 (LIchtspeil 54) voll und ganz zu.

  6. ... um die Menschheit.

    3 Leserempfehlungen
  7. Stimmt, ein Problem ist, dass viele Leute Anekdoten lieber glauben als wissenschaftlichen Abhandlungen ("Bei meiner nachbarin hats aber gewirkt"!) oder gar kritischem Denken.

    Außerdem ist gerade bei politisch linken (Zu denen ich auch gehöre!) Esoterik (wie Homoöpathie) anscheinend gerade deswegen beliebt, weils eben gegen große Konzerne und/oder das Establishemant geght. "Alternative" Medizin eben. Das passt gut zur "gegen die da oben" - Einstellung, nur dass es diesmal eben die Wissenschaftler sind.
    Das hat dann mehr mit Ideologie als mit Fakten zu tun.

    (Und natürlich ist eh naiv zu glauben, die großen Pharmakonzerne würden Homöpathie verleugnen. 90% der Präperate stammt ja von "Big Pharma", nur wirds eben unter einem kleinen Label verkauft - siehe Ben Goldacre).

    11 Leserempfehlungen
  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Anthroposophie | Esoterik | Europa | München
Service