Sponsoring : Das Bayern-Dilemma

Sponsorenvertreter im Aufsichtsrat von Fußball-AGs sind fehl am Platz.

Nur mal rein hypothetisch: Was wäre, wenn die Münchner Bayern im Endspiel der Champions League am 25. Mai in London gegen die Dortmunder Borussen verlören? 50 Prozent der deutschen Fußballfans würden trauern, die übrigen würden sich die Hände reiben.

Und was wäre gewesen, wenn die Vertreter der Sponsoren vor so einem GAU für die Münchner den Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG, Uli Hoeneß, abgeschossen hätten? Die Bayern-Fans hätten genau gewusst, warum ihre Kicker versagt haben: weil die arroganten Manager der Großindustrie den team spirit zur Unzeit gestört und Unruhe in der Bayern-Familie gestiftet hätten. Solche Aussicht kann selbst gestandene Wirtschaftsführer schrecken.

Der Ausgang des Endspiels in London ist völlig offen. Aber das Vorspiel im Aufsichtsrat hat Uli Hoeneß, der sich selbst wegen Steuerhinterziehung angezeigt hat, glatt gewonnen: acht zu null hat das Gremium für seinen Verbleib als Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern AG gestimmt.

Kein Aufsichtsrat hierzulande ist so prominent besetzt. In ihm sitzen lauter Herren, die es gewohnt sind, dass in ihren Unternehmen alles nach ihrer Pfeife tanzt – die Chefs von adidas, Audi, der Deutschen Telekom, Volkswagen, dazu ein Großbanker, ein Magazin-Herausgeber, ein Ex-CSU-Ministerpräsident und zwei Vertreter des eingetragenen Vereins (Hoeneß und sein Vize). Die Vertreter der Industrie sind zugleich Trikotsponsor, Ausrüster oder Kfz-Lieferant für das Team. Adidas und Audi halten je gut neun Prozent der Anteile an der Bayern AG, der Rest gehört dem eingetragenen Verein, also den Mitgliedern – den richtigen Fans, wie diese selber meinen.

Ein Sponsor will gegen gutes Geld vom guten Image erfolgreicher Sportler profitieren. Das ist normal. Ebenso normal ist es seit einiger Zeit in Deutschland auch, wenn Industrieunternehmen nur saubere Geschäfte dulden. Ganze Abteilungen kümmern sich bei VW, Audi, der Telekom oder adidas um das Thema Compliance. Bekanntlich gab es in der Vergangenheit ja auch in einigen dieser Unternehmen Vorkommnisse, die solche Vorsorge äußerst ratsam erscheinen lassen.

Nun steht Uli Hoeneß bei keiner dieser Firmen direkt auf der Lohnliste. Und Steuern hat er – dem bisherigen Anschein nach – auch nicht als Fußballfunktionär, sondern als Privatmann hinterzogen. Aber wäre es hier nicht geboten gewesen, trotzdem den Geist der Compliance-Regeln zum Maßstab zu nehmen?

Von den Vereinsleuten wurde den Wirtschaftsbossen vorab schon mal vorgerechnet, dass nicht sie, sondern die Fans mit über 80 Prozent der Anteile die Haupteigner der FC Bayern AG seien. Und diese stünden trotz der privaten Missetat des Uli Hoeneß weiterhin praktisch einhellig hinter der Symbolfigur des Aufstiegs des Münchner Fußballvereins. Den eleganten Ausweg des Ruhenlassens seiner Ämter gaben die Statuten der FC Bayern AG zudem nicht her.

Spätestens da wurden die starken Männer aus den Vorstandsetagen im Aufsichtsrat schwach. Nach "langen und intensiven Beratungen" hielten sie im Falle Hoeneß "das Wohl" des FC Bayern für wichtiger als die Moral bei dessen privaten Geschäften. Das ist zumindest fragwürdig. Damit haben die Aufsichtsräte die Verantwortung einfach abgeschoben. Nach den Endspielen in Champions League und Pokal, so ihr Kalkül, wird ihnen der Staatsanwalt die Entscheidung über den Hoeneß-Verbleib abnehmen. Wird er angeklagt, ist er raus. Andernfalls darf er weiter mitspielen.

Ob frustrierte Bayern-Fans im Falle eines vorzeitigen Hoeneß-Abgangs und einer folgenden Niederlage gegen Dortmund zu Kickstiefeln, Trikots, Handyverträgen oder Autos der Konkurrenz gegriffen hätten, werden wir nie erfahren. Aber zwei Lehren kann man jetzt schon aus den wenig rühmlichen Vorgängen ziehen:

Egal, wer gewinnt, neben dem deutschen Fußball werden auch hiesige Sponsoren davon profitieren. Siegt Bayern, sind es vor allem Audi/VW, adidas und die Telekom. Siegt die Borussia, hilft das deren Sponsor Opel und Ausrüster Puma.

Eines ist aber nach dem Gezerre ebenso klar: Die illustre Riege der Spitzenmanager im Aufsichtsrat der FC Bayern AG hat auf jeden Fall ein wichtiges Spiel verloren – das Endspiel auf dem Felde der Moral.

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Kommentare

44 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

abcde

Ich kann ihre Meinung gut nachvollziehen, möchte allerdings an einer Stelle nachhaken: Uli Hoeness ist nicht einfach so "Vorbild" gemacht worden, sondern er hat es durch seine Arbeit erreicht. Ich denke, er war vor der Steueraffäre einer der wenigen Präsidenten eines Fußballclubs, die man kannte. Das liegt nicht in erster Linie daran, dass er beim FCBayern ist, sondern weil er über viele Jahre den FCBayern entscheident geprägt hat.

Ich glaube auch nicht, dass es wirklich viele gibt, die zu Uli Hoeness halten, weil er "so viel Gutes" getan hat. Davon abgesehen hat er wahrscheinlich um einiges mehr gespendet als hinterzogen, womit der "mit fremdem Geld"-Spruch nach hinten losgeht. Außerdem zahlt er die Steuern nach – auch wenn das bestimmt nicht sein ursprünglicher Plan war.

Ich finde generell, dass Ihr Kommentar denen vieler anderer, wenn auch nicht so stark ausgeprägt, ähnlich ist: Voreingenommen und undifferenziert. Der Autor des Artikels kann davon ein Lied singen.

Das glaube ich nicht so.

" nach dem unsere Auffassung von Moral nie wieder so ist, wie sie einmal war." ... Sollte die Steuersache Uli Hoeneß im Sande verlaufen, was ich überhaupt nicht ausschließen möchte, wird sie genau die Wirkung haben, die Sie meinen, dass sie nicht kommt! Ich glaube Sie unterschätzen da die Gesellschaft, weil sie quasi auf solche Signale geradezu wartet. Es war deshalb für mich auch das völlig falsche Signal Herrn Zumwinkel "nicht" ins Gefängnis zu stecken! Signal: wenn man entsprechend schmiert, bzw. Vitamin B hat, ist alles halb so schlimm!!! Was bedeutet denn heute schon eine Vorstrafe? Sie können sogar noch Minister werden, siehe Graf Lamsdorf, Schäuble!