MS Europa 2Lässige Schwester

Die neue "Europa 2" will ein Schiff sein für die Generation 45 plus, ohne Captain’s Dinner, ohne Krawattenzwang. Luxus heißt hier viel Freiraum und exquisiter Service. von 

Unterwegs auf hoher See

Unterwegs auf hoher See  |  © PR

Schon als Buttje hatte Friedrich Jan Akkerman das Meer stets im Blick. Nur zwei Berufswünsche standen für den Spross einer ostfriesischen Seefahrerdynastie zur Debatte: "Entweder werde ich Kapitän oder Kapitän." Akkerman ist Kapitän geworden. Seit 30 Jahren durchpflügt er die sieben Meere, 2003 übernahm er das Kommando auf der MS Europa, dem Flaggschiff von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten. Jetzt bekommt seine Karriere noch einmal einen Kick und die "schönste Yacht der Welt", wie der Berlitz Cruise Guide die Europa genannt hat, Konkurrenz aus dem eigenen Unternehmen.

Zu Monatsbeginn hat Akkerman die Brücken gewechselt, von der Europa auf die gerade vom Stapel gelaufene MS Europa 2. Während einer Schnuppertour durch den Ärmelkanal, kurz vor der Jungfernfahrt von Hamburg nach Lissabon (11. bis 25. Mai), empfing er einige Journalisten an seinem Arbeitsplatz.

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Da steht er nun, der 1,99 Meter hohe Herr, hinter seinem Steuerrad aus Rosenholz und blickt mal wieder Richtung See. Akkerman empfindet Stolz wie ein Limousinenbesitzer, der gerade auf das neueste Modell der bewährten Marke umgestiegen ist. "Alles wie gehabt, nur die Technik ist ausgefeilter." Wohl fällt die MS Europa 2 mit 225 Meter Länge und 27 Meter Breite etwas größer aus als das ältere Schwesterschiff. Doch auch sie zählt zur Kategorie der kleinen Kreuzfahrer – eine Grazie neben den Giganten, mit nur 6,30 Metern Tiefgang beweglich genug zum Andocken im Hafen von Portofino.

In seinem marineblauen Stricktroyer gleicht Akkerman eher einem Lotsen. Als Traumschiffkapitän in weißer Uniform wird er nur noch selten in Erscheinung treten. Denn er ist zum Kapitän ohne Captain’s Table und Captain’s Dinner geworden. Der Verzicht auf die klassischen Kreuzfahrtrituale gehört zum Konzept der Europa 2. Weder Abschiedsgala noch feste Essenszeiten, weder große Fracksause noch Damen im Brokatornat stehen auf dem Plan. Akkerman wird als erster Fahrtenlenker vornehmlich seinen Dienst auf der Brücke tun. Und das geht für ihn in Ordnung: "Eine Bühne zum Repräsentieren brauche ich nicht. Ich kann mit den Passagieren doch auch nach Lust und Laune locker ins Gespräch kommen."

Ein Schiff für die Generation der reichen Erben

Auf der Europa 2 ist jeder sein eigener Kapitän, navigiert freiheitlich durch den Tag, entscheidet selbst, wann und in welchem der sechs Restaurants er zwanglos speisen möchte. Heute ein Menü mit sechs Gängen beim Italiener unter Muranoleuchtern, morgen vielleicht ein Hummer Thermidor in der Brasserie oder das Sashimi vom Thunfisch im Sushi-Restaurant. "Legerer Luxus" lautet die Devise.

Die Stammkundschaft des Schwesterschiffs Europa, größtenteils im gesetzten Alter, bevorzugt die konventionelle Kreuzfahrt. Am Ende eines erfolgreichen Arbeitslebens gönnt sie sich Müßiggang auf ausgedehnten Weltreisen. Mit der Europa 2 will Hapag-Lloyd Kreuzfahrten sein Fünf-Sterne-Luxussegment erweitern und eine Klientel der Generation 45 plus erobern, die nicht weniger zahlungskräftig ist. "Beruflich stark eingebunden, mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 5000 Euro" – so definiert das Unternehmen die Zielgruppe offiziell und weiß wohl im Stillen, dass vor allem die Generation der reichen Erben für die kostspielige Zerstreuung infrage kommt.

Ehebettgroß sind die Liegen an Deck.

Ehebettgroß sind die Liegen an Deck.  |  © PR

Wie also sieht der ideale Passagier aus, den eine Nacht auf dem Schiff mindestens 600 Euro kostet? Hapag-Lloyd spekuliert auf einen Typ wie Dana Schweiger, die als Taufpatin des Luxusliners zur Galionsfigur auserkoren wurde. Die geborene Amerikanerin, Hamburger Unternehmerin, prominente Ex-Schauspielergattin und Mutter verkörpert für den Veranstalter die gewünschte Weltläufigkeit und Flexibilität – eine Karrierefrau, die Familie und Beruf miteinander vereinbart und bisweilen eine Auszeit braucht. Weil Leute dieses Kalibers das Geschäftliche allerdings nie besonders lange links liegenlassen, bietet Hapag-Lloyd jetzt erstmals Reisen von nur einer Woche an, die man um sieben bis 14 Tage verlängern kann.

Die Kunst besteht nun darin, dem Gast den überschaubaren Aufenthalt an Bord im besten Fall endlos erscheinen zu lassen. Erlaubt ist, was gefällt: mal durchs westliche oder östliche Mittelmeer kreuzen und beim Landgang Wein oder Olivenöl verkosten, mal im Winter vor asiatischen Küsten ankern und mit dem Jeep über die Strände von Ko Samui düsen. Auf dem Pooldeck entspannen und bei Nieselwetter unter der ausgefahrenen Glaskuppel des Magrodome auf ehebettgroßen Daybeds ausruhen. 

370 Mitarbeiter kümmern sich um 516 Gäste

Kreative Ablenkung in der Kochschule suchen oder sich zum Training in den 620 Quadratmeter großen Spabereich zurückziehen, wo man mithilfe einer Elektrodenweste Muskelaufbau betreiben kann und einem bei minimalem Zeitaufwand maximale Ergebnisse versprochen werden. Das spart wertvolle Minuten, die einem später beim Chillen, beim Aperol Spritz in der Sansibar oder im Lesesessel der Bibliothek zugutekommen.

Neben einem entschleunigten Zeitempfinden beanspruchen die Danas dieser Welt natürlich einen exquisiten Service. Da trifft es sich, dass den maximal 516 Gästen 370 Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Sie haben zum Teil schon auf der MS Europa Routine erworben, wo das ebenfalls üppig bemessene Verhältnis von 408 Passagieren zu 275 Crewmitgliedern geringfügig ungünstiger ausfällt. Die vollendete Bedienung aber, die gibt es hier wie dort. Weiterhin legen die Kellner den Passagieren gestärkte Servietten auf den Schoß, beim Auftragen des Hauptgangs lüften sie geräuschlos und simultan die silbernen Tellerglocken.

Nach deutschen Sterneköchen à la Dieter Müller von der MS Europa wird man vergeblich suchen. Stattdessen wählt der Gourmet sein Menü eigenwillig nach Gusto: mal vegetarisch, mal rustikal mit Schwarzwälder Schinken oder chinesisch nach den Lehren der Fünf-Elemente-Küche.

Leserkommentare
  1. ...sonderlich gut bei den umweltbewussten Menschen ankommen, denn Kreuzfahrtschiffe sind Quellen hoher Schadstoffemissionen. Meist fahren sie - aus Kostengründen - mit Schweröl mit hohem Schwefelanteil, was zu signifikanten Schwefeloxid- und Feinstaubbelastung führt. Auch die klimabelastenden CO2-Emissionen sind hoch.

    Trotz allem boomt die Kreuzfahrtindustrie nach wie vor. Auch die Ereignise um die Concordia-Havarie scheinen inzwischen vergessen.

    Aber ob sich dieser Boom auch außerhalb der Baby-Boomer-Generation wird fortsetzen lassen? WIr werden es sehen!

    In jedem Fall sollte die ZEIT etwas ausgewogener berichten. Auch die ökologische Schattenseite sollte bei einem Bericht über diese Industrie nicht gänzlich außen vor bleiben.

    Eine Leserempfehlung
  2. Im Hafen von Portofino sind Schiffe mit maximal 55 Metern Länge erlaubt. Ein Kreuzfahrtschiff im Hafen, das würde den Reedereien so passen...

  3. Dieser Bericht über das Schiff fällt dankenswerter Weise nicht so peinlich aus wie die Reklamenummer neulich im Spiegel. Gleichwohl wirkt es wie reine PR. Was ich auch vermisse, ist eine Information dazu, ob die "Zeit" auf Kosten der Reederei mitgefahren ist oder ob die "Zeit" aus Gründen der Unabhängigkeit die Reisekosten selbst beglichen hat.
    Mein Verdacht: alle Journalisten sind für lau mitgereist. Für die Reederei war das allemal kostengünstiger als Anzeigen zu schalten.

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    Das beißt sich gewaltig.

    Die Journalisten sind tatsächlich umsonst mitgereist?
    Dabei sind die 600 Euro (!) pro Nacht doch spielend wieder amortisiert von den Preisen, die man auf Zeit Online für den Artikel zahlt.
    .. oh wait ..

  4. Das beißt sich gewaltig.

    Antwort auf "PR-Artikel"
  5. Die Journalisten sind tatsächlich umsonst mitgereist?
    Dabei sind die 600 Euro (!) pro Nacht doch spielend wieder amortisiert von den Preisen, die man auf Zeit Online für den Artikel zahlt.
    .. oh wait ..

    Antwort auf "PR-Artikel"

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