Stilkolumne : Krasse Typen

Eine Stilkritik
Endlich wissen wir wieder, wie Männlichkeit riecht. Extreme von Bulgari Man, 100 Milliliter 82 Euro © Peter Langer

Wenn man wissen möchte, welcher Typ Mann gerade gefragt ist, lohnt sich ein Blick auf die Kampagnen für Herrendüfte. Zwar wird bei Herrendüften stets behauptet, sie seien für einen bestimmten Mann kreiert worden. In Wahrheit verhält es sich aber eher so, dass der Kunde hofft, durch Aufsprühen eines Duftes etwas näher an das begehrte Männerbild heranzukommen, welches die Werbung zeigt.

In den späten achtziger Jahren konnte man sich einbilden, durch das Aufsprühen einer kleinen Dosis Cool Water so maskulin zu wirken wie der Klippenspringer aus dem Fernsehspot – ohne sich dafür nass machen zu müssen. In den Neunzigern erklärte die Kampagne für den Unisexduft CK Be die Männer zu androgynen, spinnenbeinigen Wesen. Der Mann der Gegenwart soll stilvoll sowie kulturell interessiert sein und sich gleichzeitig eine gewisse Unzivilisiertheit bewahrt haben, was an seinem Fünftagebart und schulterlangen Haaren zu erkennen ist.

So jemand ist jedenfalls zurzeit im Werbespot für Ermenegildo Zegnas Uomo unterwegs, verkörpert durch das Männermodel Ryan Burns. Ein Mann küsst seine Traumfrau auf der Terrasse der Villa Malaparte auf Capri. Typen, die leidenschaftlich knutschen und trotzdem gute Architektur schätzen – das wollen moderne Frauen. Oder doch nicht? Denn auch ein anderer Männertyp wird wieder beworben – und zwar der von der harten Sorte. Bei Porsche Design etwa heißt der aktuelle Duft Titan, was auf einen eher eisenharten Kerl hinweist. Auch Bulgari Man hat einen neuen Duft für den Herrn auf den Markt gebracht: Extreme. Ein Spot zeigt, wie man sich den Herrn vorstellen muss: Der Schauspieler Eric Bana (er hat unter anderem den Hulk verkörpert) schreitet einen Säulengang entlang, als sich ihm plötzlich eine Schlange in den Weg schlängelt – und zurückweicht. Der Extrem-Mann geht unbeeindruckt weiter. Da kommt ein brüllender Löwe des Weges. Und auch er trollt sich wieder.

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Womöglich zeigt der Spot den Anfang vom Ende des urbanen Bärtchenträgers. Vielleicht langweilt jener die Frau von heute schon wieder und wird nun vom Extrem-Mann vermöbelt. Sollte es dann trotzdem nicht mit den Frauen klappen, kann man sich trösten: Zur Raubtierabwehr ist der Duft super. Das ist in Zeiten, in denen Wölfe die Wälder zurückerobern, nicht das Schlechteste.

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