"Für den Transport eines Klaviers wird man sicherlich keine Kette bilden", sagt Jan Behling vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund. Bei großen und sperrigen Gegenständen, die von mehreren Personen getragen werden müssen, ergibt die Stafette keinen Sinn. Aber wenn es gilt, Kisten und andere kompakte Umzugsgüter zu transportieren, ist die Kette tatsächlich unschlagbar.

Behling hat das sogar einmal im Computer simuliert. Nicht als ausführliche wissenschaftliche Studie, sondern auf Anfrage der ARD-Sendung Kopfball. Seine Ergebnisse wurden dann auch in einem praktischen Test bestätigt, bei dem zwei Umzugsteams gegeneinander antraten.

Zunächst hat die Menschenkette einen Nachteil: Weil jede Kisten-Übergabe Zeit kostet, dauert der Weg des Umzugsguts vom Transporter bis zur Wohnungstür auf diese Weise länger. Ein Einzelträger kommt schneller an.

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Aber schon nach kurzer Zeit holt die Kette auf. Das liegt daran, dass die Einzelträger sich gegenseitig behindern: Es gibt bei praktisch jedem Umzug Engpässe, an denen nur ein Träger durchkommt – andere müssen warten. Da man außerdem nur schwer überholen kann, bremsen langsame Träger die schnelleren aus. So kommt es zum Stau. Die Umzugshelfer sind schon bald nicht mehr gleichmäßig über die Strecke verteilt, sondern marschieren in kleinen Grüppchen hintereinander her. Das führt auch zu Wartezeiten am Umzugswagen, wo ein Helfer die Kisten verteilt.

Die Kette dagegen läuft gleichmäßig und elegant, sie gleicht individuelle Unterschiede aus, indem die schnelleren Träger ein paar Schritte mehr laufen als die langsameren. Und schließlich schont es auch die Kräfte, wenn man öfter eine Verschnaufpause hat.

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