Stimmt’s?Geht ein Umzug mit einer "Menschenkette" schneller vonstatten?

… fragt Ulf Thielmann aus Münster von 

"Für den Transport eines Klaviers wird man sicherlich keine Kette bilden", sagt Jan Behling vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund. Bei großen und sperrigen Gegenständen, die von mehreren Personen getragen werden müssen, ergibt die Stafette keinen Sinn. Aber wenn es gilt, Kisten und andere kompakte Umzugsgüter zu transportieren, ist die Kette tatsächlich unschlagbar.

Behling hat das sogar einmal im Computer simuliert. Nicht als ausführliche wissenschaftliche Studie, sondern auf Anfrage der ARD-Sendung Kopfball. Seine Ergebnisse wurden dann auch in einem praktischen Test bestätigt, bei dem zwei Umzugsteams gegeneinander antraten.

Anzeige

Zunächst hat die Menschenkette einen Nachteil: Weil jede Kisten-Übergabe Zeit kostet, dauert der Weg des Umzugsguts vom Transporter bis zur Wohnungstür auf diese Weise länger. Ein Einzelträger kommt schneller an.

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild  |  © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Aber schon nach kurzer Zeit holt die Kette auf. Das liegt daran, dass die Einzelträger sich gegenseitig behindern: Es gibt bei praktisch jedem Umzug Engpässe, an denen nur ein Träger durchkommt – andere müssen warten. Da man außerdem nur schwer überholen kann, bremsen langsame Träger die schnelleren aus. So kommt es zum Stau. Die Umzugshelfer sind schon bald nicht mehr gleichmäßig über die Strecke verteilt, sondern marschieren in kleinen Grüppchen hintereinander her. Das führt auch zu Wartezeiten am Umzugswagen, wo ein Helfer die Kisten verteilt.

Die Kette dagegen läuft gleichmäßig und elegant, sie gleicht individuelle Unterschiede aus, indem die schnelleren Träger ein paar Schritte mehr laufen als die langsameren. Und schließlich schont es auch die Kräfte, wenn man öfter eine Verschnaufpause hat.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Am schnellsten klappt der Umzug wenn man vorher rigoros ausmistet. Und beim beim einpacken gleich nochmal.

    Dann gibt es nämlich weniger zum tragen.

    10 Leserempfehlungen
    • 可为
    • 25. Mai 2013 19:29 Uhr

    Ist auch anders einleuchtend warum die Kette sinnvoller ist: Bei der Kette werden für den Transport von einem 20Kilo Karton auch nur 20 Kilo bewegt, und nicht 90-100 für den Träger und den Karton. Logisch das das auf Dauer Kraft spart...

    4 Leserempfehlungen
  2. beim sandsackschmeißen aufm deich offenbart sich das gleiche naheliegende.

  3. das komtm doch sehr auf die Belegschaft an.

    Bei manchen Umzügen sind da sehr starke und sehr schwache Leute dabei. Da hängt die Kette "am schwächsten Glied" und manche Gegenstände (Waschmaschine, ein Klassiker bei jedem Umzug) gehen nicht über die Kette , sondern ziehen starke Kräfte von dieser ab.

    Insgesamt, gerade bei langen Wegen, wird es wenig idaltypische Umzugscrews geben die die Vorteile der Kette nutzen können.

    Das ist bei Soladaten die Sandsäcke bewegen natürlich was anderes.

  4. Sandsackschmeißen ist aber was anderes: Da steht jeder still und reicht die Sandsäcke nur durch. Bei der Kette trägt aber jeder jedes Objekt eine gewisse Strecke.

    Ich würde vermuten, die Antwort lautet "Kommt drauf an". Je kürzer die Strecke, je mehr Leute und je homogener das Transportgut, desto vorteilhafter die Kette.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es gibt halt zwei Aspekte, deren Vorteile schon erwähnt wurden:

    1.) Die bessere Steuerung mit weniger "Kollisionspotential". Bei der Kette nimmt jeweils genau eine Person die Ware an der vordefinierten Stelle entgegen und geht als einzige Person den jeweiligen vordefinierten Weg.

    2.) Gerade, wenn die Personen stehen oder nur sehr kurze Strecken gehen, ist die Energieeffizierenz größer, als wenn die Ware über lange Strecken getragen wird.

    Es gilt aber immer: Jede Kette ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Wenn die Oma mit dem Rollator dazwischen ist, kann das Einzelschleppen schneller sein.

  5. Es gibt halt zwei Aspekte, deren Vorteile schon erwähnt wurden:

    1.) Die bessere Steuerung mit weniger "Kollisionspotential". Bei der Kette nimmt jeweils genau eine Person die Ware an der vordefinierten Stelle entgegen und geht als einzige Person den jeweiligen vordefinierten Weg.

    2.) Gerade, wenn die Personen stehen oder nur sehr kurze Strecken gehen, ist die Energieeffizierenz größer, als wenn die Ware über lange Strecken getragen wird.

    Es gilt aber immer: Jede Kette ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Wenn die Oma mit dem Rollator dazwischen ist, kann das Einzelschleppen schneller sein.

  6. Als Fahrer eines VW-Busses zu Studentenzeit, kann ich die Effizienz einer Trägerkette nur bestätigen. Besonders das Hochreichen des Umzugsguts über mehrere Stufen spart das Hochtragen des eigenen Körpergewichts. Ist die Kette dicht genug, muss im Idealfall keiner Treppen steigen und Wege laufen.

    Einen VW-Bus kann ich als Studentenauto nur bedingt empfehlen, man hat verdammt viel „Freunde“. Und dann diese ewigen Plenumsdiskus ums „Kette oder jeder trägt“ – herrje :)

    Eine Leserempfehlung
  7. Meine Erfahrung: Es ergibt sich immer eine Mischung aus Laufen, schieben (Rollwagen/Sackkarre), über Treppen hochtragen und Kette.

    Manche Dinge drückt man eben schnell dem Nächsten in die Hand, statt daß man sich im engen Treppenhaus aneinander vorbeiquält, manche Dinge fallen hingegen bei der Übergabe auseinander.

    Meine Lösung dazu: Einfach das dem nächsten in die Hand drücken, was ich leicht übergeben kann. Die Kette bildet sich dann von selbst.

    PS: Und nicht überheben, gerade unter der Grenze bleiben, wo es deutlich anstrengt, dann hält man am längsten durch und schafft am meisten.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Stimmt's?
  • Schlagworte Computer | Studie | Test
Service