"Ich bemerkte die drei Löwen, die neben mir liefen"

Ich habe immer wieder von Löwen geträumt. Sie haben mich in Situationen begleitet, in denen ich Angst hatte. Einmal wurde ich zum Beispiel auf dem Weg nach Hause von einem Helikopter verfolgt. Erst kurz vor dem Haus bemerkte ich die drei Löwen, die neben mir liefen. Als ich endlich im Haus angekommen war, lag der männliche Löwe vor der Küche, die zwei Löwinnen waren bei mir. Der Helikopter schwebte noch eine Weile vor dem Fenster, aber als eine der Löwinnen auf die Fensterbank sprang, drehte er ab. Ich konnte ruhig schlafen, beim Aufwachen waren die Löwen nicht mehr da.

Die Tiere strahlten eine große Ruhe aus, die jedes Mal mit ihnen wiederkehrte. Nach dem Tod meiner Großmutter las ich in ihrem Tagebuch, dass auch sie von Löwen geträumt hatte. Mittlerweile bin ich Mutter von vier Kindern und fühle mich anscheinend sicher genug. In meinen Träumen bin ich den Löwen jedenfalls schon lange nicht mehr begegnet.

Tina von Gimborn-Abbing, 47, lebt in Bedburg-Hau am Niederrhein


"Ich war mir sicher, dass der Traum eine Bedeutung hatte"

Im Traum stand ich an einem Hafenquai. Es war warm, die Sonne schien, um mich herum geschäftiges Treiben vor riesigen, strahlend weißen Kreuzfahrtschiffen. Eine absolut glückliche Stimmung des Aufbruchs. Jedoch konnte ich überhaupt nichts damit anfangen. Denn nach den letzten katastrophal unruhigen Jahren wollte ich endlich wieder irgendwo ankommen in meinem Leben.

Merkwürdigerweise ließ der Traum mich nicht mehr los. Ich war mir ganz sicher, dass er eine Bedeutung hatte. Nur welche, das war mir ein Rätsel. Selbst Google und der Bruder mit psychologischem Universitätsdiplom konnten keine Interpretation bieten, die angesichts meiner Gefühlslage glaubhaft gewesen wäre.

Nach diesem Traum verging einige Zeit, dann lernte ich einen wunderbaren Mann kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick, sofort waren wir uns so vertraut, als würden wir uns schon seit Jahren kennen. Er war Marineoffizier.

Das Gefühl der Glückseligkeit, das ich im Traum empfunden hatte, war nun in der Realität das gleiche. Und für die Hafen-Metapher gibt es diese persönliche Deutung: Wir zwei sind mittlerweile ein glückliches Ehepaar. Den Traum vergesse ich nie, denn er zeigt: Träume können Wirklichkeit werden.

Sabine Krämer, 50, Erftstadt bei Köln


"Wir halten uns versteckt und beobachten die Zombies"

Ein immer lauter werdendes Raunen hallt durch die alte Fabrikhalle, in der wir uns befinden. Schlurfende Schritte nähern sich. Wir sind eine kleine Gruppe von Leuten, wir halten uns versteckt und beobachten Zombies, die langsam an uns vorbeiziehen. Es ist schwierig, die Zeit einzuschätzen, aber es sind hier wohl bereits ein paar Monate vergangen. Unsere anfängliche Angst hat sich in Überlebenswillen umgewandelt, doch an den Geruch kann man sich nicht gewöhnen. Wir warten, bis sie außer Sichtweite sind, und sprinten die Halle hinunter. Irgendwann teilt sich unsere Gruppe auf. Ich bin allein und abermals auf der Flucht. Dabei biege ich falsch ab und lande in einer Sackgasse. Hinter mir nähern sie sich. Ihre Blicke sind leer, ihre verwesten Hände greifen nach mir. Manche von ihnen erkenne ich von früher: die süße Edeka-Verkäuferin, den seltsamen Typen aus der WG über meiner Wohnung, den alten Mann, der immer mit sich selbst geredet hat. Ich bleibe einfach stehen und versuche nicht zu mehr zu fliehen. Ein letzter Gedanke schießt mir durch den Kopf: "Na ja, vielleicht wird es ja nicht so schlimm."

Kevin Kopacka, 25, lebt in Berlin-Schöneberg


"Er sagte, es wäre doch schade ums Bier"

Ich stehe irgendwo auf dem Rasen eines großen Parks oder Gartens. Der Rasen ist übersät mit Herbstblättern. In meinen Händen halte ich einen Laubrechen. Mein Mund ist trocken. Ich habe Durst und bücke mich nach einer Bierflasche, die neben mir auf dem Boden steht. "Pass bloß auf, dass du die Flasche nicht versehentlich mit dem Laub zusammenrechst! Wäre doch schade ums Bier."

Ich kenne diese warme, fröhliche Stimme, blicke hoch, und tatsächlich steht neben mir mein Onkel Louis. Vergnügt blinzeln mich seine Äuglein aus seinem braun gebrannten bärtigen Gesicht an. Er trägt ein rot kariertes Holzfällerhemd, Jeans und erdverkrustete Gummistiefel.

Onkel Louis ist vor zwölf Jahren an einem Gehirntumor gestorben. Mit ihm, einem leidenschaftlichen Hobbygärtner, habe ich als kleiner Junge manchmal im Garten gearbeitet. In den Pausen gönnte er sich ein Bier, ich bekam verdünnten Grenadinesirup. Er war der Lieblingsonkel seiner Neffen und Nichten. "Du fehlst mir!", platzt es aus mir heraus, und sogleich schnürt es mir die Kehle zu. Ich wache auf.

Christoph Vaucher, 43, lebt in Zürich

"Zwei Sonnen wandern langsam aufeinander zu"

Den Traum, der mich nicht loslässt, hatte ich schon in meiner Jugend ab und zu. In der Zeit, in der ich mein Studium abgeschlossen habe, kam er jedoch mehr als ein Jahr lang immer wieder, manchmal mehrmals die Woche. Vor Kurzem glaubte ich, es wäre jetzt vorbei, aber genau in der Nacht danach habe ich wieder davon geträumt: In dem Traum geht die Welt unter. Das passiert auf unterschiedliche Weise, aber es gibt Elemente, die sich wiederholen, und ein bestimmtes Gefühl, das sich nicht ändert. Es herrscht eine seltsame Art von Panik. Es ist ganz still, jeder weiß, dass die Menschheit ausgelöscht wird, aber keiner weiß, was eigentlich genau passiert. Alle starren gebannt in den Himmel und warten darauf – meistens ist es taghell, obwohl es eigentlich Nacht ist. Oft habe ich dann zwei Sonnen am Himmel gesehen, die langsam aufeinander zuwandern. Sobald sie sich berühren, umhüllt mich lilafarbenes Licht, und ich frage mich: Ist es jetzt vorbei?

Oft habe ich auch geträumt, dass ich durch unbekannte Straßen gehe und alle Passanten nach und nach in ihrer Bewegung einfrieren. Irgendwann wird mir bewusst: Das ist der Weltuntergang, und ich weiß, dass auch ich im nächsten Moment versteinern könnte.

Lisa-Marie Edi, 23, lebt in Wien