WeiterbildungDas Zitat... und Ihr Gewinn

Robert Schumann sagt: Es ist des Lernens kein Ende. von 

Wer zu einer Fortbildung will, stößt oft auf ein Hindernis: den Chef. Mal behauptet der, er könne den Mitarbeiter gerade nicht entbehren. Dann ist der Fortbildungsetat angeblich schon verbraucht. Oder der Vorgesetzte sagt unverblümt: "Wir bezahlen Sie fürs Arbeiten, nicht für Fortbildungen!" Es ist des Lernens kein Ende, schreibt der Komponist Robert Schumann, doch viele Angestellte haben das Gefühl: Das Lernen ist am Ende!

Millionen von Mitarbeitern bekommen Fortbildungen nur in homöopathischer Dosis verabreicht – vorzugsweise zu neuer Software oder zu anderen Banalitäten des Tagesgeschäfts. Mit "Bildung" hat das so viel zu tun wie eine Eintagsfliege mit der Ewigkeit.

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Was tun, wenn Sie in Ihrer Lernfreude so ausgebremst werden? Zeigen Sie Ihrem Chef auf, was er davon hat, wenn Sie eine Fortbildung besuchen. Wie können Sie Ihr Wissen in die Arbeit einbringen und die Ergebnisse der Abteilung verbessern? Welche Kunden, welche Kollegen, welche Projekte könnten davon profitieren? Und wäre es denkbar, dass Sie für die Abteilung Ihre Erkenntnisse in einem Referat zusammenfassen? Wenn Sie Ihrem Vorgesetzten seinen Vorteil klarmachen, lässt er sich leichter als Sponsor gewinnen.

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Und wenn die Weiterbildungs-Ampel dennoch rot bleibt? Dann sollten Sie die Fortbildung auf eigene Kosten besuchen. Dieser Gedanke löst oft Widerstand aus: Dieselben Menschen, die es für eine gute Investition halten, jeden Monat 200 Euro in einen Aktienfonds zu stecken, scheuen vor Investitionen in die eigene Bildung zurück. Dabei stehen und fallen moderne Arbeitnehmer mit ihrem Wissen. Und wenn Sie dieses Wissen durch Fortbildungen erweitern, wirft das eine höhere Rendite als jeder Fonds ab – spätestens wenn Sie dadurch ein höheres Gehalt verhandeln, eine Beförderung durchsetzen oder einen gut dotierten Wechsel einfädeln können. Schauen Sie vorher in die Stellenausschreibungen: Welche Zusatzqualifikationen sind in Ihrer Branche künftig die gefragtesten?

Viele Mitarbeiter wählen einen Zwischenweg: Statt die Fortbildung selbst zu bezahlen, bieten sie ihrem Arbeitgeber an, einen Teil davon in ihre Freizeit zu legen. Das bringt ihre Firma unter Zugzwang, ihnen einen Schritt entgegenzukommen.

Firmen wechselt man im Laufe eines Berufslebens. Das eigene Wissen aber nimmt man immer mit. Lernen ohne Ende lohnt sich.

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Leserkommentare
  1. So stelle ich mir Lieschen Müllers Karriereträume vor:
    Den Chef mit Argumenten davon überzeugen, ..
    - dass man mehr Gehalt bekommt,
    - dass man Team- oder Budgetverantwortung übernehmen kann
    - dass man Weiterbildungen bezahlt bekommt

    MUAAAHAHAHAHAAAAA!
    Es gibt viele Dinge die dafür zählen, aber Argumente ganz sicher zuletzt. Diese Denke existiert in den allermeisten Firmen nur auf auf dem Papier.

    2 Leserempfehlungen
  2. Wenn man als Arbeitnehmer bis 67 arbeiten soll, dann sollte es auch einen gesetzlichen Anspruch auf eine zweite kostenlose Berufsausbildung ab 40 geben.Arbeitnehmer über 40 werden häufig schon nicht mehr berücksichtigt bei Stellenausschreibungen , auf Grund veralteter Berufsausbildung. Ohne aktuelles Know-how sieht es düster aus auf dem Arbeitsmarkt.

    Eine Leserempfehlung
  3. Dies ist ein freies Land und diesen Umstand sollte jeder für sich nutzen. Die in Wahrheit unbedeutende Hürde einer unternehmerischen Absage an die eigene Fortbildung ist sehr leicht durch Eigenverantwortung und stringente Umsetzung der ureigenen Lebensvorstellung zu überwinden.
    Was sollte man sich denn noch Höchstpersönliches vom ach' so bösen Chef erlauben zu lassen? Zu heiraten? Kinder zu kriegen?... Diese folgerichtige Konsequenz legt weitere, vielleicht berechtigtere Gründe offen, warum sich der Arbeitnehmer scheut, die Fortbildung in die eigene Hand zu nehmen:
    - Bildung, besonders wenn diese etwas kostet, hat in unserem gesellschaftsgeprägten Selbstbild keinen adäquaten Gegenwert. Warum sollte man selbst also das finanzielle Opfer dafür aufbringen?
    - grundsätzlich ist Persönlichkeitsentwicklung und Menschwerdung immer anstrengend, kostspielig und verlangt hohe Opferbereitschaft und aus diesem Grund vielleicht leichter zu tragen, wenn man sie nach oben abwälzt und von oben tragen läßt.

    siehe unten Teil 2

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  4. Alles in allem ist der Arbeitgeber sicher der falsche Ansprechpartner, wenn es um die Erfüllung persönlicher Träume und Ausstattungen geht. Ihm obliegt mithin auch nicht das Verschulden für persönlichen Stillstand. Das hat, Gott sei Dank, in diesem freien Land noch jeder selbst zu verantworten.

    Also: Ärmel hochkrempeln, Fortbildung hoch erhobenen Hauptes selbst zahlen und die Freude über den eigenen geistigen Zugewinn mit sich und seiner Umwelt feiern.
    Die Mühen werden honoriert werden. So oder so....

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    • dp80
    • 16. Juni 2013 13:34 Uhr

    Wenn ich Fortbildungen in die Freizeit lege und alles privat finanziere, symbolisiere ich dadurch lediglich, dass ich mich grenzenlos ausbeuten lasse.

    Die meisten Arbeitgeber werden entweder sagen:

    1) "Super gemacht! Nächstes Jahr gerne wieder. Aber nein - Kapazität für Gehaltserhöhung haben wir leider keine".

    2) oder "Sie wissen schon, dass bei uns Führungskräfte mindestens 60 Stunden arbeiten sollen? Und da hatten Sie parallel noch Kapazität für Fortbildungen? Scheinbar sind Sie nicht ausgelastet. Wir sollten Ihnen mehr Arbeit zuteilen."

    Eine Leserempfehlung
  5. ...werden auf dem Rücken der Dozenten reduziert. Ich kenne keinen Kollegen, der nicht wenigstens ein Jahr lang ALG II beantragen musste, weil die Stundensätze in manchen - Englisch, Deutsch als Fremdsprache, BvB - so in den Keller gegangen sind, dass es notwendig wurde.

    Es gibt immer einen KollegIn die der es billiger macht. Besonders im Bereich Englisch müssen gut ausgebildete Fachkräfte gegen billig native Speaker antreten, die schon für 9 Euro die Stunde antreten.

    Leider ist dies dann auch das Niveau der Weiterbildung und die Teilnehmer grausen sich. Schade eigentlich!

    JLC

    Eine Leserempfehlung
  6. Bitte verzichten Sie auf Werbung. Danke, die Redaktion/se

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  • Serie Das Zitat und Ihr Gewinn
  • Schlagworte Arbeit | Arbeitgeber | Arbeitnehmer | Bildung | Chef
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