Wer zu einer Fortbildung will, stößt oft auf ein Hindernis: den Chef. Mal behauptet der, er könne den Mitarbeiter gerade nicht entbehren. Dann ist der Fortbildungsetat angeblich schon verbraucht. Oder der Vorgesetzte sagt unverblümt: "Wir bezahlen Sie fürs Arbeiten, nicht für Fortbildungen!" Es ist des Lernens kein Ende, schreibt der Komponist Robert Schumann, doch viele Angestellte haben das Gefühl: Das Lernen ist am Ende!

Millionen von Mitarbeitern bekommen Fortbildungen nur in homöopathischer Dosis verabreicht – vorzugsweise zu neuer Software oder zu anderen Banalitäten des Tagesgeschäfts. Mit "Bildung" hat das so viel zu tun wie eine Eintagsfliege mit der Ewigkeit.

Was tun, wenn Sie in Ihrer Lernfreude so ausgebremst werden? Zeigen Sie Ihrem Chef auf, was er davon hat, wenn Sie eine Fortbildung besuchen. Wie können Sie Ihr Wissen in die Arbeit einbringen und die Ergebnisse der Abteilung verbessern? Welche Kunden, welche Kollegen, welche Projekte könnten davon profitieren? Und wäre es denkbar, dass Sie für die Abteilung Ihre Erkenntnisse in einem Referat zusammenfassen? Wenn Sie Ihrem Vorgesetzten seinen Vorteil klarmachen, lässt er sich leichter als Sponsor gewinnen.

Und wenn die Weiterbildungs-Ampel dennoch rot bleibt? Dann sollten Sie die Fortbildung auf eigene Kosten besuchen. Dieser Gedanke löst oft Widerstand aus: Dieselben Menschen, die es für eine gute Investition halten, jeden Monat 200 Euro in einen Aktienfonds zu stecken, scheuen vor Investitionen in die eigene Bildung zurück. Dabei stehen und fallen moderne Arbeitnehmer mit ihrem Wissen. Und wenn Sie dieses Wissen durch Fortbildungen erweitern, wirft das eine höhere Rendite als jeder Fonds ab – spätestens wenn Sie dadurch ein höheres Gehalt verhandeln, eine Beförderung durchsetzen oder einen gut dotierten Wechsel einfädeln können. Schauen Sie vorher in die Stellenausschreibungen: Welche Zusatzqualifikationen sind in Ihrer Branche künftig die gefragtesten?

Viele Mitarbeiter wählen einen Zwischenweg: Statt die Fortbildung selbst zu bezahlen, bieten sie ihrem Arbeitgeber an, einen Teil davon in ihre Freizeit zu legen. Das bringt ihre Firma unter Zugzwang, ihnen einen Schritt entgegenzukommen.

Firmen wechselt man im Laufe eines Berufslebens. Das eigene Wissen aber nimmt man immer mit. Lernen ohne Ende lohnt sich.