ZEIT: Mit der Einführung des Rundfunkbeitrags ist das Bedürfnis nach Transparenz gestiegen – die Menschen wollen wissen, was Sie mit ihrem Geld machen. Wie werden Sie dem gerecht?

Bellut: Unsere Haushaltsberatungen sind öffentlich, die Pläne einsehbar. Aber tatsächlich wollen wir die Zuschauer auf unserer Homepage bald noch breiter informieren.

ZEIT: Werden Sie erstmals offenlegen, wie viele Millionen Sie in Fußball investieren?

Bellut: Ich will die Gesamtausgaben für Sport veröffentlichen. Beim Fußball geht das nicht.

ZEIT: Warum nicht? Der Bezahlsender Sky gibt doch auch bekannt, wie viel er für die Spiele ausgibt.

Herres: Wir sind bei den Fußballverträgen zu Verschwiegenheit verpflichtet.

ZEIT: Also keine Transparenz bei der teuersten Sportart. Werden Sie denn künftig im Detail angeben, wie viel Sie pro Programmsparte genau ausgeben?

Bellut: Dagegen spricht nichts.

Herres: Bei uns ist das komplizierter, die neun Landesrundfunkanstalten haben unterschiedliche betriebswirtschaftliche Strukturen. Aber der Wille ist da – wir haben nichts zu verbergen.

ZEIT: Dürfen wir Sie da beim Wort nehmen? Wie viel zahlen Sie Ihren Moderatoren?

Bellut: Würden wir das veröffentlichen, gäbe es sofort Neiddebatten, die sehr heftig werden könnten. Wir würden Zuschriften bekommen wie: "Der kriegt von mir Gebührengelder, ich mag den aber gar nicht." Ich finde, auch gut bezahlte Menschen haben ein Recht, geschützt zu werden.

ZEIT: Und das wiegt schwerer als das Recht der Zuschauer, zu erfahren, was mit ihrem Geld genau geschieht?

Bellut: Ich werde das sicherlich nicht veröffentlichen. Im Übrigen sprechen wir hier nur von einer Handvoll sehr gut verdienender Moderatoren. Wenn ich nicht mehr fähig bin, eine bestimmte Summe zu zahlen, verliere ich die Chance, die Besten zum ZDF zu holen.

ZEIT: Stimmt es, dass Ihre Fixkosten so hoch sind, dass Sie sich gezwungen sehen, ausgerechnet am Programm zu sparen? Die ARD hat allein Rückstellungen für Pensionen von über sechs Milliarden Euro!

Herres: Nein. Aber wir müssen damit rechnen, dass sich die Beitragseinnahmen auf absehbare Zeit nicht erhöhen werden; da gilt es, auch auf Dinge zu verzichten. Aber am Programm möchte ich zuletzt sparen.

Bellut: In den vergangenen Jahren wurden die Pensionsrückstellungen im ZDF stark reduziert, sie liegen derzeit bei 440 Millionen Euro. Und wir bauen doch gerade 400 Stellen ab, auch, um möglichst viel ins Programm investieren zu können.

ZEIT: Die Legitimationskrise dürfte Sie weiter begleiten. Ist es für Sie denkbar, dass es eines Tages zu einer weitgehenden Fusion des ersten und des zweiten Programms kommt?

Herres: Die Zeiten des Wachstums sind beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorbei; stabile Beitragseinnahmen bedeuten, dass wir nach Abzug der Inflation weniger bekommen. Gleichzeitig wachsen die Aufgaben, ein Teil unserer Zukunft findet online statt. Ich denke, wir sollten unsere Strategien künftig stärker miteinander abstimmen. Die Gesellschaft würde es nicht akzeptieren, wenn sich beide Sender auf allen Feldern tummeln.

ZEIT: Hört sich vielversprechend an. Wie könnte das aussehen?

Herres: Wir müssen Doppelungen im Programm vermeiden. Das versuchen wir auch schon, indem wir etwa im Wechsel live von royalen Ereignissen berichten. Ich halte aber nichts von einer völligen Integration der Systeme. Das Land ist groß genug, sich zwei unabhängige öffentlich-rechtliche Sender leisten zu können.

Bellut: Ich bin bereit, über nahezu alle Brücken zu gehen. Wir könnten etwa über mehr Zusammenarbeit in der Auslandsberichterstattung nachdenken. Nicht gerade bei den ganz großen Studios wie Washington, die überausgelastet sind, aber bei den kleineren vielleicht.

ZEIT: Finden Sie, der Streit über den geplanten Jugendkanal von ARD und ZDF ist ein ermutigender Schritt der neuen Zusammenarbeit?

Bellut: Wir konnten den Vorschlag der ARD, die sechs Spartenkanäle der öffentlich-rechtlichen Sender zu drei gemeinsamen zu verschmelzen, nicht akzeptieren. Wir geben ohnehin schon ZDFkultur freiwillig auf und würden dann auch noch ZDFinfo und ZDFneo verlieren. Aber diese Kanäle sind gerade bei den Jüngeren sehr erfolgreich – und unsere Versuchsplattformen für neue Formate, auch für das Hauptprogramm. Ich werde dafür kämpfen, diese zu behalten.

ZEIT: Das alles hört sich jetzt aber nicht nach einer harmonischen Zusammenarbeit an.

Bellut: Es gibt in ganz vielen Bereichen eine tolle Zusammenarbeit. Und wir sind auch nicht grundsätzlich gegen einen Jugendkanal.

ZEIT: Ist schon etwas entschieden?

Herres: Wir sind etwas ungeduldiger als Herr Bellut, der mit dem Kanal erst 2017 starten möchte. Die ARD würde das gerne früher schaffen.

Bellut: Einen Jugendkanal halte ich für ein interessantes Projekt, aber wir wissen noch nicht mal, wie die Erträge durch die Umstellung auf den Rundfunkbeitrag genau aussehen. Wir brauchen aber Klarheit bei den Kosten und beim Personal.