Griechische Personalvermittlung"Kliniken sind meine Stammkunden"

Stavros Antoniou ist von Stuttgart in die Heimat seiner Eltern gezogen, um griechische Fachkräfte nach Deutschland zu vermitteln

DIE ZEIT: Herr Antoniou, Sie vermitteln griechische Fachkräfte nach Deutschland – die dann in Ihrem Land fehlen...

Stavros Antoniou: Was wäre denn die Alternative? Griechenland hat eine Arbeitslosenquote von über 25 Prozent. Wir müssen jetzt dem Einzelnen helfen. Bei uns werden mehr Ärzte ausgebildet, als die Kliniken benötigen. Deutsche Unternehmen sind sehr an griechischen Ingenieuren und Informatikern interessiert. Meine Hoffnung ist aber, dass sie in fünf bis zehn Jahren zurückkehren und ihr Wissen in unser Land investieren.

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ZEIT: Glauben Sie wirklich, dass die Fachkräfte wieder zurückkommen?

Antoniou: Auch wenn die meisten, die Griechenland gerade verlassen, enttäuscht und wütend sind – Heimat bleibt Heimat! Nach jeder Krise kommt ein Aufschwung. Vor allem deutsche Unternehmen in Griechenland werden dann hoch qualifizierte Griechen mit Erfahrung im Ausland zu schätzen wissen.

Stavros Antoniou

Stavros Antoniou vermittelt mit der griechischen Personalberatung Grecruitment griechische Fachkräfte ins Ausland.

ZEIT: Sie selbst sind mitten in der Krise von Stuttgart nach Thessaloniki gezogen und haben Ihren Job dafür aufgegeben.

Antoniou: Ja, das war 2009. Ich bin in Deutschland geboren, habe dort studiert und für Personalagenturen gearbeitet. Irgendwann wurde ich von ThyssenKrupp gefragt: Du bist doch Grieche, wir suchen jemanden in Griechenland. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, es ist ein Bonus, Kind griechischer Gastarbeiter zu sein. Und ich dachte, das Interesse könnte auch bei anderen Unternehmen bestehen.

ZEIT: Welche deutschen Arbeitgeber haben den größten Bedarf an griechischen Fachleuten?

Antoniou: Die Krankenhäuser, da muss ich gar keine Akquise mehr machen. Ich habe etwa 20 Kliniken in Deutschland, die sind mittlerweile Stammkunden. Im Schnitt erhalte ich zwei Anfragen pro Woche. Es werden auch viele Bauingenieure gesucht oder Ingenieure für Energie und Elektrotechnik. Wenn die Kandidaten gut Deutsch sprechen, ist das meist eine sichere Sache. Früher habe ich allein von meinem Wohnzimmer aus gearbeitet, heute habe ich sieben Angestellte, und meine Agentur ist in die Innenstadt von Thessaloniki gezogen.

ZEIT: In einigen deutschen Kliniken arbeiten schon so viele zugewanderte Ärzte, dass es Sorgen gibt, sie könnten sich mit den Patienten nicht verständigen.

Antoniou: Alle unsere Kandidaten müssen mindestens einen sechsmonatigen Sprachkurs am Goethe-Institut absolviert haben. Ich sende den Unternehmen zusammen mit den Bewerbungsunterlagen immer ein Video, in dem sich der Kandidat auf Deutsch vorstellt. Seitdem wir das machen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Einstellung um 70 Prozent gestiegen.

ZEIT: Was lassen sich die deutschen Firmen die Anwerbung kosten?

Antoniou: Vor allem mittelständische Unternehmen investieren sehr viel. Sie übernehmen die Umzugskosten oder bezahlen den Mitarbeitern Deutschkurse. Kliniken bieten manchmal Schnupperwochen an, für die sie das Flugticket und ein Zimmer im Krankenhaus stellen. Aber es gibt auch Firmen, die kommen nicht einmal für die Reise zum Bewerbungsgespräch auf. Andere Länder zahlen besser, aber Deutschland gilt als stabil und sicher und hat die interessanteren Firmen.

ZEIT: Sie halten Vorträge an griechischen Unis zu Themen wie "Jobs für Ingenieure in Deutschland". Die Hörsäle sind rappelvoll.

Antoniou: Ich gebe Workshops, in denen ich erkläre, wie man Soziale Netzwerke für die Jobsuche in Deutschland nutzt. Ich simuliere mit den Studenten auch Bewerbungsgespräche. Dann sind häufig deutsche Unternehmer per Videochat zugeschaltet. Sie möchten sich im internationalen Kampf um Talente gut positionieren.

ZEIT: Neuerdings haben Sie eine Zweigstelle in Spanien.

Antoniou: Ja, weil die Kliniken mich plötzlich gefragt haben, ob ich Ihnen nicht auch spanische Ärzte vermitteln könnte.

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Leserkommentare
  1. Ich habe viele Jahre mit griechischen Kollegen zusammengearbeitet. Die Leute waren freundlich, in der Regel stets offen und kommunikativ, gut im Aufbau von Netzwerken und sonst sehr familiär veranlagt.

    2 Leserempfehlungen
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    • shtok
    • 15. Juni 2013 19:43 Uhr

    das in der heutigen dt. Unternehmenskultur weiterhelfen, die man nur als asozial bezeichnen kann.

    Aber der Wunsch des Beraters wird in Erfüllung gehen.Die werden wieder zurück gehen, nur schneller als er denkt. Wenn sie sehen, wie lausig dt. Unternehmen bezahlen und das davon am Monatsende kaum was übrig ist, wenn es überhaupt solange reicht.

    • shtok
    • 15. Juni 2013 19:43 Uhr

    das in der heutigen dt. Unternehmenskultur weiterhelfen, die man nur als asozial bezeichnen kann.

    Aber der Wunsch des Beraters wird in Erfüllung gehen.Die werden wieder zurück gehen, nur schneller als er denkt. Wenn sie sehen, wie lausig dt. Unternehmen bezahlen und das davon am Monatsende kaum was übrig ist, wenn es überhaupt solange reicht.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Sehr nette Leute"
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    Entfernt, bitte verzichten Sie auf Provokationen. Danke, die Redaktion/se

  2. Leider fehlen im Artikel wesentliche Hintergrundinformationen, welche ein deutlich anderes Licht auf die Aussagen werfen würden.

    Nehmen wir als Beispiel die Ärzte.

    "Bei uns werden mehr Ärzte ausgebildet, als die Kliniken benötigen." - Betrachtet man zu dieser Aussage den derzeitigen Zustand des griechischen Gesundheitssystem kann man hier durchaus das Wort Zynismus gebrauchen. Denn jenes kann in weiten Teilen kaum noch, oder bereits nicht mehr, die Grundversorgung sicherstellen.

    In dieser Situation das Abwerben von Ärzten zu unterstützen anstatt die Mißstände anzugehen, bezeichne ich gegenüber den Griechen als menschenverachtend.

    Des weiteren könnte man die Frage aufgreifen, warum in Deutschland trotz ausreichender Ausbildung Ärzte fehlen.

    Somit erscheint auch die Aussage - "Wir müssen jetzt dem Einzelnen helfen. " - in völlig neuem Licht. Auf einer Linie mit der Ideologie, welche Staaten wie Griechenland zestört. Und dies systemgerecht ohne die wirklichen Mißstände anzugehen.

    9 Leserempfehlungen
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    schätzen werden..
    Wären die so gut, könnten sie ihr Land ja auch mal auf Vordermann bringen..
    klappt ja leider eher wenig..

    zu den Ärzten..tja..scheint ja eine gewisse Grupierung zu sein, die MEdizin studiert.
    Vor einigen Jahren ,als ich mein Studium begann ,wurde noch vehement von Medizin abgeraten..zu wenig Geld..die alte Leier..
    Wenn man weiß,dass ÄrztINNEN vornehmlich nach Geld und sekundär nach schleierhaftem" Status" gieren, fragt man sich schon, warum der Steuerzahler das noch mitfinanzieren muss..
    (dabei sollten sich die Ärzte mal überlegen, dass akademische Grade, die in der Medizin noch "Titel" heißen, nicht teil des bürgerlichen Namens sind nach 12 BGB und ich deswegen per se keinen Arzt mit Dr. anspreche)

  3. schätzen werden..
    Wären die so gut, könnten sie ihr Land ja auch mal auf Vordermann bringen..
    klappt ja leider eher wenig..

    zu den Ärzten..tja..scheint ja eine gewisse Grupierung zu sein, die MEdizin studiert.
    Vor einigen Jahren ,als ich mein Studium begann ,wurde noch vehement von Medizin abgeraten..zu wenig Geld..die alte Leier..
    Wenn man weiß,dass ÄrztINNEN vornehmlich nach Geld und sekundär nach schleierhaftem" Status" gieren, fragt man sich schon, warum der Steuerzahler das noch mitfinanzieren muss..
    (dabei sollten sich die Ärzte mal überlegen, dass akademische Grade, die in der Medizin noch "Titel" heißen, nicht teil des bürgerlichen Namens sind nach 12 BGB und ich deswegen per se keinen Arzt mit Dr. anspreche)

    Eine Leserempfehlung
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    zur Statusgeschichte...ist mir sowieso schleierhaft ,warum Ärzte bei ihrer mechanistischen belanglosen Arbeit überhaupt STatus haben sollten.Zumindest in meiner Generation bröckelt dieser stark..
    auch die Arbeit im Krankenhaus ist eher bemitleidenswert..abhängig natürlich vom Fachbereich

  4. zur Statusgeschichte...ist mir sowieso schleierhaft ,warum Ärzte bei ihrer mechanistischen belanglosen Arbeit überhaupt STatus haben sollten.Zumindest in meiner Generation bröckelt dieser stark..
    auch die Arbeit im Krankenhaus ist eher bemitleidenswert..abhängig natürlich vom Fachbereich

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    Allgemeines Ärztebashing ist hier eigentlich nicht das Thema, aber ich antworte trotzdem einmal:

    Stimmt nicht, die Gruppe ist recht heterogen. Es gibt ein paar wenige, die tatsächlich vornehmlich auf den Status aus sind, ein paar, die die naturwissenschaftliche Seite interessiert und viele, die eine sinnvolle Tätigkeit suchen.
    In der Praxis scheint meinem Eindruck nach der Anteil der karriereorientierten Kollegen zuzulegen, was durch die immer noch vorherrschenden hierarchischen Strukturen und die Konkurrenzsituation in den Krankenhäusern erklärbar ist. Auch die Verehrung durch viele Patienten (nicht durch Sie, schon klar), mag dazu beitragen.

  5. 6. @stonk

    Entfernt, bitte verzichten Sie auf Provokationen. Danke, die Redaktion/se

    Antwort auf "Und wie soll denen"
  6. 7. @shtok

    Sie meinen, DIE deutsche Unternehmenskultur ist "asozial"? Hm, ein interessanter, differenzierter Beitrag. :-)

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    • wauz
    • 16. Juni 2013 14:33 Uhr

    Jedenfalls sind deutsche Arbeitnehmer weniger ihrer Firma als vielmehr der monatlichen Überweisung verbunden. So richtig Lust hat kaum einer mehr, auch wenn die Zahlen der diversen Untersuchungen schwanken. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass nur die diversen steuerlichen Förderung für sogenannte Eigenheime, die ja in der Regel mit heftigen Schulden verbunden sind, den Betriebsfrieden noch retten. Aus den USA der 50er Jahre stammt der Spruch (weiß nimmer von wem): Verschuldete Eigenheimbesitzer werden kaum streiken.
    Letztendlich sind halt zu viele Deutsche aus eigenem Antrieb in die Schuldknechtschaft gegangen. Deswegen gehen sie Zähne knirschend weiter zur Arbeit und vermiesen auch allen anderen den Tag. Wo kämen wir denn hin, wenn andere Spaß an der Arbeit hätten?
    Und aus genau dem Grund gehen eben viele, nicht Hypotheken-gebundene Immigranten wieder.

  7. ist die deutsch Steuer-Kultur ein Lichtblick,wenngleich noch nicht so optimal wie in skandinavien.

    Ich freue mich über jeden Zuwanderer aus einem prekären Land mit niedriger Steuermoral,um die Vorteile (relativ) ordentlicher Abzüge zu verdeutlichen.
    Allerdings glaube ich leider ,daß auch hier die meisten nach einigen Jahren wieder abwandern werden,und Abkürzungen zum Reichtum in ihrer Heimat durch Kontakte etc suchen werden.
    Erschreckend auch,daß freundliche,nette menschen die 30,40 Jahre in deutschland als Griechen gearbeitet haben,bei Rückkehr in Ihre Heimat nichts besseres zu tun haben,als sich lokalen Tausch-Ringen anzuschliessen und mit diversen Tricks schon wieder versuchen der Steuer zu entgehen.
    Aber wer nicht nach Schweden kommen kann,dem erklären wir immer gern aufs neue: je mehr steuern,je mehr Wohlstand.

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    100 Milliarden Euro Steuerhinterziehung pro Jahr in Deutschland...
    und 120 Milliarden in Italien... was für ein "Lichtblick" im Vergleich zu den "Südländern"....

    (Zahlen nach OECD)

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  • Schlagworte Soziale Netzwerke | Gastarbeiter | Griechenland
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