StudieWandel im Klimawandel

Die Forscher nehmen Abstand von Horrorszenarien. Gut so! von 

Das Publikum erwartet in der Regel klare Ansagen. Deshalb dominieren so häufig die Bescheidwisser, die selbstsicheren Typen, die von keinem Zweifel angekränkelt sind und stets wissen, wo es langgeht. Dass die Welt nicht so gestrickt ist, dass sie in ihrer Komplexität häufig unberechenbar und immer wieder überraschend ist, kommt in Politikerstatements, in Wirtschaftsprognosen und Leitartikeln kaum vor. Dabei wäre gerade das Eingeständnis, selbst nicht alles genau zu überblicken, der Beweis für echte Glaubwürdigkeit.

Das gilt naturgemäß auch für die Klimaforschung, die sich mit einem besonders komplexen Gegenstand herumschlägt. Sie verblüffte in dieser Woche mit der Erkenntnis, dass der Klimawandel möglicherweise doch nicht so dramatisch ausfalle wie zum Teil befürchtet. Noch 2009, vor dem Klimagipfel in Kopenhagen, warnten Forscher: Um bis zu sieben Grad könne sich die Erde bis 2100 erwärmen. Nun zeigt sich: So schlimm wird es wohl doch nicht kommen.

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Seit einiger Zeit diskutiert die Fachwelt darüber, warum sich seit Beginn des neuen Jahrtausends der Anstieg der weltweiten Oberflächentemperatur eher verlangsamt hat (ZEIT Nr. 5/13). Die neuesten Daten dazu hat nun ein internationales Team um den Umweltforscher Alexander Otto aus Oxford genutzt, um die Klimaprognosen zu überprüfen. Das Ergebnis drückt die Universität Oxford so aus: "Die extremsten Erderwärmungsszenarien, die von den gegenwärtigen Klimamodellen für die nächsten 50 bis 100 Jahre berechnet wurden, erscheinen weniger wahrscheinlich."

Heißt das im Klartext: Haben die Skeptiker doch recht behalten? Fällt die Klima-Apokalypse aus? Leider nein. Die Forscher lassen nämlich in ihrer Studie keinen Zweifel daran, dass der Klimawandel langfristig ungebremst weitergeht. Nur von einem Temperaturanstieg um sieben Grad ist keine Rede mehr. Der kommende Report des Weltklimarates IPCC, in den die jetzige Studie eingeht, wird wohl eher einen Anstieg zwischen 2 und 4,5 Grad prognostizieren.

Aber warum stiegen die Temperaturen in der vergangenen Dekade langsamer? Theorien dazu gibt es genug: Möglicherweise heizt die Wärme derzeit eher die Ozeane als die Erdoberfläche auf; eventuell schwächelt die Sonne; vielleicht hat auch die Luftverschmutzung in Asien einen kühlenden Effekt. Ehrlicherweise muss man sagen: So ganz genau weiß das (noch) keiner.

Aber damit muss die Wissenschaft (und das Publikum) leben: Absolute Gewissheit wird es in Sachen Klimawandel wohl erst geben, wenn er längst eingetreten ist. Bis dahin bleibt uns nur, uns mit dem jeweils besten Stand des aktuellsten Wissen zufriedenzugeben. Und das heißt eben auch, dass Prognosen immer wieder korrigiert werden. Daraus allerdings abzuleiten, der Klimawandel sei kein Thema mehr, wäre ein fataler Trugschluss.

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Leserkommentare
  1. Anbetracht der Tatsache, dass sich kleine Inselstaaten für 1.5°C Zielsetzungen einsetzen weil ihnen sonst buchstäblich der Untergang droht sehen 2-4.5°C immer noch nach viel aus, insbesondere weil wir schon bei dieser Erwärmung nicht wissen wie sie sich letztlich auswirkt.

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    Keine Sorge!

    Die "Klimawissenschafter" werden nun Jahr für Jahr ihre Prognosen revidieren - und zwar nach unten (Salamitaktik). Heute rücken sie von den "extremsten Szenarien" ab, morgen werden auch die "weniger dramatischen" Prognosen von heute revidiert. Es geht schlicht darum, Gesicht zu wahren.

    Bis dahin werden aber noch Millionen von Euro für "Klimaprojekte" verschwendet..
    Geld, das man viel dringender an anderer Stelle bräuchte (Armutsbekämpfung in der Dritten Welt, Bekämpfung von Krankheiten wie Cholera etc.).

  2. Ach Du Schreck! Klimaskeptiker nun auch in der Zeit-Redaktion. Für diesen Artikel wären Leser hier vor Kurzem noch hochkant rausgeschmissen worden. Offenbar war damals die Erkenntnis noch nicht soweit gereift, dass es sich ja vorerst nur um Prognosen handeln würde, was die Klimaerwärmung anbetrifft.
    Nun denn, es besteht also brechtigter Grund zur Hoffnung, dass die Klimadebatte dahin zurück kehrt, wo sie hingehört: Auf ein solides wissenschaftliches Fundament, ohne Ideologie, ohne Geschäftemacherei mit der Angst.

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    in diesem Artikel Klimaskepsis erkennen wollen, verstehe ich nicht..

    "Daraus allerdings abzuleiten, der Klimawandel sei kein Thema mehr, wäre ein fataler Trugschluss"

    die Solarbranche und die Subventionen machen die Grünen ja zur Klientelpolitik..das muss doch mal in die Köpfe..
    einfach strange, dass sich die Menschen hier immer dieser Angst-Panikreaktion hingeben.
    Die komplette Energiewende war komplett überrannt, wobei es gut war von Angie , um hier die Revolution der Ökobürger und Wutbürger zu vehrindern.

    Endlich weniger Ideologie und Schlösser für die Chefs der Solarbranche..

    endlich normale Diskussionen..
    zumal die Energiewende im nationalen Kontext ja sowas von dämmlich ist, dass man gleich wieder das komplette Geld rauswerfen kann

    wenn man den Artikel sorgfältig liest, wird deutlich, dass auch der Autor das Klimaproblem nicht klein redet! Zu Recht.

  3. Also ich erinnere mich, dass die "schlimmsten Schreckenszenarien" von einer Erderwärmung von 2 Grad bis 2100 ausgingen..und das ist keine 10 Jahre her.
    Die aktuellen Vorhersagen gehen von 2 - 4,5°C (!) aus... es bleibt also genug zu tun

    Eine Leserempfehlung
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    die den kölner Dom unter Wasser sahen, zumindest aber die Niederlande.
    Und jetzt reden Sie von Zentimetern.

  4. Die Forscher scheinen jetzt gehäufter der Meinung zu sein, das es keine Gewissheiten gibt, das man nicht alle in "Klimabefürworter" oder "Klimaskeptiker" einteilen kann. Das es dazwischen gibt.

    Und was macht das Umweltbundesamt? Es macht Listen mit Leuten deren Meinung ab jetzt nicht mehr legitim sind.

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    . ..ein Vorgang , der abgestellt gehört. Außer, diese Liste wird moduliert, im Sinne das die Klimakatastrophen befürworter, die jetzt ja alles relativieren, dort erwähnt werden ;-)

  5. die den kölner Dom unter Wasser sahen, zumindest aber die Niederlande.
    Und jetzt reden Sie von Zentimetern.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Zahlensalat"
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    das Problem ist nur, dass auch zwei Grad Unterschied einen gewaltigen Einfluss auf des "Ökosystem Erde" haben. Nur weil sie sich nicht so gut für apokalyptische Fotomontagen eignen, heisst das nicht dass sie keinen Einfluss haben

    Wenn das Eis in Groenland und in der Antarkis schmilzt steht der Koelner Dom unter Wasser. Nur der Turm wird rausschauen - bis er zusammenfaellt.
    Die Atom-muell-endlagerstaetten (fast alle) werden unter dem Meer sein. Weit mehr als die Haelfte der Atomkrafwerke in der Welt wird geflutet sein, wahrscheinlich schon vorher durch eine Tsunami-Welle, weil die Krafwerke ja sehr of am Meer stehen damit das Kuehlwasser billiger kommt...
    Die einzige Frage ist: Wann - nicht ob, falls wir nicht wirklich stoppen unseren Muell einfach so in die Luft zu blasen.
    Das "Wann" kann schon noch eine Weile dauern - aber wenn wir so weitermachen kommt es.

  6. 16 Leserempfehlungen
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    Zitat von tagesschau"
    "6. Die "grüne Ideologie" wird von der Wirklichkeit einmal mehr
    widerlegt.
    Und das ist gut so!"Zitatende
    --Nein sie ist nicht widerlegt. Wenn das Meer um 2 cm steigt,
    gehen große Teile von Bangladesch unter, eines der Bevökerungsreichsten und zugleich ärmsten Region. Dieses Land kann sich nicht die Wasserabwehr leisten, wie sie die Niederlande betreibt. Und da sind alle die kleinen bewohnten, teils mit zivilisations unberührten Völkern, Inseln gar noch nicht aufgezählt.
    Das Problem zur Zeit ist, daß wir nicht wissen, was durch die Sonne verändert wird und was wir verändern. Mit dem Wissen, daß selbst unsere riesigen Viehherden, die für Menschen gehalten werden durch ihre "Abgase", neben den CO2"schleudern, für Erwärmung sorgen, plus die Sonne die zyklisch zur Erwärmung beiträgt, kann ja nun erst jetzt gearbeitet werden. (ES ist halt alles etwas komplizierter als gedacht)
    Das Einzige, was ich nicht leiden kann, ist Panikmache!
    Aber nur die, die bei der Bevölkerung ausgeübt wird.
    Denn, ich als Bürger, verantworte die Technik nicht, muss sie nach deren Entwicklung und Marktreife mangels Alternativen nutzen und auf mich wird der Umweltverschmutzerdruck jeden Tag durch die Medien aufgedrückt.
    Da habe ich was dagegen und wie.
    Aber das Wasser und das verschlechternde Klima kommt. das wird jeder sehen, wenn es zuspät ist.

  7. 7. Wo Sie

    in diesem Artikel Klimaskepsis erkennen wollen, verstehe ich nicht..

    "Daraus allerdings abzuleiten, der Klimawandel sei kein Thema mehr, wäre ein fataler Trugschluss"

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Grund zur Hoffnung"
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    Wer die Horrormeldungen der letzten Jahre nur vorsichtig in Zweifel zog, musste damit rechnen, massiv angefeindet zu werden. Es reichte schon aus, darauf hinzuweisen, dass alles auf Prognosen beruhte. Prominentes Beispiel: Hockeystick.
    Ich hab mir mal einen Text von einer Seite des zuständigen Ministeriums runtergeladen ("Was man Klimaskeptikern antworten sollte"), in dem explizit der Hinweis auftauchte, Klimaskeptiker wüden stets darauf hinweisen, dass alles nur Prognosen wären. Passende Antwort: Alles bombensicher bewiesen.

  8. das Problem ist nur, dass auch zwei Grad Unterschied einen gewaltigen Einfluss auf des "Ökosystem Erde" haben. Nur weil sie sich nicht so gut für apokalyptische Fotomontagen eignen, heisst das nicht dass sie keinen Einfluss haben

    4 Leserempfehlungen
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    Ich weiß nicht ob 2 grad einen enormen Einfluss haben. Und ob der Einfluss schlecht ist? Ich weiß es nicht.
    Viele sagen das. Aber irgendwie trau ich denen nicht mehr. Was ist an zwei grad mehr schlecht.

    Mehr stürme sagen die einen. Andere sagen das die Temparaturdifferenzen abnehmen da die Erderwärmung in Polnähe stärker ist, und dadurch kommen weniger Stürme.
    Andere wenden ein, aber es gibt doch mehr stürme. Ist das wirklich so? Oder gibt es einfach mehr Menschen. Natürlich wurden vor 100 Jahren noch nicht so viele Leute obdachlos durch einen Hurricane, es gab nicht so viele.
    Die größten Umweltkatastrophen, die wirklich "reinhauen" kommen nebenbei aus der Plattentektonik (Erdbeben & Tsunamis) die haben null komma nix mit Klima und Klimawandel zu tun.

    Die Politisierung der Klimaforschung hat die kaputtgemacht. Der Forschungszweig der von Nachhaltigkeit redet ist eines: Nicht nachhaltig.

    Denen geht es darum das wir die nächsten 5 Jahre die Welt in 100 retten. Ob die Welt in 100 Jahren in 5 Jahren die gleiche ist, ist denen egal.

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  • Schlagworte Wissenschaft | Klimawandel | Luftverschmutzung | Studie | Asien | Kopenhagen
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