Draußen auf dem Flur im ersten Stock bewacht eine kleine Skulptur das Büro des Präsidenten. Sie zeigt ein Männchen, das mit dem Kopf durch die Wand geht. Eine passable Allegorie, wenn nicht auf das Leben, so doch auf den Job des Hausherrn. München, Kaulbachstraße, draußen Schwabing, drinnen Zahlen ohne Ende. Der Bayerische Oberste Rechnungshof hat hier seinen Sitz, Heinz Fischer-Heidlberger ist sein Präsident. Er muss durch die Zahlenkolonnen steigen, die man ihm hinlegt oder auf den Bildschirm spielt, "das hat was von Kopf durch die Wand". Er hat ein Auge darauf, was im bayerischen Haushalt schlüssig ist und was nicht. Aber Fischer-Heidlberger kontrolliert auch noch das deutsche Fernsehen, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Er prüft, wo das viele Geld bleibt, wofür die ARD also ihre gut fünf Milliarden und das ZDF seine knapp zwei Milliarden Euro jedes Jahr ausgeben.

Die finanziellen Wünsche werden in Hochglanzbroschüren gepackt

Seit 2006 übt der Präsident diesen Zusatzjob aus: Chef der KEF, der "Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfes der Rundfunkanstalten". Mit dem Kopf durch die Zahlenwand – 3.000 Euro brutto erhält er monatlich dafür, dass er einen Stoff verstehen soll, der eigentlich nicht zu verstehen ist. In diesen Wochen ist es wieder so weit: Die öffentlich-rechtlichen Sender melden ihren Finanzbedarf für die Jahre 2013 bis 2016 an. Die Wunschlisten werden in Hochglanzbroschüren gepackt, die sich im Büro von Fischer-Heidlberger von Tag zu Tag höher stapeln. Die Sender sparen nicht mit Selbstlob. "Das ist die niedrigste Anmeldung in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks", heißt es in einer Pressemitteilung, "ein Wert, der umgerechnet weiterhin unterhalb der allgemeinen Teuerungsrate liegt." Fischer-Heidlberger kennt das schon und sagt, "wenn die Anmeldungen eingehen, dann sind in den Häusern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks die PR-Kampagnen an der Tagesordnung".

Seit Anfang des Jahres werden die Fernsehgebühren nicht mehr pro Gerät, sondern pro Haushalt erhoben. Jeder Haushalt muss 17,98 Euro zahlen, egal ob im Wohnzimmer ein Fernseher steht oder nicht. Die Rundfunksender nennen das neue System "einfach und gerecht", viele Bürger sprechen lieber von der Erfindung einer Zwangssteuer.

Rund 9,2 Milliarden Euro überweisen die Deutschen im Jahr an die beiden großen Kirchen. Wer dies nicht mehr möchte, kann aus seiner Kirche austreten. Aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist ein Austritt nicht möglich. Also mehren sich Klagen, Boykottaufrufe und Debatten im Netz. Nutzer wollen wissen: "Kann ich jetzt auch Kindergeld beantragen, obwohl ich kein Kind habe?" Und: Wo bleiben die vielen Milliarden eigentlich?

Es gibt Ausgabenposten, die sind in Beton gegossen. Etwa die Personalkosten. "Wenn jemand fünf Jahre im System ist, kann ihm nichts mehr passieren", beschreibt ein KEF-Kontrolleur die Ausgangslage, "die Personalräte sind zu stark." In den nächsten vier Jahren werden diese Mittel, so die Prognosen, gut 34 Prozent des ARD-Etats ausmachen. Zum Vergleich: Für das Programm sind kaum mehr, nämlich gut 38 Prozent veranschlagt.

Ein Grund: Zwischen 2013 und 2016 müssen ARD und ZDF ihren Pensionären insgesamt 1,8 Milliarden Euro bezahlen, so steht es im 18. Bericht der KEF. Das liegt vor allem an den alten Arbeitsverträgen. Früher, heißt es hinter vorgehaltener Hand, hätten manche Mitarbeiter deutlich mehr Rente gehabt, als sie zuvor brutto verdient hatten. "Das gehört zu den traurigen Wirklichkeiten früherer Pensionsregelungen", sagt ein ehemaliger Programmplaner des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Solche Verträge werden nicht mehr geschlossen, doch die Altlasten drücken weiter.

Noch viel dramatischer fallen die Rückstellungen für die Pensionen der Zukunft ins Gewicht. Sie sind durch besondere Versorgungsverordnungen und Tarifverträge geregelt. Zur Höhe dieser Rückstellungen liegen Daten für das Jahr 2011 vor, wie die ARD auf Anfrage mitteilt. Demnach belaufen sich "alle Pensionsverpflichtungen auf gut sechs Milliarden Euro". Eine kaum fassbare Größenordnung, die auch seitens der ARD für erklärungsbedürftig gehalten wird: "Entgegen der Vorgehensweise im öffentlichen Dienst werden für die heute entstehenden Pensionsverpflichtungen auch entsprechende Rücklagen gebildet, damit die zukünftigen Pensionszahlungen sichergestellt sind und zum Auszahlungszeitpunkt nicht den Betriebshaushalt belasten."