Offshore bedeutet "vor der Küste gelegen", und das kann allerlei heißen: Wird vom Ufer ins Landesinnere gegangen, gelangt man irgendwann ins Zentrum des Kontinents. Zum Beispiel nach Liechtenstein. Ein feines, aber kleines Land, das für die vielen Firmen, die es dort gibt, oft nur die Fläche eines Briefkastens zur Verfügung stellen kann. Verlässt man das Ufer allerdings in Richtung des offenen Meers, gelangt man manchmal bis in die Karibik, wo sich die Jungferninseln befinden, die ursprünglich Santa Ursula y las Once Mil Virgenes hießen. Das klingt erstens unschuldig, und elftausend ist auch eine ziemlich große Menge. Wem das eine zu langweilig und das andere zu wenig ist, kann sich von diesem Gestade weiter bis nach Asien bewegen, etwa nach Hongkong. Doch irgendwann wird man dieses anstrengenden Wanderns sicher müde, also wächst das Bedürfnis, eine Heimstatt zu finden. Möglichst zentral, daher bietet sich Singapur geradezu an. Dort liegen die Grundstückspreise bekanntlich im Schnäppchenbereich. Wer da nicht zuschlägt, ist selbst schuld. Männer, die schon einmal European Banker des Jahres waren, wissen das. Von alters her gilt allerdings nichts zu wissen als philosophische Erkenntnis. Also waren die Gremien der Raiffeisenbank International in dieser Angelegenheit bislang ziemlich philosophisch unterwegs. Doch statt darauf stolz zu sein, wird nun ein langjähriger, höchst erfolgreicher Manager aus seiner Führungsposition gemobbt, und ein Gutteil seiner mickrigen Boni wird ihm verweigert. Was wiederum Gutes bedeutet. Denn es heißt ja: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Er tat es, und jetzt wird ihm geraten, sich vom sicheren Ufer des Raiffeisen-Archipels fortzubewegen, einerlei ob auf hohe See oder in dürre Wüstenei. In der Tat, die Bankenwelt steckt voller Rätsel.