Flughafen Los AngelesEntspann dich, wuff!

Fliegen bedeutet Stress. Am Airport von Los Angeles beruhigen Therapiehunde die wartenden Reisenden. von 

Die Hunde von "Pets Unstressing Passengers", kurz "PUP"

Die Hunde von "Pets Unstressing Passengers", kurz "PUP"  |  © Privat

DIE ZEIT: Frau Huebner, Sie leiten das neue Programm "Pets Unstressing Passengers", kurz PUP genannt, auf dem Flughafen Los Angeles: Hunde sollen genervte Reisende entspannen. Wie machen die das?

Heidi Huebner: Hund und Halter steuern die Wartezonen der Terminals an. "Wir haben einen Hund hier, möchte den jemand streicheln?", fragt der Besitzer. Meist macht ein Kind den Anfang, dann rufen andere Leute: Bitte, kann der Hund auch zu mir kommen? Sie kraulen und umarmen ihn. Viele erzählen von eigenen Tieren, die sie zu Hause lassen mussten. Die Halter verteilen auch Karten mit Bild und Steckbrief ihres Hundes. Die können die Reisenden als Andenken behalten.

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ZEIT: Was verrät der Steckbrief?

Huebner: Über Hanna, eine weiß-braune Mischlingshündin, etwa: Kommt aus Orange, Kalifornien. Lieblingsgericht: Erdnussbutter. Liebster Schlafplatz: Bett.

ZEIT: Dürfen die Fluggäste die Hunde auch selbst spazieren führen?

Huebner: Nein, der Halter behält immer die Leine in der Hand. Er will sichergehen, dass sein Tier gut behandelt wird. Kindern muss er oft einschärfen: Den Hund nicht an den Ohren ziehen, nicht kneifen, nicht gegen den Strich streicheln, das macht ihm keinen Spaß.

ZEIT: Der Flughafen von Los Angeles schneidet in Rankings oft schlecht ab: Er gilt als besonders stressig, Passagiere müssen ewig auf ihren Flug warten oder verirren sich in den Hallen. Ist "Pets Unstressing Passengers" ein Versuch, von logistischen Problemen abzulenken?

Heidi Huebner
Heidi Huebner

Heidi Huebner und ihr Hund Dinky – der nicht am Flughafen arbeitet.  |  © Privat

Huebner: Ach, das ist nun mal ein Großflughafen, da läuft nicht immer alles glatt. Lange Wege und Wartezeiten sind kaum zu vermeiden. Wir wollen diese Zeiten wenigstens gefühlt verkürzen.

ZEIT: Warum sind ausgerechnet Hunde dazu geeignet, Fluggäste zu entspannen?

Huebner: Zahllose Studien zeigen, dass Haustiere wie Arznei für Menschen sind: Sie zu knuddeln senkt den Blutdruck, mindert Stress und Angst.

ZEIT: Eignen sich manche Hunderassen eher für den Job als andere?

Huebner: Es kommt auf den Charakter an, nicht auf die Rasse. Wir haben kleine Hunde, große Hunde, Reinrassige, Mischlinge. Was alle gemeinsam haben, ist ein Training als Therapiehund.

ZEIT: Sie nehmen nur Hunde mit Berufserfahrung?

Huebner: Hunde und Halter werden an drei Terminen ausgiebig geprüft. Der Hund muss freundlich bleiben, selbst wenn ihn mal wer am Schwanz zieht. Sich nach heiklen Situationen schnell wieder beruhigen. Gutmütig und sehr wohlerzogen sein. Therapiehunde werden in Schulen, Altenheimen oder Krankenhäusern eingesetzt. Nur Tiere, die das mindestens ein Jahr lang gemacht haben, kommen auch für den Flughafen infrage.

ZEIT: Ist das ein besonders schwieriges Umfeld für einen Hund?

Huebner: Ja. Überall sind fremde Menschen, fremde Gerüche, und ständig ertönt eine Durchsage. Oder ein Passant, der es eilig hat, tritt ihnen auf die Pfote. Mit jedem unserer Flughafenhunde mache ich vor dem ersten Einsatz eine Proberunde: Ist er nervös? Dann ist das nichts für ihn.

ZEIT: Es ist offenbar stressig, ein Anti-Stress-Hund zu sein.

Huebner: Nicht, wenn der Hund die richtige Persönlichkeit hat: sehr nervenstark, sehr gelassen. Wenn er begeistert mit dem Schwanz wedelt, die Ohren spitzt, gleich auf Fremde zuläuft, dann weiß ich: Das könnte was werden.

ZEIT: Und wenn die Halter auf Leute treffen, die Hunde nicht mögen oder sich belästigt fühlen?

Huebner: Wenn jemand sagt, ich habe Angst oder eine Allergie, wünschen die Helfer einen guten Flug und führen den Hund weg. Aber das passiert nur selten.

ZEIT: Haben Sie einen eigenen Hund, der mitmacht im Programm?

Huebner: Ich hatte einen, der sich wunderbar geeignet hätte: Chowsie, einen ehemaligen Straßenhund. Chowsie war freundlich zu Hunden, Katzen, Kindern. Er hat jeden verzaubert. Den habe ich als Therapiehund zertifizieren lassen und bin mit ihm in Schulen und Altenheime gegangen. Als ich anfing, auf dem Flughafen Programme für Ehrenamtliche zu entwickeln, dachte ich: Warum nicht mit Hunden? Leider ist Chowsie im Februar gestorben. "Pets Unstressing Passengers" ist für mich ein Weg, seiner zu gedenken.

ZEIT: Immerhin hat er zahlreiche Nachfolger gefunden: Insgesamt 30 Hunde arbeiten am Flughafen. Wie ist das organisiert?

Huebner: Wir schauen, dass in jedem Terminal ein Hund im Einsatz ist. Mehr können wir mit Ehrenamtlichen nicht leisten. Die meisten Hundehalter sind berufstätig, sie können nur dann und wann eine Schicht übernehmen.

ZEIT: Ohnehin nehmen die Hundehalter einiges auf sich: Sie müssen sich und ihr Tier testen lassen und verbringen ihre Freizeit an einem Ort, den gewöhnliche Reisende lieber möglichst rasch verlassen. Warum machen die das?

Huebner: Sie lieben es, zu beobachten, wie Leute auf ihren Hund reagieren. Wie viel Freude er ihnen macht. Man ist ja auch stolz, wenn man einen Hund hat, der freundlich ist und aufs Wort gehorcht. Den zeigt man gerne her.

ZEIT: Die meisten Reisenden verbringen nur ein paar Minuten mit den Hunden. Verpufft deren "Wirkung" nicht nach kürzester Zeit?

Huebner: Nicht unbedingt. Vor ein paar Tagen saß hier eine ältere Dame, die große Angst vorm Fliegen hatte. Sie war nass geschwitzt, hat um Luft gerungen. Dann begann sie, einen Hund zu streicheln. Auf einmal sagte sie: Jetzt kann ich wieder durchatmen – und bin bereit, ins Flugzeug zu steigen. Sie hat sich die Stirn abgetupft und ist zum Gate gegangen.

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Leserkommentare
  1. ... et nit aal jit.

    What will they think of next?

    Kommen demnächst für Passagiere, die mit ihrer Lethargie den ganzen Betrieb aufhalten, Therapie-Kobras und Therapie-Arachnoiden?

    2 Leserempfehlungen

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  • Schlagworte Flughafen | Tier | Freizeit | Stress | Training | Los Angeles
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