Giovanni Boccacio © Hulton Archive

Der Florentiner Karneval des Jahres 1497 brachte der Stadt einen Kehraus der ganz besonderen Art. Für den 7. Februar nämlich hatte der Prior von San Marco, Girolamo Savonarola, ein "Fegefeuer der Eitelkeiten" angeordnet, eine flammend fromme Demonstration gegen Unkeuschheit, Pomp und die vanagloria, den eitlen irdischen Ruhm. Die Florentiner sollten allen Zierrat und Putz, alles, was vom rechten Leben ablenken könnte, auf die Piazza della Signoria bringen, im Herzen der Stadt.

Und sie kamen, die Bekehrten von Florenz, sie gehorchten dem furchterregenden Dominikaner, der nach dem Sturz der Medici die Republik mit seinen düsteren Prophezeiungen in Angst und Schrecken versetzte. Im Nu häuften sich auf dem Platz Gemälde, luxuriöse Möbel, Spiegel, Schmuck, Gitarren und Cembali. Und unter dem Beifall der ergriffenen Menge ging alles gottgefällig in Flammen auf.

Auch Bücher waren dem Feuer übergeben worden, anstößige Bücher, unkeusch und lüstern. Darunter eines, das alle Welt kannte und liebte: Il Decamerone. Giovanni Boccaccio hieß sein Autor. Ihn selbst konnte man nicht verbrennen, denn er war schon mehr als hundert Jahre tot.

Doch Savonarolas Triumph währte nur kurz. Bald ließ die Kirche ihn fallen, und schon ein Jahr nach dem großen Autodafé wurde der fanatische Mönch, auf Betreiben seiner Gegner im Stadtrat, zum Tode verurteilt und selber auf der Piazza della Signoria verbrannt. Boccaccios Ruhm aber stieg wie der Vogel Phönix aus der Asche. Längst hatte das Dekameron, vor allem nach der ersten Ausgabe in gedruckter Form 1470, seinen Weg um die Welt angetreten – und sein Autor wurde mit Dante Alighieri und Francesco Petrarca zu den "drei Kronen von Florenz" gezählt.

Obwohl: War er wirklich Florentiner? Oft wird auch Paris genannt als der Ort, an dem Boccaccio im Juni oder Juli 1313 zur Welt kam. In Frankreichs Hauptstadt soll sein Vater, der für das florentinische Bankhaus der Bardi tätig war, eine folgenreiche Liaison mit einer französischen Adeligen namens Jeanne gehabt haben. Doch wer immer Boccaccios Mutter war, sein Vater, der Kaufmann Boccaccino di Chelino, nahm das Kind als rechtmäßigen Sohn in sein Haus auf.

Der Junge bekommt gelehrten Privatunterricht, beginnt früh, Verse zu schreiben, und will unbedingt Dichter werden. Sein Vater aber hat wenig Sinn für dergleichen Allotria und gibt den Sohn zu einem Kaufmann in die Lehre. Diese Ausbildung, grollte Boccaccio noch lange später, sei für ihn bloß vergeudete Zeit gewesen.