Tausenden Anlegern, die Geld in die mittelständische Immobilienfirma WGF investiert haben, bleibt nur noch die Hoffnung. Die Hoffnung, dass sie wenigstens die Hälfte ihres Geldes wiedersehen. Der Sanierungsplan, den die Gläubiger des insolventen Unternehmens am Mittwoch vergangener Woche absegneten, sieht harte Einschnitte vor. Wer Anleihen des Unternehmen gekauft hat, soll demnach bestenfalls 52 Prozent seines Geldes zurückbekommen. Anwälte schätzen, dass fast 10.000 Privatinvestoren betroffen sind.

Der Fall WGF zeigt, wie riskant der Kauf von Anleihen aus dem Mittelstand ist. Dabei klingt der Begriff Mittelstand für viele erst einmal nach Verlässlichkeit und Sicherheit. Die Namen einiger deutscher Firmen, die mithilfe einer Anleihe Geld eingeworben haben, sind bekannt: Underberg etwa, Zamek, der Suppen-Riese, oder Alno, der Küchenhersteller. Auch das schafft Vertrauen.

Verlockend an Mittelstandsanleihen ist, dass sie jährlich oft fünf Prozent Zinsen bringen – oder mehr. WGF etwa bot 6,35 Prozent, viel mehr also, als derzeit mit Staatsanleihen und Tagesgeld zu holen ist. Seit 2010 werden Mittelstandsanleihen an mehreren deutschen Börsen gehandelt, die Nachfrage war daher zuletzt hoch. Insgesamt haben Anleger mehr als drei Milliarden Euro in derartige Papiere investiert.

In den vergangenen Monaten rutschte nun nicht nur die WGF in die Pleite, sondern auch der Windparkzulieferer SIAG oder die Solarfirma SiC Processing. Andere Unternehmen, die Mittelstandsanleihen ausgegeben haben, sind ebenfalls ins Trudeln geraten. Überall in Deutschland finden derzeit Gläubigerversammlungen statt, auf denen Anleger erfahren, wie hoch ihre Verluste sein werden – bei einem Produkt, von dem sie dachten, es sei wenig riskant.

Viele müssen derzeit schmerzhaft lernen: Wer eine sichere Geldanlage sucht, ist mit Mittelstandsanleihen schlecht beraten. Vor allem Unternehmen, die mehr als fünf Prozent bieten, sollten Interessierte skeptisch machen: Oft bekommen sie von den Banken kein Geld mehr; ihre letzte Hoffnung ist es dann vielfach, mit hohen Zinssätzen Privatinvestoren anzulocken.

Zwar wird es interessierten Anlegern inzwischen leichter gemacht, zu beurteilen, ob sie an einen heimlichen Champion des Mittelstands oder einen verzweifelten Pleitekandidaten geraten sind. So haben die Börsen in Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf, die den Markt für Mittelstandsanleihen dominieren, im vergangenen Jahr für mehr Transparenz gesorgt und die Mindeststandards verschärft. Die Börse Düsseldorf zum Beispiel fordert neuerdings von Unternehmen, die ihre Anleihen dort verkaufen wollen, eine "ausreichende Bonität". Und die Börse Stuttgart hat ein Analysehaus beauftragt, das Risiko der dort gehandelten Anleihen ständig auf einer Skala mit fünf Stufen zu bewerten. Zudem erhalten auch Mittelständler inzwischen klassische Ratings, also Benotungen ihrer Bonität, ihrer Kreditwürdigkeit.

Die Note allein kann Laien aber gerade bei Ratings leicht in die Irre führen: So klingt ein B-Rating zwar nach der Schulnote "gut", in der Logik der Analysehäuser heißt es aber "mangelhaft". Mittelstandsanleihen bekommen auf den Skalen, die meist bei einem AAA (für sehr gute Bonität) beginnen, häufig nur ein BBB oder ein BB. Damit bewegen sich die Papiere genau an der Grenze zwischen seriöser Geldanlage und Zockerei. Ab einem BB gelten Investments in aller Regel als "spekulativ".

Die aktuelle Serie von Firmenpleiten offenbart, dass Mittelstandsanleihen seit März 2012 noch riskanter sind, als sie es bis dato schon waren. Grund ist das neue Insolvenzrecht für Firmen, das damals in Kraft getreten ist und zu großen Nachteilen für Anleihenkäufer geführt hat. "Manager kriselnder Unternehmen haben zusätzlichen Spielraum gewonnen, sich zulasten der Anleihegläubiger von Schulden zu befreien", sagt Daniel Vos, Anlegeranwalt bei der Kanzlei Göddecke in Siegburg.