Nach seinem Besuch im Himmel hat Eben Alexander wieder angefangen, Klavier zu spielen. Er hat die Musik noch im Kopf, die ihn nach oben trug. Vielleicht gelingt es ihm, sie nachzuspielen. "Es war keine komplizierte Melodie, eher so, wie wir sie alle in uns haben, sphärisch und rein", sagt er.

Lynchburg, eine Kleinstadt im amerikanischen Bundesstaat Virginia. Es ist der fünfte Frühling nach Eben Alexanders Rückkehr ins Leben. An der Tür zu seiner Villa flattert ein gelber Zettel, eine Anweisung für den Gärtner: "Die Bäume wässern und die Frösche füttern, bitte. Die Blätter in den Rabatten entfernen".

Eben Alexander öffnet die Tür ohne sein Markenzeichen, mit dem er sonst jeden Foto- und Fernsehauftritt bestreitet: eine Fliege über dem Hemdkragen. Heute trägt er eine Steppweste und Hausschuhe. Ein 60-jähriger Mann, der aussieht wie ein 50-Jähriger. Er bittet ins Wohnzimmer, groß wie ein Saal, gefüllt mit dem Mobiliar des gehobenen weißen Südstaatenbürgertums: Kamin, Porträts an den Wänden, Antiquitäten.

Dann, langsam und mit raumgreifenden Gesten, fängt er an, eine Frage zu beantworten, die wohl jeder Mensch auf der Welt sich stellt.

Was kommt nach dem Tod?

Das Paradies vielleicht, wie es die monotheistischen Religionen, das Christentum, das Judentum, der Islam, versprechen? Oder womöglich die Wiedergeburt in ein neues Leben, als Mensch oder Tier, und am Ende das Aufgehen im Nirvana, wie es im Hinduismus und im Buddhismus beschrieben wird? Oder doch einfach nur gar nichts, wie es die Atheisten annehmen?

Jahrtausendelang waren dies Fragen des Glaubens, die jeder Mensch für sich beantworten konnte. Der skeptische Mensch des 21. Jahrhunderts aber will handfeste Beweise.

Da von den Toten bisher niemand zurückkam, um Bericht zu erstatten, rücken neuerdings jene Menschen in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, die zumindest ganz nah dran waren am Tod. Die sogenannten Nahtoten. Es sind Menschen, die nach Unfällen oder während schwerer Krankheiten an der Grenze zwischen dem Hier und dem Dort standen und die jetzt behaupten, sie hätten einen Blick ins Jenseits geworfen und wüssten, wie es ist, wenn man seine körperliche Hülle verlässt und nur noch Seele ist, Geist, Bewusstsein – oder wie auch immer man das nennen will.

Menschen wie Professor Eben Alexander.

Einst war er Teil des Lehrkörpers der renommierten Harvard University. Der Mediziner Alexander hat einen Lebenslauf vorzuweisen, der sich liest wie das Who’s Who der großen amerikanischen Universitäten, Vortragshäuser und Publikationsreihen. Den größten Teil seines Berufslebens war er derselben Meinung wie viele Mediziner und Naturwissenschaftler: Bewusstsein wird durch zerebrale Vorgänge im Gehirn erzeugt. Ohne Körper kein Bewusstsein.

Heute aber glaubt Alexander auf einmal an Gott und an eine Existenz nach dem Tode. Wie es zu diesem Gesinnungswandel kam, hat er in einem Buch beschrieben mit dem Titel Proof of heaven (Der Himmelsbeweis). Es ist die Reise eines Neurochirurgen in das Leben nach dem Leben, und die zentrale Botschaft des Buches lautet: Hier schreibt und berichtet nicht irgendwer, sondern ein Mann, der weiß, was es mit dem Gehirn und dem Tod auf sich hat.