Roma"Er wird es schon lernen"

Sprachlos und eingeschüchtert: Roma-Kinder sind in einer deutschen Schule oft hilflos. Die Mediatorin Valentina Asimovic steht ihnen zur Seite. von David Schelp

Um die Kinder an das deutsche Schulsystem heranzuführen, muss Valentina Asimovic oft ganz von vorn anfangen. An der Tafel klebt ein Pappschild, "Tafel" steht dort in schwarzen Druckbuchstaben. Links daneben illustrieren Zeichnungen die Buchstaben des Alphabets. Weiter rechts steht ein Kartenständer mit einer Europa-Karte. Warum Valentina Asimovic, 35, aber auch viele der Kinder heute hier sind, hat ebenfalls mit Europa zu tun.

Als Roma-Schulmediatorin unterstützt Asimovic seit etwas über einem Jahr die Lehrerin in einer "Willkommensklasse" der e.o.plauen-Schule, einer Grundschule im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Es ist eine Klasse für Schüler ohne Deutschkenntnisse – die meisten von ihnen sind Roma. Über zehn Millionen Roma gibt es in ganz Europa. Immer häufiger sitzen Kinder dieser Minderheit in den Auffangklassen. Meist kommen ihre Familien aus Rumänien und Bulgarien. 2007 sind diese Länder der Europäischen Union beigetreten. Allein 2011 kamen 146.000 Menschen aus den beiden Ländern nach Deutschland, weitere 88.000 waren es in der ersten Hälfte des Jahres 2012.

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Rund 800 bulgarische und rumänische Kinder gehen inzwischen im Berliner Stadtteil Neukölln zur Schule, in Duisburg sind es etwa 450, in Köln um die 250. Wie viele von ihnen Roma sind, weiß niemand so genau, weil deutsche Statistiken nicht nach ethnischer Zugehörigkeit fragen. Als unstrittig gilt: Es sind viele.

Auch in der Willkommensklasse in Kreuzberg sind acht von zehn Kindern Bulgaren oder Rumänen. Sieben der Kinder sind Roma, schätzt Asimovic. Sie fragt nie explizit nach. "Es könnte den Schülern unangenehm sein." Jeden Mittwoch ist die Mediatorin in dem Backsteingebäude zu Besuch. Sie möchte den Kindern helfen, in der Schule Fuß zu fassen. Kein leichtes Unterfangen: Der EU-Beitritt ihrer Heimatländer mag den Rumänen und Bulgaren zwar die Tür nach Deutschland und zu den Klassenzimmern weit aufgestoßen haben – doch in der Praxis klemmt sie. Kinder und Eltern wissen oft nicht, wie Schule in Deutschland funktioniert, treffen auf Lehrer und Behörden, die überfordert sind oder ihnen abweisend begegnen. Sie haben den Andrang aus Osteuropa unterschätzt, manchmal dauert es ein Jahr, bis die Kinder einen Schulplatz bekommen.

Auch Asimovic ist Romni, wie Roma-Frauen in ihrer eigenen Sprache genannt werden. 1998 flüchtet sie mit ihrem Mann vor dem Kosovokrieg aus Serbien nach Deutschland. Bekannte erzählen ihr, dass ihre Kinder von Mitschülern als "Zigeuner" beschimpft werden; sie würden klauen und hätten keine Lust auf Schule, hört Asimovic oft. 2002 absolvierte sie bei einem Bildungsverein in Berlin eine Ausbildung als Mediatorin.

Die Roma-Mediatoren vermitteln den Eltern, wie wichtig Bildung ist

Etwa zehn Roma-Schulmediatoren werden derzeit in Berlins Schulen eingesetzt, deutschlandweit sind es zwischen 30 und 50, schätzt der Soziologe Christoph Leucht. Den tatsächlichen Bedarf stuft er deutlich höher ein. Er ist Berater bei dem europäischen Trainingsprogramm für Roma-Mediatoren (Romed) und weiß um die Schwierigkeiten von Roma-Kindern in deutschen Schulen. Das Hauptproblem sieht der Soziologe in der Einstellung der Eltern in Bezug auf Schule und Bildung. Viele von ihnen können kein Deutsch sprechen, haben selbst nie eine Schule besucht, sie versprechen sich wenig davon, Energie und Zeit in die Bildung ihrer Kinder zu investieren. Manche halten es für besser, wenn die Jungen schon früh beginnen, bei der Arbeit zu helfen, und verheiraten ihre Töchter möglichst jung, um ihre Versorgung zu sichern. "Das sind die Lebensmodelle, von denen sie wissen, dass sie funktionieren", sagt Leucht.

Mediatoren wie Asimovic müssen die Eltern motivieren, die Bildung der Kinder zu unterstützen. Sie erklärt ihnen dann, dass Kinder ohne Ausbildung in Deutschland schlechte Chancen auf ein gutes Leben haben. Oft geht es aber auch um ganz banale, alltägliche Dinge. Dann führt sie die Eltern durch Schulen und Geschäfte. Zeigt ihnen, wo sie günstig Hefter, Lineale und Ringblocks bekommen. Auch Telefonate oder Hausbesuche der Lehrer wären ohne Mediatoren kaum machbar. Den ersten Kontakt zu den Eltern stellen in vielen Fällen die Roma-Schulmediatoren her, sie sprechen die Sprache, kennen die Kultur. Sie rufen in den Familien an und erklären, was sie in der Schule machen, fragen, ob sie zu einem Gespräch vorbeikommen können. Dann erst besuchen sie die Familien, zunächst immer allein. Frühestens beim zweiten oder dritten Besuch nehmen sie auch die Lehrer mit. Mal kann es einfach darum gehen, einander kennenzulernen. Doch meist gibt es im Vorfeld der Hausbesuche ein Problem. Wenn Schüler häufig schwänzen oder gar nicht mehr in die Schule kommen, können sich Lehrer an die Mediatoren wenden. "Die Roma-Schulmediatoren sind mehr als Übersetzer", sagt Silke Lehfeld, Leiterin der Willy-Brandt-Oberschule im Wedding, auch an ihrer Schule gibt es Roma-Mediatoren. "Sie sind unsere Türöffner. Ohne sie würde ich mit den Eltern nicht ins Gespräch kommen." Wenn Mädchen, die gerade erst Teenager sind, ein Baby bekommen oder verheiratet werden, gehen Lehrer und Mediatoren in die Familien der Ehemänner, um ihnen die Erlaubnis für den Schulbesuch der Schwiegertochter abzuringen. "Vor Jahren hätte ich das für vollkommen unmöglich gehalten", sagt Lehfeld. Inzwischen habe sie die Situation akzeptiert und verhandele mit Ehemännern, die selbst noch Schulkinder sind.

Viele Kinder kommen nun regelmäßiger zur Schule

9.55 Uhr in der e.o. plauen-Schule: In einem Stuhlkreis haben sich die Schüler um Asimovic und die Klassenlehrerin versammelt. Aufgeregt scharren Turnschuhe über das abgewetzte Fischgratparkett, als sie sich mit frisch gelernten Vokabeln vorstellen. Einige sind schon in Bulgarien oder Rumänien zur Schule gegangen; andere sind Analphabeten. Die fehlende Schulerfahrung vieler Roma-Kinder ist eines der zentralen Probleme bei der Integration in das deutsche Bildungssystem.

Asimovic übersetzt, was die Lehrer an die Tafel schreiben, hilft, Fragebögen auszufüllen. "Aleko", sagt sie und schiebt einem Jungen ein Blatt Papier übers Pult, auf dem verschiedene Lebensmittel gezeichnet sind, "zeig mir mal den Frischkäse." Aleko runzelt die Stirn, zögernd zeigt er auf eine Karaffe Zitronenlimonade. Asimovic lacht. Aufmunternd. "Er wird es schon lernen." Sie mag ihre Arbeit, sie hat das Gefühl, etwas bewegen zu können. Die Kinder kommen regelmäßiger zur Schule, manche sogar bis zum Abitur.

Der Unterricht ist für heute vorbei. Die Kinder haben die Klasse bereits verlassen, Asimovic und die Lehrerin besprechen die nächsten Wochen. Einige der Kinder werden bald in normale Klassen wechseln. "Da müssen wir mit den Eltern reden", sagt die Lehrerin. Sie ist froh, dass es für dieses Gespräch Asimovic gibt. Ein Brief würde keinen Sinn machen: Häufig können die Roma-Eltern ihn nicht lesen.

Korrektur: Leider stand im Text eine falsche Zahl. "Allein 2011 kamen 1.477.092 Menschen aus den beiden Ländern nach Deutschland." Die richtige Zahl ist 147.000. Wir haben sie korrigiert.

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Leserkommentare
    • Thetis
    • 09. Juni 2013 17:35 Uhr

    Hier wird das Bild der bösen deutschen Gesellschaft gegen die armen Roma-Kinder aufgebaut.
    Das ist völlig einseitig und wird des Problems in keiner Weise gerecht.
    Vor allem ist es ungerecht der deutschen Gesellschaft gegenüber, die mit viel Sozialgeld Menschen unterstützt, die hierherkommen, weil es ihnen hier viel viel besser als daheim geht. Nur deswegen sind sie da.
    Und wenn es ihnen nicht mehr gefällt, gehen sie auch wieder.
    Das sind keine festgeketteten ausgelieferten Opfer, wie es hier suggeriert wird. Wie lange will man eigentlich noch den Deutschen systematisch ein schlechtes Gewissen einreden und sie dann damit ausnutzen?
    Das ist einfach nur noch schäbig.

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    Haben Sie einen anderen Artikel gelesen als ich?

    Z.B.: "Das Hauptproblem sieht der Soziologe in der Einstellung der Eltern in Bezug auf Schule und Bildung."

    ...der deutliche Defizite im Leseverständnis offenbart.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/kvk

    • Suryo
    • 10. Juni 2013 10:37 Uhr

    39 Empfehlungen?

    Ernsthaft?

    Wie paranoid und unfähig, einen Text zu verstehen, muss man sein, um in diesem Artikel allen Ernstes den Versuch zu sehen, "den Deutschen" ein schlechtes Gewissen zu machen? Typisch rechts - dieses ewige Gejammere, die Opfermentalität, das erbärmliche Selbstmitleid. Aber getroffene Hunde bellen.

  1. Haben Sie einen anderen Artikel gelesen als ich?

    Z.B.: "Das Hauptproblem sieht der Soziologe in der Einstellung der Eltern in Bezug auf Schule und Bildung."

    22 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Keine Opfer"
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    "Haben Sie einen anderen Artikel gelesen als ich?

    Z.B.: "Das Hauptproblem sieht der Soziologe in der Einstellung der Eltern in Bezug auf Schule und Bildung." "

    Das ist wohl der Realität eher angepaßt. Allerdings kollidiert dieser Satz mit der Aussage in der Headline, die da lautet: " Sprachlos und eingeschüchtert: Roma-Kinder sind in einer deutschen Schule oft hilflos."

    Also irgendeine Aussage muß wohl falsch sein.

    • shtok
    • 10. Juni 2013 8:24 Uhr

    "Bekannte erzählen ihr, dass ihre Kinder von Mitschülern als "Zigeuner" beschimpft werden; sie würden klauen und hätten keine Lust auf Schule, hört Asimovic oft. "

    "Kinder und Eltern wissen oft nicht, wie Schule in Deutschland funktioniert, treffen auf Lehrer und Behörden, die überfordert sind oder ihnen abweisend begegnen. "

    Es ist also die dt. Gesellschaft, die den Roma, aus unerklärlichen Gründen nicht so wohlgesonnen gegenüber stehen.

    Aber sie können ja mal den Selbstversuch wagen und sich in dt. Romalagern über Sachverhalte zu beschweren, dann werden sie sehen wie tolerant diese Gemeinschaft ist.

    @Thema
    Bin immer wieder erstaunt über solche Maßnahmen, hier in Nordamerika unmöglich, da muss jede Gruppe selber sehen wie sie sich und ihre Kinder integriert. Das geht bei Religion los und hört bei Schule auf.
    Warum ist Frau Asimovic eigentlich nicht zurückgegangen, der Krieg ist vorbei, dort kann sie beim Aufbau der Romagemeinden helfen und da ist viel zu tun, das würde auch die Migration reduzieren und sie könnte mit ihrer Einstellung dort auch die Vorurteile in den angestammten Siedlungsgebieten abbauen.
    D wird noch einen hohen Preis für dieses Rumgeeiere bezahlen, denn wenn der Sozialrubel nicht mehr rollt, werden sich die Migranten Luft machen und man hat soziale Unruhen am Hals, die das Land verändern werden.

  2. "Wenn Mädchen, die gerade erst Teenager sind, ein Baby bekommen oder verheiratet werden, gehen Lehrer und Mediatoren in die Familien der Ehemänner, um ihnen die Erlaubnis für den Schulbesuch der Schwiegertochter abzuringen."

    Wird das wirklich gemacht? Warum lügt man die Eltern an, um ihnen zu suggerieren, dass da eine Wahl bestehen würde? In Deutschland herrscht Schulpflicht und daher ist es nicht in der Gewalt der Eltern zu entscheiden, ob die Kinder auf eine Schule gehen oder nicht. Wir sind hier doch nicht im Iran, wo Eltern über solche Dinge entscheiden dürfen und wenn halt grad daheim die Mutter ein bisschen entlastet werden muss, dann geht die Tochter halt nicht zur Schule. Man sollte ihnen lieber klar machen (natürlich freundlich und mein ein wenig Feingefühl), dass in Deutschland die Eltern mit Sanktionen zu rechnen haben, wenn sie den Schulbesuch ihrer Kinder unterbinden.

    Mal so eine kleine, ein bisschen angstmachende Anmerkung: "Allein 2011 kamen 1.477.092 Menschen aus den beiden Ländern nach Deutschland, weitere 88.000 waren es in der ersten Hälfte des Jahres 2012." Bei 80 millionen Einwohnern hätten die Roma damit in einem Jahr die Bevölkerung von Deutschland um fast 2% erhöht. Ist das korrekt, oder ist hier evtl. ein Fehler passiert?

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    Ich denke, der Formulierung "gerade erst Teenager" wird im Artikel etwas überspitzt verwendet. Heiraten kann man in Deutschland bei Volljährigkeit, oder mit Erlaubnis des Familiengerichtes ab 16. Und die Schulpflicht endet i.d.R. mit 16 (nach 9. oder 10. Schulbesuchsjahr).

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ehem%C3%BCndigkeit

    Das ändert natürlich nichts am Drama der jungen Mädchen, die zu früh aus der Schule gegen müssen.

    <em>„In Deutschland herrscht Schulpflicht und daher ist es nicht in der Gewalt der Eltern zu entscheiden, ob die Kinder auf eine Schule gehen oder nicht. Wir sind hier doch nicht im Iran, wo Eltern über solche Dinge entscheiden dürfen und wenn halt grad daheim die Mutter ein bisschen entlastet werden muss, dann geht die Tochter halt nicht zur Schule.“</em>

    Auch im Iran gibt es eine Schulpflicht. Zu den Ländern, „wo Eltern über solche Dinge entscheiden dürfen“ gehören dagegen einige westliche Staaten, allen voran die USA.
    Am Rande sei angemerkt, dass Studentinnen an den iranischen <em>Hoch</em>schulen deutlich überrepräsentiert sind.

    <em>„Wird das wirklich gemacht? Warum lügt man die Eltern an, um ihnen zu suggerieren, dass da eine Wahl bestehen würde?“</em>

    Ich kann mich dazu nicht kompetent äußern, nicht mal dazu, ob überhaupt irgendjemand „angelogen“ wird, aber wenn ich eine Vermutung wagen müsste: Vielleicht, weil es erfolgversprechender ist, wenn die Eltern ihre Kinder freiwillig zur Schule schicken. Sowohl in pädagogischer Hinsicht, als auch finanzieller: Polizeieinsätze, um von den Eltern versteckte schulpflichtige Kinder zu finden und zur Schule zu bringen, kosten nämlich jede Menge Zeit und Geld und hindern die Polizei daran, sich um andere Aufgaben zu kümmern.

    • em-y
    • 10. Juni 2013 7:04 Uhr

    Da müssen Sie was verwechselt haben. Sind Sie sicher, Sie meinen nicht z.B. die USA? Dort dürfen die Eltern nämlich entscheiden, dass sieihre Kinder nicht in die Schule schicken wollen. Auch in Australien - ebenfalls ein sog. dveloped country, Erste Welt etc. - kann man seine Kinder 'home school'-en.

  3. Sind Sie sich bei diesen Zahlen sicher ?
    Es klingt ein bisschen sehr hoch gegriffen, dafür das das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, für das Jahr 2011, circa "nur" 90'000 Zuzüge nach
    Deutschland gezählt hat.

    10 Leserempfehlungen
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    • Kreuer
    • 10. Juni 2013 18:35 Uhr

    EIn Blick in die Statistik genügt. 2011 waren es 147000 Einwanderer aus RUM und BUL - ein nicht unerheblicher Unterschied. Außerdem reisten davon gut 90000 wieder ab, weil sie saisonal beschäftigt waren. Von den 147000 waren übrigens rund 120000 sozialversicherungspflichtig oder geringfügig in Arbeit. Wie viele von den 147000 Roma waren, kann niemand sagen, da (glücklicherweise) bei der Einreise keine ethnischen Einzelheiten abgefragt werden ...

  4. Ich denke, der Formulierung "gerade erst Teenager" wird im Artikel etwas überspitzt verwendet. Heiraten kann man in Deutschland bei Volljährigkeit, oder mit Erlaubnis des Familiengerichtes ab 16. Und die Schulpflicht endet i.d.R. mit 16 (nach 9. oder 10. Schulbesuchsjahr).

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ehem%C3%BCndigkeit

    Das ändert natürlich nichts am Drama der jungen Mädchen, die zu früh aus der Schule gegen müssen.

    Eine Leserempfehlung
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    "Ich denke, der Formulierung "gerade erst Teenager" wird im Artikel etwas überspitzt verwendet. Heiraten kann man in Deutschland bei Volljährigkeit, oder mit Erlaubnis des Familiengerichtes ab 16. Und die Schulpflicht endet i.d.R. mit 16 (nach 9. oder 10. Schulbesuchsjahr)."

    Ich glaube eher, dass es hier nicht um Heirat sondern um "Heirat" geht. D.h. das Sippenoberhaupt erklärt zwei Leute für verheiratet. Punktum.

    Da kann man dann die Polizei schicken, die die junge "Ehe"frau in die Schule bringt oder man kann es auf die sanfte Art versuchen. Letzteres sollte wenigstens einen Versuch wert sein.

    Die Schulpflicht umfasst doch eher 11 Schuljahre, oder? Davon mind. 9 Jahre Regelschule (Hauptschule), danach wird die Schulpflicht über die Berufsschule während der Ausbildung erfüllt. Deshalb stecken ja die Schulabgänger ohne Abschluss bzw. zwar mit, aber ohne Ausbildung auch in diesen sagenhaft ineffizienten Ausbildungsvorbereitungskursen, weil sie noch schulpflichtig sind. Ist jedenfalls mein Kenntnisstand.

  5. <em>„In Deutschland herrscht Schulpflicht und daher ist es nicht in der Gewalt der Eltern zu entscheiden, ob die Kinder auf eine Schule gehen oder nicht. Wir sind hier doch nicht im Iran, wo Eltern über solche Dinge entscheiden dürfen und wenn halt grad daheim die Mutter ein bisschen entlastet werden muss, dann geht die Tochter halt nicht zur Schule.“</em>

    Auch im Iran gibt es eine Schulpflicht. Zu den Ländern, „wo Eltern über solche Dinge entscheiden dürfen“ gehören dagegen einige westliche Staaten, allen voran die USA.
    Am Rande sei angemerkt, dass Studentinnen an den iranischen <em>Hoch</em>schulen deutlich überrepräsentiert sind.

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    Naja im Iran gibt es auf dem Papier so einiges.
    In den USA kann man sein Kind daheim unterrichten, das stimmt. Trotzdem muss man staatliche Tests schaffen und in Deutschland finden wir diese Art von Unterricht auch nicht gut.

    Das ist aber etwas anderes, als wenn sie in einem Iranischen Bergdorf leben, wo praktisch keine staatliche Macht existiert.

    An Iranischen Hochschulen ist es super toll als Frau zu studieren:
    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/universitaeten-im-iran-verbanne...

    PS: Bitte nicht den Iran von Heute mit dem Iran vor 50 Jahren vergleichen. Seit da die Mullahs die Macht übernommen haben (durch die USA gefördert btw.) geht da gar nix mehr.

    • mieeg
    • 09. Juni 2013 18:22 Uhr

    Da ist den Gutmenschen aber mal eine höchst verräterische Wahrheit entwischt: "... Allein 2011 kamen 1.477.092 Menschen aus Bulgarien und Rumänien nach D..."
    Da wird immer und immer wieder versucht, die Wahrheit zu verschleiern und schönzureden und dann dies: 1.477,092 allein in einem Jahr! Gibt es eigentlich irgendeine Statistik, die die Verteilung diese Menschenmengen auf die Jobcenter in den einzelnen Bundesländern verzeichnet? Oder werden die BürgermeisterInnen in den Städten mit dieser Flut allein gelassen?

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    Bevor Sie allzu laut Kikiriki schreien, und mal wieder das Allzweckschimpfwort vom Gutmenschen verwenden, sollten Sie erst einmal checken, ob die Zahlen stimmen. Sie tun es nicht.

    http://www.migazin.de/2013/05/03/zuwanderung-rumaenien-bulgarien-armutsm...

    Entfernt, bitte gehen Sie sachlicher auf andere Beiträge ein. Danke, die Redaktion/se

    "Allein 2011 kamen 1.477.092 Menschen aus Bulgarien und Rumänien nach D..."

    In Ihrem Post entsteht der Eindruck, dass Sie diese Zahl mit derjenigen an Sinti/Roma gleich setzen. Dazu wäre zu sagen: Nicht für alle Menschen aus Bulgarien bzw. Rumänien trifft die im Artikel beschriebene Situation zu. So handelt es sich beim überwiegenden Teil der Menschen eben nicht um Sinti oder Roma sondern z.B. um Studenten und auch Arbeitssuchende mit anderen Qualifikations-Hintergründen. (Und da hier gern mit Statistik argumentiert wird: die Zahlen habe ich gerade leider nicht exakt parat). Die Problemlage resultiert ganz wesentlich aus der simplen Tatsache, dass die politischen Institutionen eine jahrelang sich ankündigende Situation nicht hinreichend zur Kenntnis genommen haben.

    Der Artikel zeigt, dass dort, wo öffentliche Stellen (u.a.) handeln, die Dinge sich tatsächlich ändern. So gibt es in Berlin-Neukölln ein positives Beispiel: dort wurde eines der notorisch überbelegten Häuser renoviert und anschließend an Roma-Familien vermietet. Natürlich löst das nicht auf einen Schlag alle Probleme, aber: die Wohnverhältnisse widersprechen nun den verbreiteten Vorurteilen. Das scheint für alle Beteiligten ein erfolgversprechender Weg.

    http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/ueberregional/politik_artikel,-E...
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/roma-in-neukoelln-von-einem-der-sich-k...

    • pinero
    • 10. Juni 2013 2:07 Uhr

    Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Demnach sind 2011 aus Rumänien und Bulgarien 147.091 Personen eingewandert.

    http://www.migazin.de/2013/02/22/keine-belege-fur-armutszuwanderung-aus-...

    Wohlgemerkt, Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien, der Großteil davon sicher keine Roma. Und Sinti schon gar nicht, die Sinti sind seit Generationen in Deutschland ansässige Deutsche Staatsbürger.

    Der absolut größte Teil der Zuwanderer aus den beiden EU-Ländern sind im übrigen Studenten und sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Aus letzterem können Sie schließen, dass es sich um hochqualifizierte Leute handeln muss. Denn solange die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit für Rumänen und Bulgaren noch nicht gilt, können diese hier nur ein Beschäftigungsverhältnis antreten, wenn laut Arbeitsagentur für diesen konkreten Arbeitsplatz kein Deutscher oder anderer EU-Bürger zur Verfügung steht.

    Dass Sie diese Menschen als "Flut" bezeichnen, mit denen "die BürgermeisterInnen in den Städten allein gelassen" werden, ist angesichts der aktuellen tatsächlichen Flutkatastrophe an Zynismus und Schäbigkeit wirklich kaum zu überbieten.

    • sjdv
    • 10. Juni 2013 16:07 Uhr

    "Allein 2011 kamen 1.477.092 Menschen aus Bulgarien und Rumänien nach D..."

    1,5 Millionen Menschen ? Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wenn dem wirklich so wäre, hätten wir ein gigantisches Problem und die entsprechenden EU-Verträge müssten sofort geändert werden um weiteren Zuzug zu verhindern.

  6. <em>„Wird das wirklich gemacht? Warum lügt man die Eltern an, um ihnen zu suggerieren, dass da eine Wahl bestehen würde?“</em>

    Ich kann mich dazu nicht kompetent äußern, nicht mal dazu, ob überhaupt irgendjemand „angelogen“ wird, aber wenn ich eine Vermutung wagen müsste: Vielleicht, weil es erfolgversprechender ist, wenn die Eltern ihre Kinder freiwillig zur Schule schicken. Sowohl in pädagogischer Hinsicht, als auch finanzieller: Polizeieinsätze, um von den Eltern versteckte schulpflichtige Kinder zu finden und zur Schule zu bringen, kosten nämlich jede Menge Zeit und Geld und hindern die Polizei daran, sich um andere Aufgaben zu kümmern.

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