Der Lexus GS 450h ist ein Wagen wundersamer Verwandlungen: Sobald man die Start-Taste drückt, fühlt man sich wie Tom Cruise. Denn dann schiebt sich der Sitz in die optimale Fahrposition – und das Lenkrad schwebt einem entgegen, als säße man in jenem Zukunftshelikopter mit schwenkbaren Kugeldüsen, mit dem Cruise in Oblivion eine wüste, menschenleere Erde erkundet.

Doch das Stückchen Erde, auf das ich durch die Frontscheibe schaue, ist weder wüst noch menschenleer – es ist bevölkert von jenen Grünen-Wählern mit Milchschaum vorm Mund, die ein Klischee in Berlin-Prenzlauer Berg verortet und die dort tatsächlich Wirklichkeit sind. Mit dem hybridgetriebenen Lexus jagte die Grüne Katrin Göring-Eckardt die Konservativen einst auf den Baum der Empörung. Eine Vizepräsidentin des Bundestages, die sich nicht statusgemäß mit einer deutschen Edelmarke zum Dienst fahren lässt, sondern mit einem schadstoffarmen Japaner!

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488 Kilometer liegen vor mir. So weit ist es von Berlin nach Nürnberg, dort halten die Liberalen ihren Parteitag ab. Von einem Zentrum grünen Lebensgefühls geht es zur FDP, von einem Besserverdiener-Milieu zum nächsten – stilecht in der 70.000 Euro teuren "Luxury Line" des Lexus. Sparsam, leise und schadstoffarm rollt er der A9 entgegen, vorwiegend elektrisch angetrieben, und den Fahrer begleitet das angenehme Gefühl, dass er sich dieses umweltverträgliche Fahren in weichen, beheiz-und belüftbaren Ledersitzen sehr wohl leisten kann. Auf der Autobahn beginnt es zu kribbeln. Mit jedem Kilometer, den der Lexus sich der FDP nähert, interessiert weniger, ob der Wagen nun 137 Gramm CO₂ pro Kilometer ausstößt oder das Doppelte, ob er sechs Liter verbraucht oder zwölf. Nach 200 Kilometern weiß ich, wie sich ein Bleifuß anfühlt, nach 300 halte ich mich für einen Individualisten, nach 400 rufe ich "Freie Fahrt für freie Bürger!": genug von grünen Verbotsschildern, von deren Anleitungen zum Gutsein, von all dem "Müssen" im Grünen-Programm und dem vielen "Nicht-Dürfen"! Der Elektroantrieb hat sich schon lange abgeschaltet, ich will jetzt immer mit 250 km/h durchs Leben brettern. Ich will Freiheit, ich will schmutzen, ich will FDP! Als Nürnberg in Sicht kommt, ein Selbsterfahrungsschock: Ich bin als Tom Cruise gestartet und komme als Philipp Rösler an.

Technische Daten

Motorbauart: 6-Zylinder-Benzinmotor plus Elektromotor
Systemleistung: 254 kW (345 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 5,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
CO₂-Emission: 137 g/km
Durchschnittsverbrauch: 5,9 Liter
Basispreis: 54.750 Euro

Peter Dausend ist Redakteur im Hauptstadtbüro der ZEIT