GenderforschungSchlecht, schlechter, Geschlecht

Die Genderforschung behauptet, dass die Unterschiede zwischen Mann und Frau kulturell konstruiert sind. Unser Autor ist sich da nicht so sicher. von 

Als ich mich auf diese Geschichte vorbereitete, lag ich an einem See in Brandenburg und wollte in aller Gemütlichkeit die Einführung in die Gender Studies von Franziska Schößler lesen. Zufällig war Herrentag, so heißt in Brandenburg der Vatertag. Außer mir waren ein Dutzend junger Männer da, Zwanzigjährige. Sie tranken Bier. Sie brüllten, ununterbrochen. Sie warfen sich gegenseitig ins Wasser. Sie ließen die Motoren ihrer Autos aufheulen. Das fanden sie toll. Ich klappte das Buch wieder zu. Warum sind junge Männer manchmal so? Warum sind junge Frauen meistens anders?

Die meisten Leute, die nicht im Universitätsbetrieb stecken, können sich unter den Wörtern "Gender", "Gender Mainstreaming" und "Gender Studies" nicht viel vorstellen. Letzteres ist wahrscheinlich der am schnellsten wachsende Wissenschaftszweig in Deutschland. 2011 gab es 173 Genderprofessuren an deutschen Unis und Fachhochschulen, die fast ausschließlich mit Frauen besetzt werden. Die Förderung dieses Faches gehört zu den erklärten bildungspolitischen Zielen der Bundesregierung, SPD und Grüne sind auch dafür. Die Slawisten zum Beispiel, mit etwa 100 Professoren, sind von den Genderstudies bereits locker überholt worden. Die Paläontologie, die für die Klimaforschung und die Erdölindustrie recht nützlich ist, hat seit 1997 bei uns 21 Lehrstühle verloren. In der gleichen Zeit wurden 30 neue Genderprofessuren eingerichtet.

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"Gender Mainstreaming" bedeutet, dass alle Geschlechter in sämtlichen Bereichen gleichgestellt werden, Männer, Frauen, auch Gruppen wie Homosexuelle oder Intersexuelle. Das ist ein gutes und richtiges Ziel. Manchmal wird über dieses Ziel allerdings hinausgeschossen: Bei dem Versuch, Gender Mainstreaming im Nationalpark Eifel durchzusetzen, gelangten Genderforscherinnen zu der Forderung, Fotos von der Hirschbrunft müssten aus der Werbebroschüre des Naturparks entfernt werden. Die Bilder der Hirsche würden stereotype Geschlechterrollen fördern. Das führte zu Erheiterung in der Presse und war natürlich Wasser auf die Mühlen der Sexisten. Die Naturschützer fanden es auch nicht gut.

Das Wort "Gender" könnte man vielleicht mit "soziales Geschlecht" übersetzen. Das biologische Geschlecht heißt "Sex". Genderforscher glauben, dass "Männer" und "Frauen" nicht eine Idee der Natur sind, sondern eine Art Konvention, ungefähr wie die Mode oder der Herrentag. Klar, einige Leute haben einen Penis, andere spazieren mit einer Vagina durchs Leben. Das lässt sich wohl nicht wegdiskutieren. Aber abgesehen davon sind wir gleich, besser gesagt, wir könnten gleich sein, wenn die Gesellschaft uns ließe. Bei Franziska Schößler, deren Buch 2008 erschienen ist, liest sich das so: "Es sind vor allem kulturelle Akte, die einen Mann zum Mann machen."

Das ist eine mutige These. Spielen nicht auch das Hormon Testosteron und die Evolution bei der Mannwerdung eine ziemlich große Rolle? Man hört so etwas oft, wenn man mit Wissenschaftlern redet, die keine Genderforscher sind. In den folgenden Tagen habe ich dann noch zwei weitere Einführungen in die Genderforschung gelesen. Irritierenderweise tauchte das Wort "Hormon" nur zwei- oder dreimal am Rande auf, das Wort "Evolution" überhaupt nicht. Mehr noch, sogar hinter die Existenz des Penis – in diesem Punkt bin ich mir bis dahin völlig sicher gewesen – muss im Licht der Genderforschung zumindest ein Fragezeichen gesetzt werden. "Anatomie ist ein soziales Konstrukt", sagt Judith Butler, eine der Ahnfrauen der Genderforschung. Es sei Willkür, wenn Menschen nach ihren Geschlechtsteilen sortiert werden, genauso gut könne man die Größe nehmen oder die Haarfarbe. Die seien genauso wichtig oder unwichtig.

Das Feindbild der meisten Genderforscherinnen sind die Naturwissenschaften. Da ähneln sie den Kreationisten, die Darwin für einen Agenten des Satans und die Bibel für ein historisches Nachschlagewerk halten. "Naturwissenschaften reproduzieren herrschende Normen." – "Naturwissenschaften konstruieren Wissen, das den gesellschaftlichen Systemen zuarbeitet." – "Der Objektivitätsanspruch der Wissenschaft ist ein verdeckter männlicher Habitus." – "Naturwissenschaft und Medizin haben eine ähnliche Funktion, wie die Theologie sie einst hatte". Von solchen Sätzen wimmelt es in den Einführungen. Irgendwie scheint Genderforschung eine Antiwissenschaft zu sein, eine Wissenschaft, die nichts herausfinden, sondern mit aller Kraft etwas widerlegen will. Aber wenn Wissenschaft immer interessengeleitet ist, was vermutlich stimmt, dann gilt dies wohl auch für die Genderforschung.

Ich fahre zu Hannelore Faulstich-Wieland, Genderforscherin, Pädagogin und Gleichstellungsbeauftragte an der Hamburger Uni. In einem Interview hat sie mal gesagt, dass es gesellschaftliche Gründe habe, wenn Männer im Marathonlauf schneller sind als Frauen. Sie ist sehr nett. Und sie hat zwei Söhne. Menschen mit Kindern tendieren meist zu der Ansicht, dass es natürliche Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen gibt. Aber sie tickt nicht so. Eines ihrer Forschungsgebiete: "Männer und Grundschule".

In der Schule läuft es für die Mädchen meist besser als für die Jungen. Es gibt mehr männliche Schulabbrecher, mehr Sitzenbleiber, weniger Abiturienten. Entwicklungsstörungen aller Art, ADS, Asperger, das sind typische Probleme von Jungs. Seit Mädchen den gleichen Zugang zu Bildung haben, merkt man, wie schwach die Jungen sind, im Durchschnitt. Wegen ihrer besseren Noten dominieren inzwischen junge Frauen das Medizinstudium.

Viele meinen, dass es mehr männliche Lehrer an der Grundschule geben sollte, weil Männer ein Rollenmodell sein und mit der Aggressivität schwieriger Jungs besser umgehen könnten. Faulstich-Wieland hält Erzieher dagegen für gefährlich. Die Gefahr bestehe darin, dass "Jungen auf ein Stereotyp von Männlichkeit programmiert werden". Das gleiche Argument, das schon gegen die röhrenden Hirsche in der Eifel sprach! Außerdem enthalte der Ruf nach mehr Lehrern die Unterstellung, Lehrerinnen leisteten keine gute Arbeit. Dies sei eine Abwertung von Frauen.

Das aggressivere Verhalten der Jungs sei anerzogen. Folglich müsse es aberzogen werden. Jungs hätten eine negative Einstellung zum Lernen, was damit zusammenhänge, dass sie schon früh auf eine männliche Rolle festgelegt würden. Schon Babys würden ja verschieden behandelt, daher komme die Verschiedenheit von Mädchen und Jungs.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

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    Lieber Herr Martenstein,

    ich freue mich über den Artikel und finde es wichtig, dass auch in Deutschland über die Sinnhaftigkeit dieser Disziplin gesprochen wird. Die Parallelen Ihres Artikels zu der norwegischen Brainwash - Doku ist doch frappierend... http://www.youtube.com/wa...

    • LaKa10
    • 09. Juni 2013 22:23 Uhr

    Leider hat Herr Martenstein die Gender Studies aus einer sehr einseitigen, aber gesellschaftlich sicher sehr verbreiteten Perspektive beschrieben. Das Diskursfeld der Geschlechterforschung hat sich allerdings besonders seit den 1990er Jahren stark verändert und es gibt, wie in allen wissenschaftlichen Disziplinen, differenzierte Perspektiven und Strömungen und somit spannungsreiche Kontroversen und Kämpfe innerhalb der Forschung. In diesem Sinne umfasst der gegenwärtige state of the art der Gender Studies bzw. Geschlechterforschung die Frauen- und auch Männerforschung. Schade also, dass Herr Martenstein sich nicht auch mit bedeutenden Vertreter_innen, der Männlichkeitsforschung, wie bspw. R. W. Connell, Michael Meuser, Peter Döge, Sylka Scholz etc., auseinandergesetzt hat! Vielleicht wäre der Artikel dann anders und besser recherchiert ausgefallen?

  2. Ihr Artikel spricht mir fast aus der Seele.

    Fast täglich sehe ich mich mit Genderfragen und "mehr Geld für Genderforschung" konfrontiert und halte mich mit meiner Meinung aus Höflichkeit und auch etwas Unverständnis zurück.

    Es wird diskutiert über "Gender-Schreib"; der mittlerweile nicht nur Frauen in der Sprache gleichstellen soll, sondern durch ein Sternchen (Lehrer*innen) auch noch die Leute beinhalten soll, die sich keinem Geschlecht zuordnen können.

    Wer als Mann eine unangenehme Haltung zu diesem Thema äußert wird niedergemacht und geschmäht.

    Und die wirklichen Veränderungen bleiben doch auch auf der Strecke. Man setzt sich ja lieber mit Schreibweisen auseinander anstatt sich ernsthaft darüber zu echauffieren das Frauen immernoch weniger Geld für gleiche Arbeit bekommen als Männer.
    Von mir aus soll man mich jetzt als "Student*in" bezeichnen, ich habe damit ein relativ geringes Problem. Jedoch denke ich nicht, dass sich dadurch die realen Defizite in der noch immer nicht vollständigen Gleichberechtigung lösen werden lassen, sondern den Graben zwischen Genderforschung und "traditionell/chauvinistischen" oder einfach von antiquaren Rollenbildern geprägten Männern eher vertiefen wird.

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    Durch meine Arbeit habe ich viele Menschen getroffen, bei denen das Thema "Gendern" ein großes Thema spielt. Ich als Mann halte mich da eher raus, für mich sollten Männer Männer sein und Frauen Frauen, solange sie in allem gleichgestellt sind. Nur finde ich es etwas komisch, wenn Leute anfangen Dinge zu Gendern, bei denen ich nicht gedacht hätte, dass man das dabei tut, wie "Freund_innen", wobei es doch schon "die Freunde" ist.

    Das andere ist, dass ich durch meine Hochsensibilität ein ganzes Stück sensibler und somit nicht so "Machohaft" bin, wie die meisten Männer in meinem Alter.

    • TLP
    • 08. Juni 2013 21:59 Uhr

    ich finde ihne eher unterdurchschnittlich. warum? weil er viel blabla und wenig fakten enthält - ganz so wie bei den gender artikeln. jede genderforschung, die die naturwissenschaften ablehnt, würde ich einmal als humbug bezeichnen - aber nicht jede forschung zu genderfragen tut das. im artikel allerdings werden eignetlich nur jene aufgezählt, die offensichtlich unsinnig sind.
    viel interessanter wäre ein vergleich mit z.b. norwegen gewesen, wo es z.b. männer prinzipiell karenz gehen und es wesentlich mehr weibliche ingenieure und männliche pädgogen gibt. nein, auch keine 50/50, aber man kann nicht erwarten, dass sich eine gesellschaft innerhalb einer generation so grundsätzlich ändert. oder ein artikel wie der folgende von der norwegischen aftenposten, bei der es mehr oder minder darum geht, wie durch die gleichstellung männer "typisch weibliche" wertvorstellungen angenommen und so gar nicht unglücklich darüber sind (z.b. priorisieren des privatlebens/kinder, weniger fokus auf karriere, geld....).

    http://www.aftenposten.no...

    aber was findet man stattdessen hier; aufzählung von offensichtlichen unsinn und damit ein pseudo-neutraler versuch, gleichstellung schlechtzumachen.

  3. Angenehm einen Artikel zu lesen der einen gängigen und mächtigen Wissenschaftsdiskurs hinterfragt - in seiner Methodik, Ideologie und seinem Erkenntnisinteresse.

    Meiner Meinung nach ist Gender studies halt nicht eine klassische "Wissenschaft", in der problemlos Forschungsfragen, -positionen oder -antworten von allen Seiten und Aspekten diskutiert und hinterfragt werden kann, sondern eine intellektuelle Bewegung, die bestimmte gesellschaftspolitische Positionen durchsetzen will und durch eine klare Ideologie ("Das Geschlecht ist nur konstruiert") und anfechtbare Paradigmen (totale Feminisierung der Sprache, "Alles, was aufrecht steht, ist eher männlich" und sollte daher vermieden werden, etc. ...) geprägt und dadurch leider begrenzt und eingeengt wird.

    Meines Erachtens ist das dann aber keine Wissenschaft mehr die freies, offenes, kritisches Denken und verschiedene Positionen, Untersuchungen und Ideen zulässt. Die Frage stellt sich dann, was will Gender studies eigentlich erreichen (Erkenntnisgewinn und Problemlösevorschläge)? Alles hinterfragen und dekonstruieren?

    Des Weiteren stellt sich die möglicherweise problematische Frage, inwieweit sich Positionen aus dem Fach Gender Studies auf politische Entscheidungen und gesellschaftliche Meinungsträger auswirken oder sich mit diesen vermischen und ein Mischmasch sich bildet, das nicht mehr unterscheidet zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.

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    • daxer
    • 06. Juni 2013 23:04 Uhr

    "Die Frage stellt sich dann, was will Gender studies eigentlich erreichen (Erkenntnisgewinn und Problemlösevorschläge)?"

    Wenn es eine Wissenschaft sein wollte, wäre es einfach nur ein Untergebiet der Soziologie und/oder Psychologie.

    Der Sinn und Zweck von Gender studies ist doch offensichtlich: der feministischen Ideologie eine (pseudo-) wissenschaftliche Grundlage zu verschaffen. Ziel ist nicht, Probleme zu lösen, sondern welche zu schaffen. Forschungsthemen sind fast ausschließlich die Untaten, die das Patriarchat zu allen Zeiten und an allen Orten angerichtet hat. Damit wird jedesmal klarer, daß es ein Patriarchat gibt und wie schlimm es tatsächlich ist.

    Das ganze führt bei den (fast nur weiblichen) Studenten zu einer Radikalisierung, denn der komplette Prüfungsstoff sind die Untaten des Patriarchats. Die so fanatisieren Absolventen sind dann der Nachschub für die vielen Positionen als Gleichstellungsbeauftragte und können dort als Missionare dieser Ideologie wirksam werden. Ich kenne mehrere dieser Damen persönlich, man kann sich als normaler Mensch kaum vorstellen, welchen Tunnelblick diese Missionarinnen haben: überall nur Unterdrückung der Frauen.

    Es geht ausschließlich darum, Frauenförderung zu begründen und zwar ausschließlich Frauenförderung, nicht etwa Gleichstellung.

    S. auch §1 im Bundesgleichstellungsgesetzen.

    "Nach Maßgabe dieses Gesetzes werden Frauen gefördert, um bestehende Benachteiligungen abzubauen."

    Um Männer geht es hier nicht. Der Umfang der Benachteiligung ist egal.

    • dsip
    • 08. Juni 2013 17:47 Uhr

    Ihre "anfechtbaren Paradigmen" haben Sie doch offensichtlichst einfach erfunden, um sich ein einfaches Feindbild herbeizuzaubern, das sie dann ebenso einfach k.o. schlagen können. *gähn*

    Und die "Ideologie", die Sie da herbeizitieren, ist eine simplifizierte Darstellung der schlicht empirischen Tatsache, dass Geschlecht in verschiedenen Kulturen vollkommen unterschiedlich strukturiert ist, und alle "Versuche", mit irgendwelchen quantitativen Methoden i.S. eines popper'schen Positivismus (den ich für meine eigene naturwissenschaftliche Arbeit übrigens sehr schätze, weil er überall dort wunderbar funktioniert, wo man auf kausale, statt auf dialektische Beziehungen wie stößt, wo man einen festen Forschungsgegenstand hat) einen Kern von z.B. "Männlichkeit" zu finden, scheitern (d.h. meistens stecken sie in ihre Fragen ihre Antworten mit rein und freuen sich, dass das rauskommt, was sie erwartet haben; die "Evolutionspsychologie" sei da als abschreckendes Beispiel hingeworfen). Oder auf die Tatsache, dass die verschiedenen Ebenen von Geschlecht eben nicht immer zusammenfallen, also Hormone, Genitalien, DNA und die psycho-sozialen Aspekte nicht in einer simplen kausalen Beziehung stehen.

    Und die wissenschaftlichen Fragen, die von dort ausgehen diskutiert werden, sind die nach der sozialen Produktion von Geschlecht (und anderen Strukturen) als Methode der Hierarchisierung und Herrschaftsproduktion. Die Frage, wie Zwänge produziert und ausgeübt werden. Auch auf Männer, übrigens.

    Soweit ich weiß, wurde u.a. durch Judith Butler diese Sichtweise, einer Dichotomie eines sozialen Geschlechts (Gender) und einem natürlichen Geschlecht (Sex), aufgebrochen.
    Die Trennung von Sex und Gender funktioniere ähnlich dem Konzept einer natürlichen Geschlechtlichkeit. Und hierbei liegt das Problem: das was wir als vermeintlich natürlich benennen ist ebenfalls eine soziale Konstruktion. Zu dem Geschlechterverhältnis vor der Geschichtsschreibung haben wir keinen Zugang. Was letztendlich reine Biologie ist und was sozial beeinflusst wurde, ist uns nicht zugänglich.

    Sollten die Darstellungen in dem Artikel keine gnadenlosen Übertreibungen sein, so wäre dies tatsächlich wissenschaftsmethodisch ein ziemlicher Rückfall. Forschung deren Ergebnisse bereits im Voraus feststanden gab es in der scholastischen Philosophie sowie in der Stalin-Ära in der Sowjetunion (Letzteres bezogen auf den "Neuen Sowjetmenschen").
    Und dass Biologie eine soziale Konstruktion sei, das würden US-Kreationisten auch sofort unterschreiben...

  4. Na endlich ein Artikel zum Thema Gender-Forschung, der zwischen empirischer Wissenschaft und Weltanschauung unterscheiden kann. Warum wollen so viele Gendervertreter nicht die biologischen Unterschiede (z. B. Testosteron) anerkennen und davon ausgehend untersuchen, was gesellschaftlich erzogen wird? Ist eine solche Unterscheidung so schwierig?
    Muss man eine "Anti-Wissenschaft" erschaffen, um ein Thema an Universitäten und in der Gesellschaft einzubringen?
    Ich bin dagegen, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden (z. B. bei gleicher Arbeit). Aber "Gleichstellung", die lebbar und akzeptiert wird, erreichen wir nicht dadurch, dass man Männer generell diskreditiert und biologische, psychologische usw. Erkenntnisse unter einen Generalverdacht stellt.
    Genderstudies als Wissenschaft, ja bitte, aber nicht als Antiwissenschaft. Das ermöglicht keine argumentativ fairen Diskurs, der bei diesem Thema aber notwendig ist.
    Wer fängt damit an?

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    hier ein link, der sich mit der Wissenschaftlichkeit von einem Genderinstitut wissenschaftlich beschäftigt

    http://www.dijg.de/blog/g...

  5. Ich bin nicht sicher, ob das Bild des Informatikstudiums richtig gezeichnet ist. Zu meiner Zeit Mitte der neunziger Jahre in Rostock hatten wir etwa gleich viel Mädchen wie Jungen im Studium, für den Jahrgang 2013 Wirtschaftsinformatik in Stuttgart stelle ich gleiches fest.

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    gem EUROSTAT, nachzulesen im Bildungsgleichstellungsbericht von EURYDICE (EU Agentur) sind 43% der MIN (ohne T) Studenten weiblich.

    Es geht ja auch nicht um Gleichstellung, sondern um Frauenförderung.

  6. Im Prinzip stimme ich dem Autor zu. Es scheint wahrscheinlich, dass es gewisse biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt.
    Aber mir kommt es so vor, als ob er sich zumindest in einem Fall genauso wie die Genderforscherinnen von seinen Vorurteilen leiten lässt.
    Da Jack the Ripper nie gefunden wurde erscheint es mir etwas gewagt anzunehmen, dass es sich um einen Mann gehandelt hat. Es gibt sogar einige Hinweise darauf, dass es eine Frau war (die die Prostituierten aus Eifersucht umgebracht haben könnte).

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    • jrnsg
    • 07. Juni 2013 10:58 Uhr

    ...beschäftigen Sie sich mit sprachlichen Stilmitteln! Es ist völlig egal, ob Jack The Ripper ein Mann oder eine Frau war - jedenfalls ist die absolute Mehrheit aller Serienmörder männlich, das genügt völlig als Beleg - "Jack The Ripper" wird aus sprachlichen Gründen als einzelner hervorgehoben.

  7. Okay, wenn Sie das extreme Lager der Genderforscherinnen als ideologisch kritisieren, aber Sie werden wohl auch nicht einen Fußballverein in Gänze nur nach den Äußerungen der jeweiligen Hooligans beurteilen.Die gesellschaftliche Anerkennung der Wert- und Chancengleichheit ist wesentliches Anliegender Genderforschung und nicht das Beharren darauf, das Männlein und Weiblein völlig gleich seien.Eher, dass die Geschlechter auch geschlechtsspezifische Eigenarten haben, auf die es in gesellschaftspolitischen Bereichen Rücksicht zu nehmen gilt, insbesondere im Gesundheitsbereich und im Bildungsbereich. Unbestreitbar ist die Evolution verantwortlich für Geschlechtsunterschiede, aber die Evolution ist ein immerwährender Prozess, der auf sich stets ändernde Umweltbedingungen reagieren muss, wenn es um adaptives Verhalten geht.Die biologische Evolution ist von der kulturellen Evolution seit etwa 40 000 Jahren längst überholt. Homo sapiens hat sich seitdem, also seit seinem allmählichen Spracherwerb und der dadurch sich enorm beschleunigenden kulturellen Entwicklung, in seiner genetischen Ausstatung nicht mehr großartig verändert. All die dennoch vorhandenen Unterschiede zwischen Menschen und zwischen Männern und Frauen sind daher eher auf die kulturelle als auf die biologische Evolution zurückzuführen. Das Gehirn ist ein in hohem Ausmaß ein soziales Organ, also durchaus sozialisierbar und in seiner Funktion wie auch Struktur durch Lernerfahrungen formbar.

    11 Leserempfehlungen
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    "Okay, wenn Sie das extreme Lager der Genderforscherinnen als ideologisch kritisieren,"
    […]
    "Das Gehirn ist ein in hohem Ausmaß ein soziales Organ, also durchaus sozialisierbar und in seiner Funktion wie auch Struktur durch Lernerfahrungen formbar."

    Deswegen sollten wir darauf achten, daß das Gehirn nicht nach den Intentionen des 'extremen Lagers der Genderforscherinnen' durch deren politischen Eingriff in Bildung und Forschung geformt wird.

    siehe Kommentar Nummer 35

    vielen dank für diesen kommentar! ich bin völlig der selben meinung und finde diese viel zu kurz gegriffene argumentation und befremdlichen thesen, wie viele genderbefürworterinnen seien gegen die naturwissenschaft überaus bedenklich und eigentlich der ZEIT nicht würdig.... schade, es hätte der anlauf zu einer ernsthaften, fundierten auseinandersetzung werden können

    • Quas
    • 10. Juni 2013 10:31 Uhr

    ..ein sehr zu empfehlendes Theaterstück.

    "Die biologische Evolution ist von der kulturellen Evolution seit etwa 40 000 Jahren längst überholt. Homo sapiens hat sich seitdem, also seit seinem allmählichen Spracherwerb und der dadurch sich enorm beschleunigenden kulturellen Entwicklung, in seiner genetischen Ausstatung nicht mehr großartig verändert. All die dennoch vorhandenen Unterschiede zwischen Menschen und zwischen Männern und Frauen sind daher eher auf die kulturelle als auf die biologische Evolution zurückzuführen."

    Sie sagen also, dass es vor 40.000 Jahren keine Unterschiede gab und die Heutigen auf eine kulturelle Evolution zurückzuführen ist? Interessant.
    Mir erscheint es eher so, als haben sich seit 40.000 eigentlich nichts geändert und man versucht heute die Anlagen durch viel Nachdenken und Erziehung zu entferne bzw. zu verändern.

    Ich halte das für falsch, weil wir eben Tiere sind und bleiben werden und wenn die Podiumsdiskussion vorbei ist auch genau so handeln!

    Ich bin Naturwissenschaftler und halte mich gerne an Fakten und objektiver Betrachtung. Jetzt aber dennoch etwas subjektives:
    "Genderwissenschaft" und deren Ziele macht Uns als Gesellschaft aus meiner Sicht kaputt, weil Wir uns einer künstlichen Idealwelt unterwerfen die Wir alle am Ende nicht wollen und umsetzen können, denn ja unser Körper wird nicht nur durch das Gehirn gesteuert, bei Mann und Frau.

    Zitat Wowi: "Und das ist auch gut so!"

    • Inch
    • 10. Juni 2013 12:35 Uhr

    Danke, das jemand doch noch etwas differenzierter auf das Thema reagiert und die Einseitigkeit dieses Artikels thematisiert.

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