Google"Wir bunkern kein Geld"

Die Google-Topmanager Eric Schmidt und Jared Cohen über Steuerminimierung, politische Revolutionen im Internetzeitalter – und ihren persönlichen Rat an besorgte Eltern von  und

Eric Schmidt

Eric Schmidt  |  © Justin Sullivan/Getty Images

DIE ZEIT: Eric Schmidt, Sie raten Eltern, mit ihren Kindern früher über Privatsphäre und Sicherheit im Internet zu sprechen als über Sex. Haben Sie das bei Ihrer Tochter auch so gemacht?

Eric Schmidt: Meine Tochter ist über 20!

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ZEIT: Aber das Netz gibt es schon eine Weile.

Schmidt: Als sie ein Kind war, gab es die Probleme noch nicht, die Eltern heute beschäftigen. Aber wenn ich heute kleine Kinder hätte, würde ich mit ihnen wirklich zuerst über Privatsphäre reden – und später über Sex.

Eric Schmidt

Als Verwaltungsratsvorsitzender gibt er dem Internetkonzern Google seit 2011 Stimme und Gesicht. Zuvor begleitete der promovierte Informatiker als Vorstandschef den Aufstieg von Google zur weltweit führenden Suchmaschine. Der 58-jährige Schmidt gehört außerdem zum Beraterkreis von US-Präsident Barack Obama in Technologiefragen.

Jared Cohen: Heute stellen Eltern die Ultraschallbilder ihrer Kinder online oder verschicken sie an Freunde, insofern beginnt das digitale Leben vieler Menschen schon sechs Monate vor der Geburt.

ZEIT: Wie sollten wir damit umgehen?

Cohen: Kinder und Jugendliche neigen dazu, online Dinge zu sagen und zu zeigen, die sie normalerweise nie verraten würden. Deswegen plädieren wir leidenschaftlich für mehr elterliche Intervention.

Jared Cohen

Der 31-Jährige leitet die Denkfabrik Google Ideas, die sich vor allem mit technologischen Lösungen für globale Probleme befasst.Cohen ist Autor mehrerer Bücher, zu seinen Spezialgebieten gehört Außen- und Sicherheitspolitik. Unter Condoleezza Rice und Hillary Clinton gehörte Cohen zum Beraterstab des Außenministeriums der Vereinigten Staaten.

Schmidt: Eltern sollten die Passwörter ihrer Kinder haben, bis diese 18 Jahre alt sind. Keine Diskussion! Eltern müssen wissen, was ihre Kinder tun.

ZEIT: Haben Sie Ihren Ratschlag selbst befolgt?

Schmidt: Ja, das habe ich getan. Bis meine Tochter 18 wurde. Seitdem ist es ihre Sache.

ZEIT: Wir sprechen mit Ihnen darüber, weil Sie immer wieder argumentieren, dass Daten frei sein wollen und, einmal im Netz, dauerhaft existieren.

Schmidt: Wir leben in einer immer enger vernetzten Welt, das Internet wird allgegenwärtig, und diese Entwicklung ist unumkehrbar. Man kann es nicht abschalten, genauso wenig wie man den Strom abschaffen oder Straßen verbieten kann. Zur Architektur des Internets gehört nun die Dauerhaftigkeit von Daten, was sich an einem aktuellen Beispiel gut zeigt: Ein Amerikaner hat neulich eine Bauanleitung ins Netz gestellt, mit der jedermann Schusswaffen aus Kunststoff mit einem 3-D-Drucker herstellen kann. Er musste sie wieder löschen, aber Kopien der Anleitung sind längst in anderen Ländern im Umlauf.

Cohen: Das hat auch Vorteile. Terroristen und Diebe gehen irgendwann online und können anhand ihrer digitalen Spuren überführt werden. Kürzlich haben sich organisierte Verbrecher mit kriminellen Hackern zusammengetan und 45 Millionen Dollar erbeutet – indem sie Hunderte Straßenganoven losgeschickt haben, um an Automaten Geld von digital manipulierten Konten abzuheben. Einige dieser Männer haben dann Fotos von sich und dem Geld auf Instagram gepostet...

Schmidt: ...nicht die cleversten Gangster.

ZEIT: Sie sagten einmal, dass man nichts ins Netz stellen sollte, von dem man nicht möchte, dass es öffentlich wird. Stehen Sie noch dazu?

Schmidt: Den Satz habe ich in einem anderen Zusammenhang gesagt. Damals ging es um den amerikanischen Patriot Act...

ZEIT: ...der es Ermittlern seit den Anschlägen vom 11. September 2001 sehr leicht macht, amerikanische Bürger auszuspähen.

Schmidt: Ich persönlich stehe dem Patriot Act sehr kritisch gegenüber.

Leserkommentare
  1. gehören in eine ServicePublic, Non Profit Infrastruktur in der die Zivilgesellschaft mindestens ebensoviel Mitbestimmungsrechte haben muss wie die Handvoll Aktionäre die heute über Millionen entscheiden... und sich im Prinzip jeder nationalen Daten- und Persönlichkeitsschutzrichtlinie entziehen...
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    Transparenz, Auskunffs- Anhörungs- Mitbestimmungs- Mitgestaltungsrechte gehören bei einer derat umfassenden Gesellschaftlichen relevanz eifnach dazu...anstonsten ist das am Ende nicht viel mehr als eine Dikatur des Kapitals und der Aktionäre.
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    Dann wäre da noch die unbeantwortete Frage der nationalen Steuerpflicht... abkassiert wird ja auch national... das listige und böswillige umgehen nationaler stuergesetze und das Auspielen der einzelnen Gesellschaften ist komplett unangebracht...
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    Es fehlt hier Eindeutig an einem für die Gesellschaft gültigen moralisch ethischen Rahmen und Verständnis, aber das ist ein allgemeiner Fehler der Gloablisierung...

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    Den Gedanken finde ich super. Leider konnten Unternehmen bereits das Netz kommerzialisieren und haben damit RICHTIG viel Geld verdient. Ob da NGOs noch mithalten können...

    Zudem gibt es im Internet ja eher eine anarchistische Kultur. Es gibt sie, die Hacker-Ethik und die ganzen Verhaltensregeln (sieht man oft in Foren). Die Unternehmen halten sich da nicht dran, ebensowenig die "Digital Natives". Daher versuchen Politiker dieses Medium zu entern und ihre Politik darüber zu stülpen. Das ist aber schwierig, weil aus der Anarchie auch Technologie entstanden ist, die ebenfalls anarchisch ist. Also machen sie einfach, was Ihnen die Konzerne sagen.
    Eine NGO, die die Kultur und die Technik versteht und die Netz-Menschen vertreten kann, das wäre toll.

    In der zwischenzeit müssen die Menschen -und besonders Eltern und Jugendliche- in dem Thema geschult werden. Es ist fast ein wenig spät, weil eigentlich keiner mehr wirklich den Überblick hat.

  2. Den Gedanken finde ich super. Leider konnten Unternehmen bereits das Netz kommerzialisieren und haben damit RICHTIG viel Geld verdient. Ob da NGOs noch mithalten können...

    Zudem gibt es im Internet ja eher eine anarchistische Kultur. Es gibt sie, die Hacker-Ethik und die ganzen Verhaltensregeln (sieht man oft in Foren). Die Unternehmen halten sich da nicht dran, ebensowenig die "Digital Natives". Daher versuchen Politiker dieses Medium zu entern und ihre Politik darüber zu stülpen. Das ist aber schwierig, weil aus der Anarchie auch Technologie entstanden ist, die ebenfalls anarchisch ist. Also machen sie einfach, was Ihnen die Konzerne sagen.
    Eine NGO, die die Kultur und die Technik versteht und die Netz-Menschen vertreten kann, das wäre toll.

    In der zwischenzeit müssen die Menschen -und besonders Eltern und Jugendliche- in dem Thema geschult werden. Es ist fast ein wenig spät, weil eigentlich keiner mehr wirklich den Überblick hat.

  3. "Eltern sollten die Passwörter ihrer Kinder haben, bis diese 18 Jahre alt sind. Keine Diskussion! Eltern müssen wissen, was ihre Kinder tun. "

    Hat dieser Mann schon einmal einen Jugendlichen aus der Nähe gesehen?

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    Wenn man davon ausgeht, dass die Kinder verantwortungslos, dumm oder schlichtweg super-naiv sind, dann hat er Recht.

    Das Problem ist aber: Die Eltern sind ja nicht besser. Wie viele Erwachsene haben schon Ahnung vom Internet und können die Risiken richtig einschätzen? Die kriegen ja auch nur alles vom Hören-Sagen mit.
    Ich bin oft genug verblüfft, wie unwissend 20-40-Jährige sind. Das ist kein Vorwurf, Medienbildung gehörte zu lange einfach nicht zur Allgemeinbildung.

    • Mari o
    • 08. Juni 2013 1:34 Uhr

    oder Sätze die mir zu hoch sind
    "man wird auch begreifen, dass man Fotos von Jugendlichen nicht benutzen darf, um ihnen zu schaden, wenn sie erwachsen sind"
    was!? wie? darf man nicht? man darf nicht.so so

    Ich bin mit dem Rahmen dieser Diskussion nicht einverstanden
    hi hi hi.nicht einverstanden.na dann .Diskussion beendet

  4. Wenn man davon ausgeht, dass die Kinder verantwortungslos, dumm oder schlichtweg super-naiv sind, dann hat er Recht.

    Das Problem ist aber: Die Eltern sind ja nicht besser. Wie viele Erwachsene haben schon Ahnung vom Internet und können die Risiken richtig einschätzen? Die kriegen ja auch nur alles vom Hören-Sagen mit.
    Ich bin oft genug verblüfft, wie unwissend 20-40-Jährige sind. Das ist kein Vorwurf, Medienbildung gehörte zu lange einfach nicht zur Allgemeinbildung.

    Antwort auf "Weltfremd"
    • Mari o
    • 08. Juni 2013 1:34 Uhr

    oder Sätze die mir zu hoch sind
    "man wird auch begreifen, dass man Fotos von Jugendlichen nicht benutzen darf, um ihnen zu schaden, wenn sie erwachsen sind"
    was!? wie? darf man nicht? man darf nicht.so so

    Ich bin mit dem Rahmen dieser Diskussion nicht einverstanden
    hi hi hi.nicht einverstanden.na dann .Diskussion beendet

    Antwort auf "Weltfremd"
  5. Sauberer Artikel. Grundsätzlich gebe ich Schmidt recht und er hat ja auch recht, wenn er sagt, dass es nicht Aufgabe der Unternehmen ist, die Steuergesetze zu machen.

    Natürlich verschweigt er das enorme Lobbying der Konzerne. Da wird ja ein Land gegen das andere ausgespielt und die Menschen in den Ländern bzw. deren Regierungen alssen sich an einem Ring durch die Manage ziehen.

    Wie gesagt er hat ja recht: Eine gemeinsame Währungsunion, ohne gemeinsam Finanzpolitik zu beginnen war unglaublich dumm und naiv. Aber wir haben die Regierungen ja gewählt, die den Euro eingeführt haben, also sind wir dumm und naiv.

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