Heute gebe ich einige Tipps zum Thema "Die Kunst des Geldausgebens". Jeder Mensch braucht zum Beispiel hin und wieder ein Handtuch. Bei mir im Bad hängt der Haken für die Handtücher ziemlich tief. Der Grund dafür ist, dass ich vor dem Dübeln wieder einmal nicht lange genug nachgedacht habe. Die meisten Handtücher sind rechteckig, das heißt, es gibt eine kurze und eine lange Seite. Wenn ich ein Handtuch aufhänge, an der kurzen Seite, wo normalerweise die Schlaufe ist, dann berührt das Handtuch den Boden, es saugt sich mit schmuddeligem Seifenwasser, Ekelfleisch und Kolibakterien voll. So etwas stört mich. Jawohl, ich bin zwanghaft. In meiner analen Phase muss allerhand schiefgelaufen sein.

Ich brauche also ein Handtuch mit einer Aufhängeschlaufe an der langen Seite. Natürlich könnte ich irgendein Handtuch kaufen und die Schlaufe drannähen, oder von einer Schneiderperson drannähen lassen. Dazu habe ich aber keine Zeit. Ich will das Leben feiern und die Liebe, ich will interessante Gespräche führen, ich will nicht zur Schneiderei. Bei Karstadt gab es nur Handtücher mit Schlaufen an der kurzen Seite. Sogar die teuersten Marken besitzen nur eine einzige Schlaufe. Ich wäre sogar bereit gewesen, mir ein Handtuch mit der Aufschrift "Joop" zu kaufen, obwohl ich Aufschriften auf Handtüchern ästhetisch fragwürdig finde. Aber nicht einmal Wolfgang Joop ist auf die Idee gekommen, seine Handtücher mit zwei Schlaufen zu versehen.

Der einzige Ort, wo es in Deutschland Handtücher mit zwei Schlaufen gibt, heißt meines Wissens Ikea. Wegen solcher Sachen ist Ikea noch erfolgreicher als Joop.

Außerdem habe ich für meinen Sohn ein Studentenabonnement der Süddeutschen Zeitung bestellt. Das ist seine Lieblingszeitung, vielleicht, weil dort die Bücher seines Vaters in der Regel verrissen werden. Wenn man das Abo im Internet erwerben möchte, muss man zu der folgenden Erklärung den Button "Zustimmung" anklicken: "Ja, ich bin einverstanden, dass ich über Medienangebote der Süddeutschen Zeitung per Telefon bis auf Widerruf informiert werden darf." Man muss zustimmen, sonst gibt es kein Studentenabo. Interessanterweise möchten sie nicht etwa den Studenten anrufen, der die Zeitung kriegt, sondern denjenigen, der für das Abo bezahlt. Ich habe nichts gegen Werbung. Teile meines Honorars werden aus Werbung finanziert. Aber ich bin auch ein Mensch mit einem gewissen Ruhebedürfnis. Wer werben möchte, sei herzlich zu einer Anzeige im ZEITmagazin eingeladen, die weder lärmt noch schmutzt. In der Süddeutschen habe ich vor einiger Zeit einen sehr guten Artikel über Telefonwerbung gelesen: "Gerade hat man es sich abends auf der Couch gemütlich gemacht, da läutet das Telefon. ›Guten Abend, haben Sie schon mal über Ihre Altersvorsorge nachgedacht?‹, schallt es aus dem Telefon – und die gute Laune ist dahin. Privatpersonen haben bisher kaum eine Möglichkeit, sich gegen diese Anrufe zu wehren." Besser hätte auch ich das nicht ausdrücken können. Ich habe bei der Abo-Bestellung die Telefonnummer der Frankfurter Allgemeinen angegeben, ich hoffe, dass man dort die Medienangebote der Süddeutschen zu schätzen weiß.

Was Altersvorsorge betrifft, habe ich überlegt, welche Aktien sich jetzt noch lohnen könnten. Meiner Ansicht nach stehen wir kurz vor dem nächsten Crash. Ich habe alles auf eine Firma gesetzt, die mit Alkohol handelt. Wenn die Wirtschaft boomt, wird Champagner getrunken. Nach dem Crash aber werden die Leute einen Schnaps brauchen. Dieser Tipp ist kostenlos.

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