MDRGroße Welle

Der MDR trägt die Flut in die Wohnzimmer der Republik. Welches Bild entsteht dabei? von Anne Hähnig

Die Tage der Flut, das waren auch die Tage des Mitteldeutschen Rundfunks; die Tage eben jenes Senders, der in der Öffentlichkeit entweder belächelt wird für sein angeblich betuliches Programm – oder bewundert für seine hohen Quoten.

Denn: Hochwasser in allen drei mitteldeutschen Ländern, das heißt – Hochwasser im MDR. In diesem Fall: beinahe rund um die Uhr. Die Flut ist ein Thema besonders fürs Fernsehen. Eine Naturkatastrophe produziert Bilder. Bilder, wie Zeitungen sie kaum transportieren können. Unendlich viele Bilder.

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Der MDR sendet fast ganztags ein Hochwasser-Programm, seit Tagen, ein Special nach dem anderen, von überall im ganzen Osten. Er prägt dadurch, wie wir diese Katastrophe wahrnehmen. Er prägt das allgemeine Bild von dieser Flut: Für ein paar Tage schaut das ganze Land in den Osten. Und schaut der ganze Osten MDR.

Die MDR-Redaktion hat das schnell verstanden. Sie brauchte nicht lange, um eine Haltung zu finden zu dieser Katastrophe. "Wir halten zusammen!", spricht es aus beinahe jedem Flut-Beitrag. "Alle gemeinsam – in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt kämpfen Tausende gemeinsam gegen das Wasser", so sagte es Moderator Andreas Brückner schon am Montagabend in der Nachrichtensendung MDR aktuell.

So viele Reporter wie Zeitungsausträger

Peter Kloeppel hat sich als Nachrichtenmoderator am 11. September 2001 den Respekt der gesamten Nachrichtenbranche erarbeitet. Er, der Anchormann des sonst so boulevardesken RTL, wurde später ausgezeichnet für seine brillante Moderation. Jede Krise also ist eine neue Chance, auch für Journalisten, auch für Medienanstalten. Und der Mitteldeutsche Rundfunk hat die Herausforderung angenommen. Manchmal kommt es einem in diesen Tagen vor, als beschäftige die Sendeanstalt so viele Reporter wie Regionalzeitungen allenfalls Zeitungsausträger, als stünde in jedem überschwemmten Dorf des Sendegebiets ein Übertragungswagen. Und wenn Politiker loben, wie schnell die Feuerwehr, die Polizei, auch die Bundeswehr einsatzbereit waren für dieses Hochwasser – der Mitteldeutsche Rundfunk ist nicht langsamer gewesen. Er ist fleißig und schnell. Und was bedeutet das für uns, die Zuschauer?

Die Flut jedenfalls passt zum Fernsehen, und das Fernsehen passt zur Flut. Denn die Flut macht das Fernsehen groß – und das Fernsehen wiederum die Flut. Wassermassen, Rettungsboote in Innenstädten, Hubschrauberaufnahmen überfluteter Städte. Für diejenigen, die das Wasser nicht im Keller stehen haben, erschafft das Fernsehen die Flut ja erst. Wir sehen Bilder von Rettern im Einsatz, von Luftkissenbooten und Ministerpräsidenten, die in Pfützen stehen. Die Geschichten schwimmen in diesen Tagen geradezu auf der Straße.

Trotzdem fühlte sich das MDR-Programm in den vergangenen Tagen wie ein Lagebericht an, wie ein Lagebericht aus dem Krisenzentrum einer Staatskanzlei. Der Moderator hetzte von der Live-Schalte Döbeln zur Live-Schalte nach Dresden und weiter nach Grimma. Dann von Sachsen nach Thüringen nach Sachsen-Anhalt. Alle möglichst gleichberechtigt – wenn Flut, dann komplett. Und zwischendrin immerzu die aktuellen Pegelstände unten auf dem Bildschirm.

Selbst in den Sportnachrichten des MDR dominierte die Flut: Das Jenaer Leichtathletik-Meeting falle aus, erfuhr der Zuschauer, und RB Leipzig habe seine Aufstiegsfeier abgesagt. Sodenn!

Leserkommentare
  1. Und neben dem MDR informiert auch die Landeshauptstadt Magdeburg online aktuell und aussagefähig über die Hochwassersituation. Deshalb auch mal ein Lob dorthin: http://www.magdeburg.de/index.php?NavID=37.367&object=tx|37.9626.1&La=
    Bewunderswert ist die vor Ort zu besichtigende vieltausendfache Hilfe, insbesondere von motivierten und lustigen Jugenlichen
    Was lernt uns das? Die Menschen brauchen eine Aufgabe und ein Ziel. Mit dem Gefühl "gebraucht zu werden", lassen sich Berge versetzen. Das müsste nach dem Hochwasser in anderen Bereichen erschlossen werden. Aber wen interessiert das ...

    3 Leserempfehlungen
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    ...ist doch nicht so faul und bequem wie viele ältere das immer glauben.

    Ein Problem der Flut, ist noch nicht richtig betrachtet wurden, soweit ich die Berichterstattung mitbekommen habe, ist der Demographische Wandel: Zum einen werden die Deiche nicht kürzer, nur weil es in einer Region weniger Einwohner (sprich: Steuerzahler) gibt. Die Unterhaltungskosten für die Deiche steigen eher noch an. Da können die Bayern noch drei mal gegen den Länderfinanzausgleich klagen, das wird sich nicht ändern.
    Außerdem sind die Geburtenzahlen vor ziemlich genau 23 Jahren um die Hälfte eingebrochen. Mag sein, dass es dieses mal noch kaum auffällt, weil es nur um die Personen von 18 bis 23 geht, aber mit jedem Jahr das vergeht wird die Zahl der geburtenschwachen Nachwendejahrgänge größer. Ich will mir nicht vorstellen, was los ist, wenn es in 10 oder 15 Jahren zu so einer großen Flut kommt.

    • RoH
    • 06. Juni 2013 21:32 Uhr

    Natürlich ist es immer eine Gradwanderung, wie viel über ein Ereignis berichtet werden muss und kann.
    Schnell werden die immer gleichen Bilder bis zur Ermüdung der Zuschauer gezeigt und die immer gleichen Informationen wiederholt.

    Doch das ist grade bei dieser Katastrophe nicht so. Ständig gibt es neue Entwicklungen. Hält der Deich, wo werden noch Helfer gebraucht, wie entwickeln sich die Pegel? Das sind Fragen auf die es immer neue Antworten gibt.
    Das rechtfertigt auch die ausgedehnte Berichterstattung.

    Selbst Sachsen-Anhalter (aus einem nicht betroffenen Gebiet), allerdings die Woche über in Niedersachsen, verfolge ich das Geschehen seit drei Tagen im Live-Ticker der Mitteldeutschen Zeitung (http://www.mz-web.de/hoch...) und allabendlich bei "Sachsen-Anhalt heute" im MDR.
    Unglaublich bewegt von den vielen Schicksalen, aber auch der Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft sitze ich dann hier. Die Medien schaffen es, dieses Gefühl uns Zuschauern und Lesern zu vermitteln und machen so einen guten Job.

  2. ...ist doch nicht so faul und bequem wie viele ältere das immer glauben.

    Ein Problem der Flut, ist noch nicht richtig betrachtet wurden, soweit ich die Berichterstattung mitbekommen habe, ist der Demographische Wandel: Zum einen werden die Deiche nicht kürzer, nur weil es in einer Region weniger Einwohner (sprich: Steuerzahler) gibt. Die Unterhaltungskosten für die Deiche steigen eher noch an. Da können die Bayern noch drei mal gegen den Länderfinanzausgleich klagen, das wird sich nicht ändern.
    Außerdem sind die Geburtenzahlen vor ziemlich genau 23 Jahren um die Hälfte eingebrochen. Mag sein, dass es dieses mal noch kaum auffällt, weil es nur um die Personen von 18 bis 23 geht, aber mit jedem Jahr das vergeht wird die Zahl der geburtenschwachen Nachwendejahrgänge größer. Ich will mir nicht vorstellen, was los ist, wenn es in 10 oder 15 Jahren zu so einer großen Flut kommt.

    2 Leserempfehlungen
    • Tavros
    • 07. Juni 2013 14:22 Uhr

    Ein Sender stellt seine Nachrichtenbasis zur Verfügung und tut mit, gegen die Not. Die "Akteure im Aussendienst", die Betroffenen, verfügen deswegen über aktuelle Informationen und können dadurch ihr Angagement optimieren.

    Das alles passiert in sachlicher, unaufgeregter Form, ohne Schuldzuweisungen, schlaumeierrischer Predigten und überflüssiger Polemik diverser "Edelfedern". Den Opfern der Ereignisse ist es egal ob eine Warnung in Stilistik und Form hohem Journalistischem Niveau entspricht. Diese Methodik der Altetablierten führte bei mir zur Idee, dass es vielleicht gut wäre, die GEZ-Gebühren direkt an den MDR zu geben. So wüßte ich dann wofür ich bezahle.

    Im Gegensatz zu anderen Medien, die sich gern Nachrichtensender nennen, nutzt der MDR seine aktuellen und akuten Meldungen nicht dazu um noch mehr Reklame in die Welt zu blasen ( ihr bekommt zwar Sandsäcke, aber erst schaut ihr euch unsere Werbung an ).

    Dank und Anerkenneung dem MDR

  3. Mich würde interessieren, wie viel tiefer liegen Wohngebiet zur Mulde bzw. wie hoch sind die Dämme? Gibt es künstliche Umleitungen für Flüsse um die Städte wie in Magdeburg usw. Es fehlen Siedlungspläne der letzten 10 Jahre zum heutigen Ist-Zustand.

    Die Dämme sind schwer im Internet nachzurecherchieren, um die Situation zu beurteilen. Es mangelt an Hintergrundinformationen, welche Überflutungsflächen jetzt als Siedlungsgebiet dienen und wo neue Dämme andernorts die Situation verschärfen.

    Es fällt ebenso schwer zu beurteilen ob ein Dammbruch den einen Ort wie Deggendorf entlastet und gleichzeitig Fischerdorf überflutet. Liegt hier eine Fehlplanung vor - ... oder was ist das passiert?

    Auch ist nicht zu erfahren wo Sickerbecken für Regenwasser bereits vorhanden sind, wer welche plant usw. und warum die Kommunen lieber Bauplätze verkaufen, anstatt solche anzulegen. Das betrifft alle Regionen in Deutschland.

    Daher empfinde ich die Berichterstattung über "die Flut" für sehr einseitig und polemisch. Sie ist geradezu sensationslustig und es macht den Eindruck, dass jeder Helfer am Ende das Bundesverdienstkreuz von der Kanzlerin erhält. Die Versäumnisse der Rathäuser werden leider nicht nach außen geschwemmt. "Die Flut" ist kein Ereignis für kurzfristige Samariter. Sie ist ein Resultat von krassem Missmanagement in der gesamten Republik und das gehört in die Zeitung.

    Diese Defizit sollte m. M. nach schleunigst behoben werden.

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