In der Schweiz gibt es einen Posten, der hohes Ansehen genießt und dessen Inhaber sich in seiner Winkelried-Rolle gegen die Großen und Mächtigen durchzusetzen versucht. Es ist der Preisüberwacher.

Ich habe Respekt vor diesem Metier, aber ich gestehe gerne: Ich bin froh, dass ich keine Preise überwachen muss, sondern Preise verleihen darf. Das macht nämlich wesentlich mehr Freude. Zum Beispiel als Jurypräsidentin des Swiss Economic Award (SEA), des wichtigsten Preises für Jungunternehmer, der am 7. Juni in Interlaken zum 15. Mal für herausragende Leistungen verliehen wird.

Mit der Preisverleihung ist es dieses Mal aber nicht getan. Das Swiss Economic Forum (SEF) hat eine Wachstumsinitiative lanciert, die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Begleitung und Coaching in den Bereichen Strategie, Innovation, Finanzierung und Wachstum anbietet. Ein interdisziplinäres Team von Experten analysiert das Wachstumspotenzial und die Stärken eines jungen Unternehmens und schlägt den Inhabern Handlungsoptionen vor.

Dass diese Initiative sinnvoll und gerade in der an exzellenten KMU reichen Schweiz wichtig ist, konnte ich immer wieder selbst beobachten. Voller Enthusiasmus gestartete Jungunternehmer scheitern oft an alltäglichen Schwierigkeiten, weil keine erfahrenen business angels zur Verfügung stehen, die aus eigener Erfahrung wissen, wie die sich auftürmenden Klippen zu umschiffen sind.

Man muss es bei der in den Medien auf Großunternehmen fixierten Berichterstattung immer wieder betonen: KMU bilden das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Allein die 30 Gewinner des SEA seit 1999 bieten heute 1.700 Arbeitsplätze an und erzielen einen kumulierten Umsatz von rund 900 Millionen Franken.

Im Dezember wird noch ein anderer Preis, der mir sehr am Herzen liegt, seine Premiere feiern. Der Schweizer Schulpreis. Herausragende Schulen, ihre innovativen und außergewöhnlichen Ideen und Leistungen sollen ausgezeichnet und es soll ein wichtiger Impuls für eine zukunftsgerichtete Entwicklung der Schulen und der Wissensvermittlung gegeben werden. Trotz der anfänglichen Skepsis haben schweizweit schon über 100 Schulen ihre Bewerbung eingereicht und zeigen damit, dass sie sich dem Wettbewerb stellen. Besonders erfreulich: 70 der 100 Bewerber sind öffentliche Schulen!

Meine Vorliebe für Preise wird von meinem persönlichen Umfeld nicht immer auf Anhieb verstanden. Obwohl sich dahinter ein sehr wirksamer Anreiz verbirgt, Menschen zu besonderen Leistungen anzuspornen. Zugute kommt dies nicht nur dem Preisempfänger und -verleiher, sondern auch der Gesellschaft und der Wirtschaft.

Bruno S. Frey, Wirtschaftswissenschaftler und Professor für Verhaltenswissenschaften an der Universität Warwick, hat genauer untersucht, wie und warum Auszeichnungen und Preise Menschen zu Höchstleistungen motivieren. Die klassische ökonomische Theorie kennt vor allem drei Faktoren, welche die Motivation positiv beeinflussen: Geld, also eine gute Entlohnung, sogenannte fringe benefits wie ein Dienstwagen oder ein besonders schöner Arbeitsplatz und schließlich die "intrinsische Motivation", der persönliche Antrieb, Gutes zu tun und sich mehr anzustrengen als andere.

Insbesondere die persönliche Motivation wird durch Auszeichnungen erhöht, weil die persönliche Leistung durch die Verleihung eines Preises eine zusätzliche soziale Aufwertung erfährt. Das bestätigen mir übrigens auch die Preisträger des Swiss Economic Award, die wir mit dem Preis dazu ermuntern möchten, das Risiko der Selbstständigkeit einzugehen und Überdurchschnittliches zu leisten. Und mit dem Schweizer Schulpreis wollen wir Lehrer, Schüler, Eltern und Schulleiter dazu motivieren, die Besten und damit Vorbilder für andere zu sein.

Auch ökonomisch gesehen haben Preise und Ehrungen einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Meist verursachen sie nur geringe Kosten, aber für die Ausgezeichneten sind sie besonders wertvoll, weil sie durch die mediale Aufmerksamkeit ihre Unternehmungen und Institutionen einer größeren Öffentlichkeit bekannt machen können.

Meine Freude, Preise zu verleihen, hat aber keine ökonomischen, sondern ganz persönliche Gründe. Ich lerne großartige Menschen kennen, die überraschende und innovative Ideen und Projekte präsentieren und mich mit ihrer Leidenschaft anstecken. Oft auch für wichtige Anliegen, die unsere Gesellschaft prägen. Und ganz nebenbei ist insbesondere die zweitägige Jurysitzung vor der Preisübergabe am SEF ein Highlight in meiner Funktion als überzeugte Preisverleiherin. Oder wie es der deutsche Kabarettist Dieter Hildebrandt einmal gesagt hat: "Wie soll man sich nach einer Preisverleihung fühlen? Ausgezeichnet."