Das Wissen-Ressort der ZEIT wird nicht müde, die Vorteile von Leitungswasser gegenüber teurem Wasser in Flaschen zu preisen: Es ist in Deutschland von einwandfreier Qualität, es schmeckt gut, es ist praktisch umsonst, und seine Ökobilanz ist viel besser als die von Flaschenwasser. Meine Frau und ich fragen regelmäßig auch in teuren Restaurants nach Leitungswasser und amüsieren uns dann über den leicht verächtlichen Ausdruck auf dem Gesicht des Kellners oder der Kellnerin. Meistens bekommen wir das Wasser aus dem Hahn, manchmal ernten wir aber auch ein barsches "Das gibt’s bei uns nicht". Und einmal wurden uns für eine Karaffe Leitungswasser acht Euro berechnet. Das Argument: Die Flasche Mineralwasser koste neun Euro, und der Löwenanteil davon sei ja für den Service.

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In Deutschland muss der Gast das hinnehmen. Denn der Restaurantbesitzer kann entscheiden, welche Getränke er anbietet und was er dafür verlangt. In anderen Ländern gibt es eine andere Wasserkultur, da wird das Leitungswasser unaufgefordert zum Essen serviert. Und in Frankreich ist sogar durch ein Dekret der Generaldirektion für Wettbewerb, Verbrauch und Betrugsbekämpfung (DGCCRF) seit 1967 festgeschrieben, dass neben Brot und Gewürzen die Karaffe Wasser zum Essen dazu gehört und dem Gast nicht gesondert berechnet werden darf. Wohlgemerkt: Das gilt für Gäste, die auch wirklich Essen bestellen. Ins Restaurant gehen und nur kostenlos Wasser trinken – das geht auch in Frankreich nicht.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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