Ich träume viel. Träume sind für mich wie Filme. Und wenn ich morgens aufwache, bin ich immer enttäuscht, dass da wieder nur die Realität auf mich wartet. Seit ich Anfang dieses Jahres mit dem Rauchen aufgehört habe, sind meine Träume noch intensiver geworden. Neulich zum Beispiel: Im Traum war ich daheim, im Erdgeschoss unseres Hauses. Meine Frau, die Kinder und unsere Hunde waren oben im ersten Stock, als unten auf einmal Unmengen von Äpfeln wie Geschosse durch die Fenster krachten. Es war wie im Krieg, alles im Haus wurde von Äpfeln zertrümmert. Ich hatte allerdings einen Baseballschläger in der Hand und wehrte das Obst ab, so gut es ging. Dann stand ich im Matsch und befürchtete, dass ich für den Rest meines Lebens Äpfel weghauen müsste. Schließlich versank ich im Apfelschlamm und erstickte. Aber am Ende wurden die Äpfel und ich eins. Ich wurde als Apfelbaum wiedergeboren, vereint mit der Natur. Ich wachte sehr glücklich auf.

Als es damals mit Take That losging, war das für mich kein Traum, sondern nur ein willkommener Zufall. Meine wahren Träume waren zuvor geplatzt. Ich hatte von einer Fußballerkarriere bei Manchester United geträumt und von Kelly Hampson, einem Mädchen aus meiner Nachbarschaft. Aus beiden Träumen wurde nichts. Take That erschien mir erst mal wie ein Trostpreis, wurde dann aber schnell zu einem großen Erlebnis. Und Fußball spiele ich heute immerhin jeden Freitag in einem Team von Kindergarten-Papas, was auch Spaß macht.

Dass wir vor drei Jahren noch mal ein Album mit Robbie Williams zustande gebracht haben und dann auch noch eine Tour, war traumhaft. Robs Abschied aus der Gruppe war sehr unglücklich und hatte ein Vakuum hinterlassen. Ich habe immer gehofft, dass wir eine zweite Chance mit ihm bekommen würden. Bei der Take-That-Tour 2011 stand ich manchmal auf der Bühne, blickte auf meine Kumpel, sah die ersten grauen Haare, Augenringe, Falten, Bauchansätze – und war sehr glücklich, dass wir reifen Knaben das nach zwanzig Jahren voller Höhen und Tiefen noch mal hinbekommen haben.

Während der Tour fiel mir manchmal das Einschlafen schwer. Als wir vor zwei Jahren sechs Abende hintereinander in London spielten, versuchte ich, mich mit Hörbüchern im Bett zu entspannen. Das funktionierte sagenhaft gut. Mein persönlicher Einschlafhit ist Bill Brysons Eine kurze Geschichte von fast allem. Bryson hat eine so einlullende Stimme, dass ich immer innerhalb weniger Minuten wegdämmere.

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Inzwischen kommen meine kleinen Kinder oft mit zu Take-That-Konzerten. Am Anfang sind sie noch von den Menschenmassen überwältigt, die da zusammenkommen, aber spätestens nach der Hälfte der Show schlafen sie ein. Und träumen dann wahrscheinlich von aufregenderen Dingen.

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