Tom BuhrowJetzt muss er Zähne zeigen

Tom Buhrow ist neuer Intendant des WDR. Er übernimmt einen verlustreichen Sender und muss diesen gleich rechtfertigen. von Jana Gioia Baurmann

Tom Buhrow hat das amerikanische Servicelächeln drauf wie kaum ein anderer Fernsehmann hierzulande. Ein breites Lächeln, mit dem er auch bei Starbucks oder McDonald’s hätte Karriere machen können, eine Geste, ohne die es in den USA einfach nicht geht. Dass Lächeln auch im deutschen Fernsehen nicht schadet, beweist seine Wahl zum neuen WDR-Intendanten in der vergangenen Woche. 41 von 47 Stimmberechtigten wollten Tom Buhrow, den Amerikaner unter den deutschen Moderatoren. Buhrow hat versprochen, auf Augenhöhe zu kommunizieren, er will ein Intendant zum Anfassen sein. Einer, der seinen Mitarbeitern sagt, dass sie ruhig Fehler machen sollten, er wolle "keine Angstkultur, sondern Mut zu Experimenten". Auch das kann man im skeptischen Deutschland, noch dazu beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, für amerikanisch halten. "Ich liebe den WDR", sagte der Gerade-erst-Intendant schließlich noch – besser hätte es Präsident Obama auch nicht formulieren können.

Buhrow, der zwei Jahre lang in den USA zur Schule ging und später Washington-Korrespondent wurde, ist aber auch ein Kölsche Jung und ein Kind des WDR. Er volontierte in der größten ARD-Anstalt und gehörte fortan zum Heer der mehr als 4.000 festangestellten Mitarbeiter. 1,4 Milliarden Euro hat der WDR jedes Jahr zur Verfügung, laut aktuellem Haushaltsplan reichen die aber nicht, der Sender ist in den Miesen. Und dann ist da noch der neue Rundfunkbeitrag, von dem man nicht weiß, was er den Öffentlich-Rechtlichen wirklich bringen wird. Es wird wohl mehr Geld sein als früher. Das heißt aber auch, dass die Öffentlichkeit beruhigt werden muss. Oder anders: dass sich die Öffentlich-Rechtlichen werden rechtfertigen müssen – von jetzt an ist das auch Buhrows Job.

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Lächeln kann da helfen. Buhrow gilt als Kommunikator, und als solcher wird er auch gefeiert. Als Journalist sieht er sich in der Servicerolle. "Ich will nicht zeigen, wie schlau ich bin, ich will, dass du am Ende unserer tagesthemen schlauer bist. Ich mach’s für dich!", sagte er in einer Talksendung zu Moderator Thomas Gottschalk. Und als er 2005 gefragt wurde, was die Leute später von ihm sagen sollten, antwortete Buhrow: "Er war in Ordnung." Buhrow ist ein Meister des Understatements. Die einen schätzen diese Nahbarkeit, für andere ist Buhrow einfach nur nett, mehr im negativen Sinn. Damit hat er zu kämpfen. Buhrow suggeriert, Durchschnitt sein zu wollen, und will aber doch viel mehr. Nach seiner Wahl sagte er, der Intendantenjob habe nicht auf seiner Lebensplanungsliste gestanden. Abgelehnt hat er ihn trotzdem nicht.

Tom Buhrow, der eigentlich Thomas Buhrow heißt, wollte schon so einiges werden: Musiker ("nicht annähernd genug Talent"), Schauspieler (im weihnachtlichen Schulkrippenspiel durfte er den Josef jedoch nicht spielen), irgendeine Position in der Wirtschaft ("Die Mathenoten waren zu schlecht"). Also wurde er Journalist. Er begann in der Lokalredaktion des Bonner Generalanzeigers, studierte Politikwissenschaft und Geschichte, ging zum WDR. Dort arbeitete Buhrow zunächst als Reporter für das Regionalmagazin Aktuelle Stunde, noch heute ein Aushängeschild des Senders.

1993 ging Buhrow als Korrespondent nach Washington. Er kannte das Land von seiner Highschool-Zeit im Mittleren Westen. Eine Zeit vielleicht, in der aus Thomas Tom wurde. "Ich liebe Amerika", sagt Buhrow noch heute, er bezeichnet sich als "amerikanophil". Geht es um seine Vita, ist er spätestens nach drei Fragen gedanklich in Amerika, seine Zeit in Paris kommt dagegen selten zur Sprache. Von 2000 bis 2002 war er auch dort Korrespondent, soll sich aber nicht richtig wohl gefühlt haben. Also ging er zurück in die USA. Dann, 2006, wurde aus Tom Buhrow "Mister Tagesthemen", das Nachrichtenformat ist neben dem Tatort seine Lieblingssendung im deutschen Fernsehen. "Möge er Ihnen bald ein guter Freund werden", das waren die Abschiedsworte seines Vorgängers, Ulrich Wickert, an die Fernsehzuschauer. Nicht für alle wurde Buhrow der gute Freund, harsch war die Kritik: Er sei zu blass, zu nett, zu durchschnittlich. Buhrow konterte, ließ wissen, er glaube, dass nur die "Medien-Schickeria" ein Problem mit ihm habe, das Publikum aber nicht. Und er ergänzte: Man könne auch lächelnd böse Fragen stellen.

Als Intendant muss er die Zähne auch anders zeigen. Kritiker aus dem WDR-Umfeld bezeichnen ihn als Laiendarsteller, der keine Führungskompetenz habe. Wie auch. Buhrow hat ausschließlich Fernsehen gemacht und ausschließlich in der aktuellen Berichterstattung gearbeitet. Er weiß, wie man informiert, hat jedoch keine Erfahrung im Unterhaltungsfernsehen. Und er hat nie beim Hörfunk gearbeitet. Der WDR hat aber sechs Radiosender, dort arbeiten etwa so viele Journalisten wie beim Fernsehen.

Doch es gibt auch positive Stimmen. Gebhard Henke, Programmbereichsleiter für Fernsehfilm, Kino und Serie beim WDR, sagt: "Wir freuen uns, dass Tom Buhrow als ausgewiesener Tatort- Fan in seinem neuen Amt gleich drei sehr erfolgreiche WDR-Tatorte verantworten wird." Im vergangenen Jahr hatte Buhrow einen Gastauftritt im Kieler Tatort, solche Showeinlagen wird es in Zukunft wohl nicht mehr geben. Henke bedauert das.

Und Michael Kroemer, der früher im WDR-Rundfunkrat saß und seit 2000 Mitglied des Verwaltungsrates des WDR ist, sagt: "Buhrow führt die gute Tradition fort, dass beim WDR Journalisten die Intendanz übernehmen." In anderen ARD-Anstalten sei das ja anders. Zu Buhrows Konkurrenten, Jan Metzger, Intendant von Radio Bremen, und Stefan Kürten, Direktor bei der Europäischen Rundfunkunion, möchte Kroemer nichts sagen, nur so viel: "Dass Tom Buhrow mit einer solchen Riesenmehrheit gewählt wurde, war eine Überraschung."

Buhrows Vorgänger, das sind die Journalisten Monika Piel, Fritz Pleitgen und Friedrich Nowottny. Buhrow bezeichnet Pleitgen, der von 1995 bis 2007 die Geschäfte beim WDR führte, als sein Vorbild. Wie auch Buhrow kam er vom Fernsehen, wie auch Buhrow berichtete er aus den USA. Doch anders als Buhrow war Pleitgen bewusst als Intendant aufgebaut worden. Aus den USA holte man ihn zurück, zuerst wurde Pleitgen WDR-Chefredakteur, dann Hörfunkdirektor. Und schließlich Intendant.

Leserkommentare
  1. "1,4 Milliarden Euro hat der WDR jedes Jahr zur Verfügung, laut aktuellem Haushaltsplan reichen die aber nicht, der Sender ist in den Miesen."
    Die haben 1,4 Milliarden, rein zum verballern und kommen immer noch nicht damit aus ? Ich denke, sämtliche Liegenschaften und langfristigen Anlagengüter, dürften innerhalb der zwangsabgabenfinanzierten Jahrzehnte, wohl bezahlt worden sein !
    Die paar technischen Neuerungen kann man doch mit den Zinsen bezahlen ! Fragen wir doch mal die Griechen, wie die das gemacht haben !!!

    3 Leserempfehlungen
  2. ist doch egal, er hat den Job. Zur Not erhöht man die Gebühren.

    Eine Leserempfehlung
  3. Der ganze öffentlich Rechtl. Rundfunkt mit seinen 28.000 Möchte-Gern -Beamten mit Vollversorgung ist doch das Problem.

    Mit dem staatlichen Gewaltmonopol im Rücken die Untertanen schröpfen, könnte ich mir auch ein amerikanisches Lächen einüben.

    7 Leserempfehlungen
    • logan
    • 15. Juni 2013 21:47 Uhr

    wenn ich mir z.B. die einzelnen WDR Radio-Sender im laufe des Tages anhöre, so bringen sie redaktionell 70% redundante Inhalte. Ich brauche auch keine halbe Stunde Nachrichten und jeweils eine endlos lange Wettervorhersage. Das langweilt und verbreitet schlechte Stimmung. Auch ein Grund, warum ich kaum noch Radio höre. Alleine hier kann man mind. 50% aller Kosten sparen.

    Ein weiterer Einsparquelle sind die Sendungen aktuelle Stunde und Lokalzeit: auch hier 70% gleiche Inhalte. Wieder mind. 50% gespart. Und dann wären noch die vielen Wiederholungen, die ein volles Programm suggerieren aber auf keinen 1,4 Mrd. Budget.

    Und... es ist ein Unding, dass ein Angestellter des ÖR der seit dem 01.01.2013 nur durch quasi-Steuern finanziert wird, mehr verdient, als die höchsten Amtsträger der Bundesrepublik.

    7 Leserempfehlungen
    • Kauri
    • 16. Juni 2013 10:10 Uhr

    .....ändern grundsätzlich nichts daran, dass das System überholt ist. Das deutsche Rundfunksystem ist der klassische Fall von Grossorganisationen, die ohne Output zu bringen, genug damit zu tun haben sich selbst zu verwalten.
    Mit der verfassungsrechtlichen Garantie im Rücken lässt man sich es richtig gut gehen.
    Die eigentliche Arbeit wird von den sog. "Freien" gemacht.
    Ich hatte vor zwölf Jahren einmal die Gelegenheit am Freitag Nachmittag durch die Büros des WDR zu laufen, weil ich mit einem Redakteur verabredet war. Ich habe selten am Tage eine solche gespenstische Leere in einem Riesen Bürokomplex vorgefunden.
    Unabhängig von der Tatsache, dass man sicher ein Informationssystem braucht, dass nicht privaten oder einseitig politischen Interessen unterworfen ist: So "ausbeuterisch" braucht man es gewiss nicht. Die Sender haben sich mit der Finanzierungsumstellung keinen Gefallen getan. Es kam jetzt vieles an die Oberfläche, was sonst im Stau um die GEZ-Abneigung steckte. Allein die Änderung der Bezeichnung von GEZ zu Beitragsservise ist sublim. Genauso falsch ist der von Herrn Schönenborn kreierte Begriff der Demokratie-Abgabe, die unsere Zwangsgebühren wohl darstellen. Das ist das Unwort des Jahres! Wer keinen TV hat, bzw. kaum TV schaut, der kann wohl nicht guten Gewissens ein guter Demokrat sein? Ich lese regelmäßig 5 überregionale und teils internationale Zeitungen. Ich brauche das ÖR mit seinem Trash nicht! Wer eigentlich?

    5 Leserempfehlungen
  4. zeigt das öff.-recht. Fernsehen, wie das zwangsabgepresste Geld an die Protagonisten des privaten Trash-TV verschleudert werden. Mit der Einladung der Geissens wurde beispielsweise nun ein Niveau erreicht, für das man die nach unten offene Skala nochmals erweitern musste.

    2 Leserempfehlungen
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    Es ist nicht das Geld, sondern es sind die Gelder die verschleudert "werden".

  5. Es ist nicht das Geld, sondern es sind die Gelder die verschleudert "werden".

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