Der Trädgården-Club © Moa Karlberg/Kontinent/laif für DIE ZEIT

DIE ZEIT: Jakob, freuen Sie sich schon auf Mittsommer?

Jakob Grandin: Unbedingt. Ich überlege, dieses Jahr in New York zu feiern. Wir haben dort gerade eine Dependance eröffnet, und es gibt die Idee, die neuen Räume mit einer ordentlichen schwedischen Mittsommerparty einzuweihen.

ZEIT: Schade, ich hatte gehofft, Sie könnten uns ein paar Tipps für Stockholm geben.

Grandin: Mittsommer in Stockholm City? Da muss ich Sie enttäuschen. Die meisten Schweden fahren an diesem Tag mit Freunden oder Verwandten aufs Land. Wir fangen recht früh mit dem Trinken an, so gegen Mittag, wir grillen, singen diese alten schwedischen Lieder und tanzen bis spät in die Nacht um einen Mittsommerbaum, der oft die Form eines Phallus hat. Wenn man genug Alkohol im Blut hat, findet man das überhaupt nicht albern. Auch Sackhüpfen und Eierlaufen sind an diesem Tag sehr beliebt.

ZEIT: Klingt lustig. Aber was machen die Leute, die nicht aufs Land fahren wollen?

Grandin: Es hat immer wieder Versuche gegeben, in Stockholm öffentliche Partys zu veranstalten, das hat aber nie geklappt. Mittsommer ist ein sehr privates Fest, wie der Heilige Abend, nur ausgelassener. Auch unser Club Trädgården ist geschlossen. Für mich ist der Tag eine Verschnaufpause, bevor die Sommersaison richtig losgeht.

ZEIT: Haben Sie im Sommer viel zu tun? Wenn es wochenlang nicht richtig dunkel wird, kann man sich ein ernst zu nehmendes Nachtleben nicht so richtig vorstellen.

Grandin: Solange die Sonne scheint, sind die wenigsten Menschen in Tanzlaune, sie trinken ein bisschen, hängen rum, und wenn die Sonne auch nachts scheint, hängen sie auch nachts rum. Für einen Club wie Trädgården ist das tödlich. Er liegt, ziemlich urban, unter einer riesigen Autobrücke, es gibt Tischtennisplatten, eine schöne Freiluftbar. Aber unsere fünf Dancefloors – drinnen und draußen – dürfen nicht leer bleiben. Um die Leute daran zu gewöhnen, bei Tageslicht zu tanzen, haben wir schon am Nachmittag die Regler aufgedreht, die Nebelmaschine angemacht und richtig harten Techno gespielt. Das hat am Anfang für Irritation gesorgt: "Hey, was ist das denn? Die Sonne brennt mir in den Augen, und ich stehe hier im Nebel und tanze." Inzwischen läuft das super.

ZEIT: Und hat offenbar in der ganzen Stadt Schule gemacht. Seit Neuestem sollen die Stockholmer sogar in ihrer Mittagspause mal für eine Stunde tanzen gehen. Molly Ränge, die Erfinderin des "Lunchbeat" hat vergangenes Jahr versucht, ihre Idee in andere europäische Städte zu exportieren. Hat aber nicht so gut funktioniert.

Grandin: Vielleicht stimmte der Rahmen nicht. Meine Erfahrung ist: Wenn du die richtige Atmosphäre herstellst, haben die Leute immer Lust zu tanzen.

ZEIT: Sie auch?

Grandin: Ich tanze leider nur noch auf Reisen. In Schweden bin ich dazu nicht entspannt genug. Nachtleben ist ja mein Beruf. Ich muss total wach sein, schauen, wer was macht, was gerade das nächste große Ding ist.

ZEIT: Und wenn Sie mal frei haben?

Grandin: Dann fahre ich mit ein paar Freunden und einer guten Flasche Wein in die Schären, irgendwann trudeln wir in die Stadt zurück, essen was Kleines, nehmen noch einen Drink im Gondolen, einer tollen Bar in einer alten Gondel über der Hafeneinfahrt. Die Sicht ist fantastisch, und die Cocktails sind es auch. Danach landen wir oft im Berns.