Banken : Immer Ärger mit dem Dispo

Wie ein ZEIT-Artikel zu Überziehungszinsen Tausende Leser zu Kollaborateuren werden ließ
Bankkundin in Bonn © Wolfgang Von Brauchitsch/Bloomberg/Getty Images

Das ist Wucher, so hieß der Wirtschaftsaufmacher in der vergangenen Ausgabe der ZEIT. Anscheinend traf er den Nerv der Leser. Angeprangert wurden darin die unanständig hohen Dispo-Zinsen der Banken. Während diese sich Geld fast zum Nulltarif besorgen können, erreichen die Überziehungszinsen für ihre Kunden Höhen von über 15 Prozent.

Auf ZEIT ONLINE diskutierten daraufhin Hunderte Leser über das intransparente Geschäftsgebaren der Banken. Sie erzählten von ihren persönlichen Erfahrungen, ärgerten sich über Bankberater und die Politik. Manche Leser verteidigten ihre Bank aber auch vehement und sahen die Kunden in der Verantwortung: Selbst schuld, wer sich abzocken lässt.

Die Bankwirtschaft antwortete auch. So sah sich der Sparkassenverband als Vertreter der Kreditwirtschaft zu einer Stellungnahme genötigt. In der Online-Diskussion verteidigte eine Sprecherin die aktuellen Geschäftspraktiken der Banken. Sie seien unter anderem den höheren Ausfallrisiken im Dispo-Bereich geschuldet. Trotz mehrmaligen Nachhakens wollte sie dies allerdings nicht mit Zahlen belegen.

Währenddessen reagierten die Leser sehr positiv auf unsere Aufforderung zum Mitmachen. Wir hatten Sie gebeten, uns mitzuteilen, wie hoch Ihr persönlicher Dispo-Zins ist – und wiederholen das in dieser Woche noch einmal. Auf diese Weise wollen wir für mehr Transparenz in dem Geschäftsfeld sorgen. Bislang verschwinden die Dispo-Zinsen oft im Kleingedruckten, die Banken sind wenig auskunftsfreudig. Das zeigte auch im vergangenen Jahr der Versuch der Stiftung Warentest, selbst eine Dispo-Zins-Tabelle zu erstellen. Zwei Drittel der angefragten Finanzinstitute verweigerten die Auskunft. Am Ende konnte das Testmagazin viele, aber bei Weitem nicht alle Zinssätze ermitteln.

Umso wichtiger die Leserreaktion: Bis Redaktionsschluss umfasste die Übersicht bereits mehr als 5.500 Datensätze. Es ist die bislang größte und erfolgreichste sogenannte Crowd-Sourcing-Aktion von ZEIT und ZEIT ONLINE. Mehr als 90 Prozent der Daten, das zeigt ein erster Überblick, sind verwertbar. Auch das ist ein extrem hoher Wert.

In den kommenden Wochen werden die Daten ausgewertet: Welche Banken kassieren von ihren Kunden die höchsten Zinsen? Gibt es regionale Unterschiede, verlangen etwa Sparkassen und Volksbanken auffällig andere Zinssätze als deutschlandweit tätige Privatbanken? Und variieren die Banken gar nach Einkommenssituation der Kunden? Wie kalkulieren Banken mit vergleichsweise niedrigen Zinsen? Und was können die Hochzins-Banken von ihnen lernen?

Die Spannung bleibt – wenigstens bis zum nächsten Artikel.

Wie hoch ist Ihr Dispo-Zins? Hier kommen Sie direkt zum Teilnahmeformular.

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