Dieser Film ist eine echte Mutter-Sohn-Geschichte. Wie sollte es auch anders sein, wo es doch um die Jungfrau Maria geht. Ein Sohn dreht einen Dokumentarfilm, der der Mutter nicht in den Kram passt, der am Ende aber nur dank ihrer tatkräftigen Unterstützung vollendet wird. Bis dahin kabbeln sich Mutter und Sohn vor laufender Kamera, sie sticheln, sie drohen, sie tarnen und täuschen auf liebenswürdigste Weise und verstricken sich dabei immer mehr und immer konstruktiver in diesen Film, der eine psychosoziale Eigendynamik entfaltet, an deren Ende beide einen ganz neuen Zugang zu ihrer eigenen Familiengeschichte finden.

Namir Abdel Messeeh, Jahrgang 1974, ist der Sohn ägyptischer Kopten, die 1973 nach Frankreich ausgewandert sind. Messeeh ist ein typisch westlicher Agnostiker, Religion ist für ihn Hokuspokus. Die Eltern sind stolze Kopten, die sich für die wahren Erben des pharaonischen Ägyptens halten. Die Mutter, eine erfolgreiche berufstätige Frau, geht zwar kaum mehr in die Kirche, aber was ihren Marienglauben betrifft, duldet sie keine Zweifel. Sie ist überzeugt, dass 1968 in Kairo der gläubigen Menge die Heilige Jungfrau erschienen ist, schwebend neben der koptischen Marienkirche Zeitoun, von Tauben umflattert.

Namir verdreht nur die Augen, wenn die Rede auf das Marienwunder kommt. Aber weil er Dokumentarfilmer ist, hat er sich vorgenommen, dieser koptischen Marienfrömmigkeit mit der Kamera auf den Grund zu gehen und nach Ägypten zu reisen, um mit Zeugen der damaligen Marienerscheinung zu reden. Worüber nun wiederum seine Mutter nur die Augen verdrehen kann. Auch sein Vater reagiert genervt auf das Filmprojekt seines Sohnes: "Die einen", so nimmt er die Ergebnisse fatalistisch vorweg, "werden sagen, sie hätten die Jungfrau gesehen, die anderen werden es bestreiten, was soll das bringen?"

Auf einer alten Videoaufzeichnung sieht man gläubige Kopten, wie sie mit weit aufgerissenen Augen zum Himmel schauen. Ergriffene Gesichter, die Jungfrau selbst aber ist nur als diffuser Lichtkegel zu sehen, von dem manche behaupten, darin das gütige Antlitz der Muttergottes zu erkennen...

Aber auch Namir ist ein Kindskopf, der wie ein Vulgäratheist nur das als wahr akzeptieren möchte, was mit den Mitteln der Vernunft – und das heißt für ihn: mit der Kamera – bewiesen werden kann. Er erinnert ein bisschen an den sowjetischen Kosmonauten Gagarin, der nach seinem Weltraumausflug erklärte, er habe keinen Gott gesehen.

"Ich werde nicht in deinem Film mitspielen, es sei denn, du bezahlst mich", erklärt die Mutter gleich am Anfang resolut. Sie ahnt, dass ihr Sohn mal wieder mit so einem komischen Filmprojekt um die Ecke kommt, bei dem am Ende die Familienehre auf dem Spiel steht. Aber sie kennt ihn zu gut, um zu wissen, dass sie ihn nicht daran hindern kann. Nur eines muss er ihr versprechen: Wenn er nach Ägypten reist, darf er keine Aufnahmen ihrer Familie machen, die dort immer noch in ärmlichen, bäuerlichen Verhältnissen auf dem Land lebt.

Plötzlich geht es ihr gar nicht mehr darum, ihre Ehre als gläubige Koptin zu retten, sondern sie schämt sich für die Armut, der sie selbst entflohen ist. Sie möchte nicht, dass ihre analphabetische ägyptische Verwandtschaft im Film ihres Sohnes auftaucht, als wäre das für die erfolgreiche Auswandererfamilie ein peinlicher Makel.