DIE ZEIT: Herr Romer, vom 2. bis 7. Juli sind in Leipzig die WorldSkills. Was genau passiert da?

Hubert Romer: Junge Fachkräfte aus 53 Ländern schreinern, schweißen, montieren und frisieren tagelang um die Wette. Die Zuschauer können auch mitmachen und zum Beispiel selbst mal ausprobieren, Fliesen zu legen.

ZEIT: Wie werden die Teilnehmer bewertet?

Romer: Eine Abordnung der Jury beurteilt ihre Leistungen nach den Kriterien Qualität, Zeit und Kreativität. Je nach Beruf dauert die zu lösende Aufgabe ein bis vier Tage – die Landschaftsgärtner arbeiten zum Beispiel an einem Großprojekt.

ZEIT: Wie sieht so etwas aus?

Romer: Sie entwerfen einen Garten. Es wird geplant, Rasen geschnitten, Hoch-, Kräuter- und Blumenbeete werden angelegt, Brunnen oder Wasserspiele gebaut.

ZEIT: Sind Berufe wie Gärtner oder Koch denn international vergleichbar? Spielt da nicht auch regionaler Stil oder Geschmack eine Rolle?

Romer: Experten aus der ganzen Welt haben die Standards erarbeitet, sodass Eigenheiten aller Länder in die Bewertung einfließen. Bei den Berufen, die Holz verarbeiten, wurden zum Beispiel verschiedene Sägeformen in den Wettkampf aufgenommen: Stichsägen, Bausägen oder Japansägen. Die werden in verschiedenen Ländern genutzt – je nach Verarbeitungsstil und Holzsorte.

ZEIT: Wie werden die Teilnehmer ausgewählt?

Romer: Jedes Land ermittelt seine Kandidaten für sich – etwa durch Wettkämpfe auf Landes- und dann Bundesebene. Die Teilnehmer sind in ihrer Meisterausbildung und nicht älter als 22 Jahre. Hinter der Altersbeschränkung steckte mal ein idealistischer Gedanke. In den fünfziger Jahren meinte man, wenn Jugendliche in solchen Disziplinen miteinander wetteifern, kommen sie nicht auf die Idee, Kriege gegeneinander zu führen. Heute bieten die WorldSkills eine einzigartige Möglichkeit für den internationalen Vergleich von Bildungssystemen. Und die Teilnehmer können auch viel voneinander lernen.

ZEIT: Worin sind die Deutschen besonders gut?

Romer: Sie zeichnen sich durch Genauigkeit aus. Aber auch durch Kreativität. Wenn ein unvorhersehbares Problem auftritt, suchen sie sofort nach Lösungen, während andere Teilnehmer, die vor allem Abläufe trainiert haben, da hängen bleiben können.

ZEIT: Haben Sie so ein unerwartetes Problem schon mal miterlebt?

Romer: Ja, bei den WorldSkills im kanadischen Calgary 2009. Der deutsche Möbelbauer hatte den Plan falsch interpretiert und zunächst alles spiegelverkehrt gebaut. Als er das bemerkte, ist er ausgerastet und von der Bildfläche verschwunden. Aber am nächsten Tag hat er sich mit irrem Eifer seiner Aufgabe gewidmet und am Ende sogar eine Medaille gewonnen. Das hat mich beeindruckt.