Karl Lauterbach : Angreifen, nachgeben, fertigmachen

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach ist Gesundheitsexperte und macht seit Jahren Kampfsport. Peer Steinbrück hat ihn in sein Kompetenzteam geholt. Wenigstens ist da schon mal einer, der kämpfen kann.

Tut gar nicht weh", ruft es aus dem Schwitzkasten. Dann liegt der Professor Dr. med. Dr. sc. auf dem Boden, die Haare verstrubbelt, eine Schürfwunde an der Schulter, blaue Flecken am Arm. Der Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach hat beim Besuch der Polizeiwache Mülheim I in Köln am Kampftraining teilgenommen. Normalerweise schauen Politiker bei so etwas nur zu und klopfen den Polizisten anschließend auf die Schultern. Ein halbwegs einsatztauglicher Politiker, das erlebe man nicht alle Tage, stellt der Übungsleiter anerkennend fest.

Mülheim ist Lauterbachs Wahlkreis. Um die Ecke von seinem Bürgerbüro liegt die Keupstraße, auf der einer der Anschläge des NSU stattfand, es gibt viele türkische Mittelständler hier, aber auch dubiose Banden. Die Polizisten trainieren Wing Tsun, um für Ordnung im Viertel zu sorgen. Lauterbach beackert den Wahlkreis üblicherweise mit anderen Mitteln. Dass er selbst seit Jahren Wing Tsun, eine chinesische Kampfkunst, trainiert, ist trotzdem hilfreich.

Abgesehen davon, dass man sich mit Wing Tsun im Ernstfall eher als mit Karate oder Judo in einer Kneipenschlägerei durchsetzen kann, beruht es auf Prinzipien, die auch in der Politik brauchbar sind: Nutze die Kraft deines Gegners. Füge deine eigene Kraft hinzu. Es ist eine Kampfsportart, mit der man auch körperlich überlegene Gegner besiegen kann.

Man unterschätzt ihn leicht

Lauterbach, 50, spitzes Kinn, hohe Stirn, Brille sieht nicht sehr gefährlich aus, man unterschätzt ihn leicht. Aber Lauterbach kann Rivalen kaltblütig auflaufen lassen und Gegner matt setzen. Deshalb ist der Rheinländer Mitglied im sogenannten Kompetenzteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, als Experte für Gesundheit. Lauterbach ist einer der wenigen, die wirklich wegen ihrer Kompetenz dabei sind.

Der Mediziner hat sich lange auf den Job vorbereitet, er hat trainiert, hat nachgegeben und ist vorgestoßen. Nun könnten die Prinzipien des Wing Tsun zur Anwendung kommen: Ist der Gegner zu stark, gib nach. Zieht er sich zurück, folge ihm. Die Methode ist klar. Die einzige Sache, die noch etwas unklar ist: Wer ist der Gegner?

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Kommentare

55 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

@ 19. doch eigentlich lustig

"..,da es halt stimmt..
da die meisten Leser hier verbeamtet sind und auch morgens um 10 00 kommentieren (ich bin student)..ist halt was dran" (Zitat Ende)

Soso, Student? An Ihrem Satzbau ist das nicht unbedingt zu erkennen.
Aber dann werden Sie Ihre alberne Aussage sicherlich durch eine repräsentative (wissentschftlich fundierte) Umfrage über die ZEIT-Leserschaft belegen können?

Wirtschaftlichkeit der Privaten

Für die Privaten lohnt sich die Rechnung vor allem, weil besser Verdienende seltener erkranken und dementsprechend weniger Kosten verursachen. Auf der anderen Seite bezahlen sie die Ärzte besser, was halt dazu führt, dass Privatversicherte bevorzugt behandelt werden. Man will ihn ja auch nicht als Patient verlieren...

Die Rechnung, dass Praxen nur mit gesetzlich Versicherten rentabel sind ist höchst fragwürdig. Ich selbst arbeite in einer der größten Einzelpraxen in BW und weiß, dass z. B. bei dem Regress von 2011 über 900.000€ (zu viele Patienten behandelt, jetzt sollen die Ärzte für die Medikamente der gesetzlich Versicherten aus dem privaten Geldbeutel zahlen) wirklich unmögliche Dinge von der KV vorgeschlagen wurden. U.a. schlägt die KV vor anstatt zugelassene und wirksame Medikamente zu verschreiben Zahnpasta auf entsprechende Hautpartien aufzutragen. Klar, dann wird die Praxis wieder rentabler wenn ich einfach nur Omas Hausmittelchen (Evidenz ist dann erstmal nicht so wichtig) "verschreibe". Ob die Patienten dann aber noch kommen ist mehr als fragwürdig.
Viel kritischer noch ist jedoch die Situation der Landärzte, dort kommt zu den geringen Bezahlungen oftmals noch weite Wege für Hausbesuche hinzu. Ein Stundenlohn von 5 Euro und weniger ist dann schnell erreicht. Und die Politik wundert sich weiterhin warum das Interesse daran so gering ist...