Pisa-StudieDas Geheimnis hinter dem Pisa-Erfolg

Warum deutsche Schüler 2009 besser lesen konnten als im Jahr 2000. von 

Konnten Schüler laut der Pisa-Studie im Jahr 2009 besser als im Jahr 2000: Lesen.

Konnten Schüler laut der Pisa-Studie im Jahr 2009 besser als im Jahr 2000: Lesen.  |  © Patrick Pleul/dpa

Bildungspolitik kann etwas bewirken! Diese frohe Botschaft kann man aus einer aktuellen Studie von Forschern um den Erziehungswissenschaftler Eckhard Klieme vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (Dipf) in Frankfurt/Main und seinen Lüneburger Kollegen Timo Ehmke herauslesen.

Die Bildungsforscher haben Antwort auf eine Frage gesucht, die Experten seit Langem beschäftigt: Warum sind die deutschen Schüler im Laufe der verschiedenen Pisa-Studien besser geworden?

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Mit der Pisa-Studie (Programme for International Student Assessment) werden weltweit die Leistungen der 15-Jährigen verglichen; seit dem Jahr 2000 im Abstand von drei Jahren.

Im Jahr 2009 nun lag die Leistung der deutschen Schüler in der wichtigsten Kompetenz, dem Lesen, deutlich über der ihrer Altersgenossen im Jahr 2000. Darüber haben sich alle gefreut, blieben aber ratlos zurück, was die Ursachen angeht. Die Bildungsforscher haben nun mithilfe komplizierter Modellrechnungen drei mögliche Gründe für die besseren Schülerleistungen herausgefunden.

Erstens: Die 15-Jährigen des Jahres 2009 sind in ihrer Schulkarriere durchschnittlich zwei Monate weiter als ihre Altersgenossen des Jahres 2000. Der Anteil der Achtklässler unter ihnen ist gesunken, hingegen besucht ein größerer Teil von ihnen schon die zehnte Klasse. Erreicht wurde das dadurch, dass die Kinder in mehreren Bundesländern früher eingeschult wurden und seltener sitzen geblieben sind.

Zweitens: Im Jahr 2009 besuchten mehr 15-Jährige das Gymnasium als im Jahr 2000, ihr Anteil ist von 28 auf 34 Prozent gestiegen, während der Anteil der Hauptschüler abgenommen hat – und Gymnasiasten sind im Durchschnitt leistungsfähiger als andere Schüler.

Drittens: Die Einwandererkinder setzen sich im Jahr 2009 anders zusammen als 2000. Sie leben im Durchschnitt länger in Deutschland und – besonders wichtig – sprechen zu Hause häufiger Deutsch als ihre Vorgänger.

Der Großteil der Leistungssteigerung – 80 Prozent – lässt sich auf diese drei Gründe zurückführen. Über alle kann man sich freuen. Zudem sind die ersten beiden ein Erfolg der Bildungspolitiker: Viele Kultusminister haben nach dem sogenannten Pisa-Schock vor gut zehn Jahren gezielt das Einschulungsalter und die Zahl der Sitzenbleiber gesenkt.

So erfreulich das ist, bleibt aber eine Frage: Haben der Unterricht oder die Unterstützung durch das Elternhaus dabei keine Rolle gespielt? Hier widerspricht Eckhard Klieme. "Dass weniger Kinder sitzen bleiben und mehr aufs Gymnasium gehen, ohne dass der Leistungsstand dort sinkt", sagt er, "kann sehr wohl seine Ursache in besserer Förderung haben."

Wie man die Schüler zu besseren Leistungen führt, zeigt erstmals eine andere Untersuchung, an der Eckhard Klieme beteiligt ist: durch die sogenannte interne Evaluation von Schulen. Dabei bewerten die Lehrer einer Schule, oft auch die Schüler und Eltern, nach eigenen Kriterien ihre Arbeit.

Für diese Studie wurde die Entwicklung an 59 Gymnasien verglichen, die sowohl 2000 als auch 2009 an der Pisa-Studie beteiligt waren.

Interessant: Die interne Evaluation hatte bei diesen Schulen einen stärkeren Effekt als die sogenannte externe Evaluation, bei der die Schulen durch Fachleute von außen, etwa Schulinspektoren, überprüft wurden.

"Vermutlich liegt das daran, dass die interne Evaluation viel mehr Engagement und eigenes Nachdenken erfordert", sagt Eckhard Klieme.

Auf Thomas Kerstan antwortet am Samstag der Bildungsforscher Hans Brügelmann.

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Leserkommentare
  1. 3 Leserempfehlungen
  2. ... eine vereinfachte ( geschönte ) Betrachtung durch Beflissene und eine eindimensionale Politiksicht nur noch lächerlich wirkt. Wir brauchen nichts mehr zu lernen, die Ergebnisse werden nur noch durch entsprechend gestaltete Tests und Evaluationen erzeugt. Lang und hoch lebe der schöne Schein, das dünne Brett und die Kultusbürokratie!

    3 Leserempfehlungen
  3. Zunächst einmal sollte PISA grundsätzlich nicht überbewertet werden da der Test als internationales Vergleichsinstrument mehr als fragwürdig ist. Zudem lassen sich die ersten beidem Punkte auch etwas anders formulieren. Dass heutzutage mehr 15-jährige die 10. statt die 8. Klasse besuchen mag positiv klingen, geht aber ganz klar auf Kosten des Kind seins. Es ist nicht allzu lange her, dass G8 für einen großen Aufschrei in der Bevölkerung gesorgt hat. Außerdem geht der Trend mittlerweile dahin, dass Kinder bereits mit 5 Jahren eingeschult werden. Zu Punkt zwei lässt sich zumindest sagen, dass die schwindende Zahl der Hauptschüler besonders damit zusammenhängt, dass diese Schulart erstens, in den letzten Jahren eine regelrechte Stigmatisierung als "Schule der Erfolglosen" erfahren musste, zweitens die Hauptschule mehr und mehr den neuen Realschulsystemen weichen muss. Zumindest in Rheinland-Pfalz gilt das Projekt Realschule Plus seit diesem Jahr als gescheitert unter anderem eben weil viele Schüler die eigentlich auf eine Hauptschule gehören auf der Strecke bleiben. Wenn das der gerechtfertigte Preis für ein besseres Abschneiden bei fragwürdigen Vergleichswettbewerben sein soll, nunja, jeder sollte selber urteilen.

    2 Leserempfehlungen
  4. Natürlich hat "teaching for the test" daran üüüüüüberhaupt keinen Anteil.

    Eine Leserempfehlung
    • wauz
    • 21. Juni 2013 16:17 Uhr

    der PISA-test misst das Können von 15-Jährigen anhand etlicher Aufgaben. Dazu gehören eben auch Leseverständnis, praktische Anwendung mathematischer Grundkenntnisse und lauter solche Dinge, die früher NIE von den Schulen selbst getestet wurden. Klassisch werden an deutschen Schulen über die Abfrage von Wissen Noten gebildet.
    Jetzt stellt sich die Frage: sind die Fähigkeiten der deutschen 15-Jährigen insgesamt besser geworden, oder werden ise inzwischen einfach auch Aufgaben des "PISA-Typs" trainiert? Dazu kommt auch die Frage nach der Qualität der Stichproben. Es können nicht alle Schüler den tests unterzgen werden (100%-Kontrolle) daher muss man Stichproben ziehen. Da wir von anderen tests und auch von PISA-Test schon wissen, dass die soziale Verortung der Schüler massiven Einfluss hat, muss man die Stichproben entsprechend konstruieren. Das heißt auch, man kann PISA-Tests allein schon durch Auswahl der zu testenden Schulen manipulieren.
    Aus den verschiedenen Testjahren kann man vielleicht Veränderungen herauslesen, aber man kann keine Ursachen dafür aus den Tests feststellen. Die Tests beziehen sich alleine auf das Leistungsvermögen der Schüler und können daher nur sehr wenig über die Methoden aussagen.
    Im Artikel ist nicht davon die Rede, dass diese hier vorliegende Studie den Faktor Nachhilfe wahrgenommen hätte. Wenn nicht, dann ist diese Studie tatsächlich nicht aussagekräftig. Oder, um es mal kräftig zu sagen, für'n Arsch...

    Eine Leserempfehlung
  5. "Dass weniger Kinder sitzen bleiben und mehr aufs Gymnasium gehen, ohne dass der Leistungsstand dort sinkt."

    Dass es einen eindeutigen Niveaulimbo bei den Anforderungen gibt, wurde zuletzt 2010 bewiesen. Dort wurde Schülern eines Biologie-Leistunskurses der 9. Klasse die (unbekannte) Abiturprüfung des letzten Jahres vorgelegt. Von den 27 Neuntklässlern erreichten 23 die Notenstufen 1 bis 4. Neuntklässler!
    http://bildung-wissen.eu/...

    Und zwar, weil fachliches Wissen zugunsten der "Lesekompetenz" in den Hintergrund rückt. Und diese Kompetenz -die ja auch Thema der Evaluationen ist, Fachwissen oder Verständnis wird ausdrücklich NICHT getestet- ist in den letzten Jahren natürlich massiv forciert worden. Deswegen schneiden wir jetzt besser ab.

    Fünfzehnjährige Biologieschüler würden ohne entsprechenden Text ein Nashorn zwar nicht von einer Albinoratte unterschieden können und beide den Vögeln zuordnen, aber dafür sind sie bei den teuer finanzierten PISA-Tests besser. Hurra!

    Dass es aber auch früher nicht zum Besten stand mit der intellektuellen Leistungsfähigkeit, erkennt man daran, dass Figuren wie Eckhard Klieme als "Bildungsexperten" betrachtet werden...

  6. Zitat: "Drittens: Die Einwandererkinder setzen sich im Jahr 2009 anders zusammen als 2000"

    Vorsicht, vermintes Gelände!

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  • Schlagworte Schule | Pisa-Studie | Schüler | Studie | Unterricht | Gymnasium
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