Katja Kraus"Ohne Macht ist man mehr Mensch"

Katja Kraus war Fußballmanagerin beim HSV, vor zwei Jahren musste sie gehen. Dann schrieb sie ein Buch: Über Macht von 

ZEITmagazin: Frau Kraus, Sie waren acht Jahre im Vorstand des Hamburger Sport-Vereins. Als Ihr Vertrag 2011 nicht verlängert wurde, änderte sich Ihr Leben. Sie haben dann für ein Buch mit vielen Leuten gesprochen, die einst in Top-Positionen waren – von Ron Sommer bis Ole von Beust. Was macht der Verlust von Macht mit einem Menschen?

Katja Kraus: Solange man die Macht hat, ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle oft sehr theoretisch. Dass die Macht nur auf Zeit verliehen ist, dass man nicht als Mensch gemeint ist, sondern nur die Funktion: Das sind Lehrsätze, die jeder verinnerlicht hat. Aber erst, wenn man Macht verloren hat, spürt man, was genau das meint.

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ZEITmagazin: Haben Sie sich in dem, was Ihre Gesprächspartner erzählten, wiedererkannt?

KATJA KRAUS

42, ist in Offenbach geboren. Sie studierte Germanistik und Politik und war zunächst selbst Profifußballerin und Torhüterin der Frauen-Nationalmannschaft. Sie ist die einzige Frau, die jemals im Vorstand eines Bundesligaclubs arbeitete. Ihr Buch "Macht" ist vor Kurzem im Fischer Verlag erschienen

Kraus: Ich wollte wissen, wie meine Gesprächspartner Erfolg und Misserfolg erlebt haben, wie sehr sie ihre Rolle reflektieren. Wie sie mit Zweifeln und Unsicherheiten umgehen und auch mit dem Lebensbruch, in den stillen Momenten. Dabei habe ich viele sehr individuelle Geschichten gehört, aber auch manches, was mir vertraut war. Und es gab überraschende Entdeckungsmomente.

ZEITmagazin: Welche waren das?

Kraus: Ich fand erstaunliche Übereinstimmungen: zum Beispiel, dass die Menschen, die einem nach dem Bruch begegnen, allesamt freundlich und unterstützend sind. Die Egalität nach dem Fall wirkt offenbar tröstlich. Ron Sommer beschreibt die neu entstandene Nahbarkeit, indem er bekennt: Ohne Macht ist man mehr Mensch.

ZEITmagazin: Wenn Sie zurückblicken: Was mögen Sie an der Managerin Kraus heute nicht mehr?

Kraus: Dass ich mich zu oft habe mitreißen lassen. Dass es mir in der Überhitzung nicht gelungen ist, zu relativieren, die Deutungshoheit zu behalten. Die Fußballbranche ist faszinierend und zugleich extrem überdreht. Das ist eine Verlockung und eine Gefahr für die handelnden Personen. Gerade für die Spieler, die noch sehr jung sind und ständig von allen Seiten ihrer Bedeutung versichert werden. Da ist es leicht, vom System korrumpiert zu werden und an die eigene Größe zu glauben, auch wenn es sich im Inneren anders anfühlt. Wenn man sich in diesem Gefüge bewegt, bekommt man tatsächlich das Gefühl, Fußball sei die bedeutendste Sache der Welt. Wobei ich zugebe: Wenn ich in einem ausverkauften Stadion stand, und das Spiel brachte eine ganze Stadt zum Pulsieren – für all die Emotionalität und diese verbindende Energie mitverantwortlich zu sein, das waren schon sehr berührende Momente.

Leserkommentare
    • x24
    • 16. Juni 2013 14:21 Uhr

    welches ich garantiert nicht lesen werde. Heute muss offenbar jeder irgendein Buch veröffentlichen. Ohne Macht ist man also mehr Mensch? Das halte ich für großen Blödsinn. Genauso könnte man behaupten, ohne Jacke ist man mehr Mensch oder ohne Füße.

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    tiefgehenden Kritik. Sie werden das Buch also nicht lesen. Ok. "Ohne Macht ist man also mehr Mensch? Das halte ich für großen Blödsinn." Wie wäre es, wenn Sie dies argumentativ widerlegen? Man könnte problemlos dafür halten, dass Menschen mit einer gewissen Machtfülle Gefangene in ihrem sehr eigenen, kleine Mikrokosmos sind, seien es nun hohe Sportfunktionäre (die leicht den Realitätsbezug verlieren, wie Korruptionen zeigen), seien es Politiker (die ab und an Schwierigkeiten haben, nach ihrer Amtszeit den richtigen Ton zu treffen) oder andere xbeliebige Personen, die in ihrem Arbeitsbereich über Macht verfügen. Auch die entstehende Leere danach ist nicht verwunderlich (arbeitslose Fußballtrainer, die früher Stars waren, können ein Lied davon singen). Ohne diese Machtstellung müssen diese Menschen anderen Menschen im Alltag ganz normal begegnen, sich selbst Frühstück einkaufen etc. Es sind viele kleine alltägliche Dinge und darum wäre es schön, wenn Sie nachvollziehbar begründen, warum die These "Blödsinn" ist. Gerade aus dem Emotionssoziologischen Ansatz lässt sich problemlos ableiten, dass Emotionen nach Machtabgabe leichter wieder ausgelebt werden können. Man könnte auch mit Rollenkonflikten argumentieren.
    Und um mit polemischer Plattheit zu schließen, wie Sie mit eben jener Ihren Kommentar begannen. "Heute muss offenbar jeder irgendein (Kommentar) veröffentlichen"

  1. tiefgehenden Kritik. Sie werden das Buch also nicht lesen. Ok. "Ohne Macht ist man also mehr Mensch? Das halte ich für großen Blödsinn." Wie wäre es, wenn Sie dies argumentativ widerlegen? Man könnte problemlos dafür halten, dass Menschen mit einer gewissen Machtfülle Gefangene in ihrem sehr eigenen, kleine Mikrokosmos sind, seien es nun hohe Sportfunktionäre (die leicht den Realitätsbezug verlieren, wie Korruptionen zeigen), seien es Politiker (die ab und an Schwierigkeiten haben, nach ihrer Amtszeit den richtigen Ton zu treffen) oder andere xbeliebige Personen, die in ihrem Arbeitsbereich über Macht verfügen. Auch die entstehende Leere danach ist nicht verwunderlich (arbeitslose Fußballtrainer, die früher Stars waren, können ein Lied davon singen). Ohne diese Machtstellung müssen diese Menschen anderen Menschen im Alltag ganz normal begegnen, sich selbst Frühstück einkaufen etc. Es sind viele kleine alltägliche Dinge und darum wäre es schön, wenn Sie nachvollziehbar begründen, warum die These "Blödsinn" ist. Gerade aus dem Emotionssoziologischen Ansatz lässt sich problemlos ableiten, dass Emotionen nach Machtabgabe leichter wieder ausgelebt werden können. Man könnte auch mit Rollenkonflikten argumentieren.
    Und um mit polemischer Plattheit zu schließen, wie Sie mit eben jener Ihren Kommentar begannen. "Heute muss offenbar jeder irgendein (Kommentar) veröffentlichen"

    Antwort auf "Eines der Bücher, "
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    "Ohne Macht ist man mehr Mensch."

    Spielen Sie doch mal diesen Satz, ohne den Inhalt zu ändern!
    - Ich bin jetzt menschlicher, weil ich keine Macht mehr habe.
    - Menschlicher kann ich nur werden, wenn ich keine Macht mehr habe.
    - Wer Macht hat, handelt weniger menschlich.

    Für mich ist das ein Führungsstil, bei dem man einen Teil seiner Persönlichkeit verdrängt.
    Im schlimmsten Fall führt das wohl zu Leuten wie Adolf Eichmann.

    Ich denke, wer Macht ausübt, der muss auch mit seiner ganzen Persönlichkeit dahinterstehen.
    Ich kann mir schon vorstellen, dass man bei der Machtausübung gerne eine Rolle spielt und seine Persönlichkeit verdrängt.
    Allerdings denke ich auch, dass viele Manager ihre Persönlichkeit gar nicht kennen – ist ja auch schwer, wenn man sich nie wirklich Zeit für sich nimmt.
    Wenn Sie mich fragen, dann führt dieser Führungsstil - gerade was Menschenführung betrifft- niemals zum bestmöglichen Ergebnis.

    Randbemerkung:
    Als HSV-Fan muss ich da an Vincent Kompany (aktuell Kapitän bei ManCity) denken.

  2. mit einem Artikel über die dt. Basketballmeisterschaft von Bamberg? Ja, dass ist off topic, aber das war heute ein an Spannung und Dramatik kaum zu überbietendes Spiel.

  3. "Ohne Macht ist man mehr Mensch."

    Spielen Sie doch mal diesen Satz, ohne den Inhalt zu ändern!
    - Ich bin jetzt menschlicher, weil ich keine Macht mehr habe.
    - Menschlicher kann ich nur werden, wenn ich keine Macht mehr habe.
    - Wer Macht hat, handelt weniger menschlich.

    Für mich ist das ein Führungsstil, bei dem man einen Teil seiner Persönlichkeit verdrängt.
    Im schlimmsten Fall führt das wohl zu Leuten wie Adolf Eichmann.

    Ich denke, wer Macht ausübt, der muss auch mit seiner ganzen Persönlichkeit dahinterstehen.
    Ich kann mir schon vorstellen, dass man bei der Machtausübung gerne eine Rolle spielt und seine Persönlichkeit verdrängt.
    Allerdings denke ich auch, dass viele Manager ihre Persönlichkeit gar nicht kennen – ist ja auch schwer, wenn man sich nie wirklich Zeit für sich nimmt.
    Wenn Sie mich fragen, dann führt dieser Führungsstil - gerade was Menschenführung betrifft- niemals zum bestmöglichen Ergebnis.

    Randbemerkung:
    Als HSV-Fan muss ich da an Vincent Kompany (aktuell Kapitän bei ManCity) denken.

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