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Eine Stilkritik von 

Pullover aus der Skywalk-Kollektion von Kostas Murkudis für Closed, 190 Euro

Heute wieder blau: Pullover aus der Skywalk-Kollektion von Kostas Murkudis für Closed, 190 Euro  |  © Peter Langer

In den letzten Jahren hatte man manchmal das Gefühl, der Modedesigner Kostas Murkudis sei einfach zu begabt für das Land, für das er Mode machte. Der 53-Jährige ist viel herumgekommen. Er war Assistent von Helmut Lang, Chefdesigner von New York Industries in Italien, und zuletzt arbeitete er in Paris mit dem damaligen Balenciaga-Designer Nicolas Ghesquière.

Vermutlich ist der deutschgriechische Designer mit Wohnsitz in Berlin eines der größten Modetalente hierzulande. Aber er war immer mehr ein introvertierter, ernsthafter Arbeiter als ein Medienmagnet. Anfang der 2000er Jahre scheiterte das Label, das er unter seinem eigenen Namen betrieb, und fortan arbeitete er sich von Kollaboration zu Kollaboration. Murkudis entwarf Wäsche für Schießer, Anzüge für Regent, machte Schuhe für Ludwig Reiter und Schmuck für Swarovski. Aber keine dieser Kollaborationen war von längerer Dauer.

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Der grafische Minimalismus von Kostas Murkudis und seine Art, Kleider zu konstruieren, als betreibe er Architektur, hatten zwar eine eingeschworene Fangemeinde – massenkompatibel waren sie aber nicht. Murkudis schuf eben Mode und kein Image, das man auf Parfumflaschen drucken kann.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick   |  © Peter Langer

Die Geschichte seines Labels zeigt beispielhaft, wie mühsam die Arbeit für selbstständige Designer in Deutschland ist. In den Großstädten fehlt die Kundschaft, die viel Geld dafür ausgeben möchte, einen Designer zu tragen, den erst wenige kennen. Man gibt eher viel Geld aus für Marken, die jeder sofort erkennt. Seit 2009 bringt Murkudis wieder zweimal im Jahr eine eigene Modekollektion unter seinem Namen heraus – und doch haftete ihm bislang etwas Unvollendetes an: Von Kostas Murkudis hätte man gerne etwas Großes gesehen.

Und nun sieht man es. Seit Anfang dieses Jahres ist Murkudis Creative Director der Modemarke Closed. Und schon gibt es dort große Mode: In Berlin präsentierte Murkudis zuletzt die Sonderkollektion Skywalk. Ausgehend von einem Flieger-Overall, dekonstruierte er das Kleidungsstück und zerlegte es in tiefblaue Jacken, Mäntel und Pullover. Eine ganze Garderobe, aus einem einzigen Gedanken geschaffen. Man wünscht sich, dass Murkudis und Closed lange zusammenbleiben. Für den Designer und die Marke – und den ganzen Rest des Landes.

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    • Schlagworte Mode | Architektur | Schiesser | Berlin
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