DIE ZEIT: Herr Strohschneider, in der Wissenschaft geht es um das Wahre und Schöne, dachten wir. Wenn man zurzeit mit Vertretern der Wissenschaftsorganisationen spricht, reden sie viel von Macht und Geld. Erklären Sie uns das.

Peter Strohschneider: Wissenschaftsmanager organisieren die Räume, in denen die methodische Suche nach Wahrheit stattfinden kann. Diese Räume werden gerade neu geordnet. Da muss über Strukturen und Finanzausstattungen geredet werden. Es geht um immerhin vier Milliarden Euro pro Jahr alleine bei den drei großen Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern – der Exzellenzinitiative, dem Pakt für Forschung und Innovation und dem Hochschulpakt. Im Grunde geht es aber noch um viel mehr, nämlich um die gesamte Grundausstattung der Hochschulen.

ZEIT: Sehen Sie die in Gefahr?

Strohschneider: In Politik wie Gesellschaft gibt es einen breiten Konsens über die herausragende Bedeutung von Wissenschaft; die Nachfrage nach akademischer Bildung steigt von Jahr zu Jahr. Unsere Forschung hat ein historisch hohes Niveau. Die Frage ist, wie wir dieses Niveau halten und steigern können.

ZEIT: Also weiter so mit noch mehr Geld?

Strohschneider: Mehr Geld ist meistens gut, ein Weiter-so nicht. Denn das Wissenschaftssystem ist in eine riskante Schieflage geraten. Während die außeruniversitäre Forschung dank der Fördermittel des Bundes auskömmlich finanziert ist, darben viele Universitäten. Ihre festen Einnahmen aus den Länderhaushalten stagnieren oder sinken, frisches Geld bekommen sie nur als Drittmittel. Dabei ist die Universität das Herzstück unseres Wissenschaftssystems.

ZEIT: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) selbst ist doch der wichtigste Drittmittelgeber. Sie müssten froh sein über Ihren Zuwachs an Einfluss.

Strohschneider: Es soll ja nicht unser Einfluss wachsen. Die DFG versteht sich als Zusatzfinanzier qualitätsvoller Grundlagenforschung. Wenn diese jedoch ohne Drittmittel kaum mehr möglich ist, verändert sich unsere Rolle.

ZEIT: Was stört Sie daran?

Strohschneider: Dass Drittmittel immer mehr zu einer Art Währung im Wissenschaftssystem werden. Daher entscheidet die DFG indirekt über Gehaltszulagen von Professoren, Reputation oder inneruniversitäre Macht mit. Das hat den Nebeneffekt, dass die Zahl der Anträge stetig steigt und die Erfolgsquoten trotz unseres wachsenden Budgets sinken. Das macht auch den Ton rauer.

ZEIT: Inwiefern?

Strohschneider: Der Kampf um Drittmittel wird härter, und damit wächst der Ärger, wenn die DFG einen Antrag ablehnt. Wir entscheiden immer weniger darüber, ob jemand mit Drittmitteln unter besseren Bedingungen forschen kann, sondern ob er überhaupt forschen kann.