Seit ein paar Tagen müssen die Mitarbeiter des kalifornischen Internetkonzerns Yahoo wieder jeden Tag ins Büro kommen. Ihre Chefin Marissa Mayer hat das Arbeiten von zu Hause aus abgeschafft. 11.500 Mitarbeiter sind betroffen. Wem es nicht passt, der soll gehen. Mayer will nicht nur die Faulenzer im Unternehmen loswerden, sie glaubt auch, dass ihre Leute im Home-Office weniger und schlechter arbeiten.

Beide Annahmen sind falsch. Schlimmer noch: Sie werfen Yahoo im Kampf um die Talente meilenweit zurück. Falsch sind sie, weil Studien belegen, dass Heimarbeiter im Schnitt sogar mehr leisten als ihre Kollegen in der Firma. Sie arbeiten effizienter, machen weniger Pausen und sind zufriedener mit ihrer Arbeit. Natürlich gibt es jene, die Freiräume ausnutzen und sich einen Lenz machen. Doch mit dem Verbot des Home-Office bestraft man nicht nur die schlechten Mitarbeiter, sondern demotiviert auch die guten. Die meisten Beschäftigten gehen mit Freiheit verantwortungsvoll um. Kontrollmanie ist ein Angriff auf ihre Arbeitsmoral.

Natürlich kann die Videoschalte das persönliche Gespräch nicht ersetzen. Neue Ideen entstehen auch oft im Teamraum und nicht im Einzelbüro. Doch was spricht dagegen, nur zu Meetings ins Büro zu kommen, wenn sich die Arbeit zu Hause schneller erledigen lässt? In einer Zeit, in der Telearbeit einfacher ist als je zuvor, wirkt Präsenzpflicht wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.

Nicht nur, dass ein Internetunternehmen seinem eigenen Medium misstraut, Yahoo schreckt auch eine neue Generation von Beschäftigten ab. Die nach 1980 Geborenen der Generation Y wollen anders arbeiten als ihre Eltern. Für sie verschwimmen die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit. Sie lesen nach Feierabend Arbeitsmails, wollen dafür aber im Büro Facebook nutzen dürfen. Und auch mal um vier Uhr gehen, um im Café weiterzuarbeiten. Und ist es nicht erstrebenswert, wenn Leistung nicht daran gemessen wird, wie viele Stunden man im Büro verbringt, sondern daran, was am Ende dabei herauskommt?

Anbieter wie Elance.com oder oDesk.com, die Freiberufler im Internet weltweit vermitteln, setzen auf das Potenzial der Heimarbeit. Die Nachfrage danach explodiert förmlich. 2012 wurden mit dieser Art der Onlinearbeit erstmals mehr als eine Milliarde Dollar umgesetzt. Bis 2018 sollen es fünf Milliarden sein. Das wird die Arbeitswelt verändern und Mayers Verbot wie eine Fußnote erscheinen lassen.