Zwei Jahre liegt die Aufregung über das Guttenbergsche Plagiat nun zurück; vor rund einem Jahr begann die Debatte über Annette Schavans Dissertation – genügend Zeit, sollte man meinen, dass auch die letzte Universität das Problem der Qualitätskontrolle erkannt hätte. Schön wär’s. Tatsächlich scheinen deutsche Hochschulen so flexibel wie große Supertanker, wenn es darum geht, den eigenen Kurs zu korrigieren.

Diesen Eindruck vermitteln jedenfalls die kürzlich verabschiedeten Empfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zum Umgang mit Plagiaten und anderen Fälschungsfällen. Wie groß der Bedarf an Klarheit ist, hat das Verfahren gegen Ex-Bildungsministerin Schavan bewiesen.

Führende Forscher hatten die Universität Düsseldorf öffentlich für ihr Vorgehen gerüffelt. Man stritt über die Dauer des Prüfverfahrens, die Zusammensetzung der Untersuchungskommission ebenso wie über die Frage, welche und wie viele Gutachter gehört werden sollten. Dabei wurde auch klar: Es mangelt an verbindlichen Standards. Die eine Hochschule macht es so, andere machen es anders. Je nach Gusto.

Und was macht die HRK? Sie fordert zwar eine Stärkung des Ombudssystems. Im übrigen aber verweist sie in ihrem neuen Papier einfach auf eine frühere Empfehlung von 1998 und tut so, als sei damit alles in bester Ordnung. Dabei ist ein Teil des Problems, dass viele Hochschulen nicht einmal die alte Empfehlung umsetzen. Die im Fall Schavan aufgebrochenen Streitfragen werden gar nicht erst erwähnt.

Mehr Aufklärungsdruck nötig

Doch halt! Eine Neuerung gibt es noch: Die HRK mag keine Transparenz mehr. Wer sich mit einem Verdacht an die Öffentlichkeit wende, verstoße "selbst gegen die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis". Mit anderen Worten: Bitte keine Plagiatssuche mehr im Internet, keine offene Debatte über die Versäumnisse in einzelnen Doktorarbeiten – und an einzelnen Universitäten. Das sollen die Hochschulen im stillen Kämmerlein regeln.

Nun ist der Impuls einerseits verständlich. Dass vertrauliche Papiere in Zeitungen landen und Verdächtigungen von Politikern monatelang im Netz diskutiert werden, nützt zwar dem öffentlichen Voyeurismus, aber kaum der Sache. Andererseits: Gäbe es eine bessere Qualitätskontrolle bei Promotionen und würden die Hochschulen entschiedener und zügiger aufklären, wäre vielen Plagiatsjägern der Boden entzogen. Zudem ist die Forderung nach Intransparenz in Zeiten des Internets ohnehin naiv.

Ulrike Beisiegel, einst selbst Ombudsfrau und heute Vizepräsidentin der HRK, stellt deshalb nun eine Art Kompromissvorschlag zur Debatte: Wer Plagiate finde, solle mit der zuständigen Hochschule eine Frist vereinbaren, innerhalb derer diese zu reagieren habe. Geschehe nichts, könne man an die Öffentlichkeit gehen. Das klingt weise. Beschuldigte hätten die Chance auf faire Verfahren. Zugleich gäbe es einen Aufklärungsdruck. Ohne den läuft an vielen Universitäten nach wie vor leider nichts.