Es gibt einen Legostein, den hängt sich Diane Kruger ans Handgelenk, und auch die Schauspielerin Hailee Steinfeld wurde damit schon gesehen: Eine Handtasche von Chanel. Die Tasche ist in Grün, Rot und Blau zu haben – in Legofarben eben. Auch für seinen italienischen Arbeitgeber Fendi hat Chanel-Designer Karl Lagerfeld in der aktuellen Kollektion Legosteine verbaut – zumindest dem Prinzip nach. Auf dem Laufsteg sah man Schuhe, die aus mehreren Komponenten in unterschiedlichen Farbkombinationen zusammengesteckt waren. Bei Versus, der Zweitlinie von Versace, zeigten Donatella Versace und ihr Co-Designer Christopher Kane Kleider aus Ketten, die sich um den Körper wanden. Eine Online-Redakteurin der US-Vogue bezeichnete die unterschiedlichfarbigen Kettenglieder als "sehr Lego-like".

Lego wird nicht ohne Grund so gerne zitiert: Kaum ein Spielzeug ist quer durch alle Kulturen so stark in den Köpfen verankert. Seit die bunten Steine aus Dänemark 1949 erfunden wurden, haben sie sämtliche Nachkriegsgenerationen begleitet. Es gibt praktisch nichts, was noch nicht in Legosteinen nachgebaut wurde – und nichts, was nicht besser aussehen würde, wenn man es in Lego baut.

Doch was hat Lego im Modedesign zu suchen? Zum einen ist schon lange eine Infantilisierung der Mode zu beobachten – etwa in Form von gestreiften Nickipullovern, die ihre Träger aussehen lassen wie Statisten aus der Sesamstraße. Aber Lego bedeutet weit mehr. Die bunten Steine sind die Urformel des digitalen Prinzips – gewissermaßen die Urpixel. Die ersten digitalen Oberflächen, etwa Arcade-Spiele und der gute alte Videotext, sahen aus wie aus Legosteinen zusammengebaut.

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Lego erinnert uns gewissermaßen an die Zeit, als das Virtuelle erschließbar war. Als man sich vorstellen konnte, dass ein digitales Bild aus lauter kleinen Klötzchen zusammengesetzt war – wie eben die Bauten, die man früher im Kinderzimmer errichtet hat. So wirkt es zwar futuristisch, wenn Models mit bunten Quadern auf dem Laufsteg unterwegs sind, gleichzeitig ist es jedoch ein melancholischer Blick zurück – in eine Zeit, als wir noch glaubten, die Welt zu verstehen. Kostspielig ist es allemal, einen Legostein von Chanel zu tragen. Die teuersten Steine finden sich allerdings immer noch bei Lego selbst: Für einen Sechs-Noppen-Quader aus Gold werden derzeit mehr als 10.000 Euro bezahlt.