JobsucheDas Zitat... und Ihr Gewinn

Baltasar Gracián y Morales sagt: Am Klange kennt man die Metalle, an der Rede die Menschen. von 

Der Headhunter wählte die Nummer des Einkaufsleiters, stellte sich vor und fragte: "Können Sie jetzt sprechen?" Dieser bejahte, und schon wurden ihm Fragen zu seiner Vita gestellt. Er antwortete stockend, erst recht, als ein Kollege in sein Büro hereinschneite. Das Gespräch ging unverbindlich zu Ende. Der Einkaufsleiter hat nie wieder von dem Headhunter gehört.

Der Umgang mit Personalberatern verlangt Geschick. So sollten Sie nie von Ihrem Arbeitsplatz aus (länger) telefonieren, sondern sich für ein zweites Gespräch von zu Hause aus verabreden. Dann können Sie sich vorbereiten. Und ungestört sprechen.

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Die Ansprache durch den Headhunter ist wie ein Blind Date. Erst auf der Grundlage eines längeren Telefonats kann er entscheiden, ob er Sie zu einem persönlichen Gespräch einlädt. Aus der Art, wie Sie reden, schließt er, wer Sie sind (frei nach dem spanischen Philosophen Baltasar Gracián y Morales). Punkten kann, wer schnell herausfindet: Welche Position hat der Headhunter zu vermitteln? Mal sucht er jemanden für eine Pionieraufgabe in einem Start-up-Unternehmen – mal einen Abteilungsleiter, der ein Geschäftsfeld in einem Traditionskonzern fortführt. Im ersten Fall könnten Sie mit Beispielen für Initiativgeist und Gründermentalität punkten – während dieselben Beispiele im zweiten Fall gegen Sie sprächen.

Der Headhunter als Partner

Der Headhunter konkurriert oft mit anderen Personalberatern und will seinen Kandidaten durchsetzen. Nutzen Sie ihn als Partner! Fragen Sie ihn, worauf es bei der offenen Position ankommt. Lassen Sie sich ein Feedback geben, welche Ihrer Erfahrungen am reizvollsten für den Auftraggeber ist. Diese Insider-Tipps helfen Ihnen, sich optimal in Ihren Bewerbungsunterlagen und im Vorstellungsgespräch zu verkaufen.

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Auch beim Gehalt ziehen Sie mit dem Personalvermittler an einem Strang: Meist bekommt er zwei bis drei Ihrer künftigen Monatsgehälter als Vermittlungsprämie. Je mehr Sie verdienen, desto mehr verdient er. Statt Ihren Gehaltswunsch zu nennen, können Sie fragen: "Was ist denn nach Ihrer Einschätzung drin?" Nicht selten wird er Ihnen die Obergrenze verraten.

So hinterlassen Sie einen guten Eindruck beim Headhunter. Das ist wichtig, auch wenn die zu vergebende Position gar nicht zu Ihnen passt. Nun hat er Sie als Topkandidaten auf dem Radar – und der nächste Anruf kommt bestimmt.

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Leserkommentare
  1. ...und das Führen solcher Gespräche während der Arbeitszeit ist ein Vertrauensbruch gegenüber dem Arbeitgeber. Ein Headhunter verkündete mir ganz offen zur Begrüßung, dass er sich am Empfang mit einer Lüge vorbeigemogelt hat. Und solchen Leuten soll ich meine berufliche Zukunft anvertrauen? Nein danke.

    • sogos
    • 07. Juli 2013 11:24 Uhr

    Mal ein paar Worte von einem "Betroffenen" (2 mal per Headhunter vermittelt worden, selber einige Leute ueber extene Recruiter eingestellt):

    Also 2-3 Monatsgehaelter (~20% Jahresgehalt) als Provision, das bekommen gerade mal externe Recruiter, die "normale" Ingenieurspositionen fuellen. Fuer Fuehrungskraefte (also echte Headhunter) geht es bei 6 Monaten (50% Fix-Jahresgehalt) los.
    Ich kann es auch nicht mehr hoeren mit diesem "nur nichts falsches am Telefon sagen", das stimmt doch alles nicht. Wer einen Ingenieur einstellt, dem ist doch nicht wichtig, wie schlagfertig der am Telefon ist! Also bitte...
    Ausserdem ein Headhunter, der am Telefon nach Informationen des Kandidaten fragt ist eher Kategorie Praktikant, in Zeiten von Linkedin etc. sollte er seine Hausaufgaben gemacht haben und von der Stelle erzaehlen.

    Normalerweise geht es so, dass der Headhunter sich kurz selbst vorstellt, fragt ob man kurz Zeit hat (ansonsten nachfragt, wann es besser ist, auch abends) und wenn ja kurz die Eckdaten der neuen Stelle erklaert und fragt, ob man generell interessiert ist. Die machen das oft, kennen also alle Lebenssituationen (gerade im 4-Augen mit Chef, da spricht es sich nicht leicht ;-) ) und verstehen, wenn man nicht sprechen kann.
    Ich frage immer nach der Jobbeschreibung per Email, und sage ich werde mich melden. Alles "normal".
    Das was hier beschrieben wird ist ungefaehr so wie "Schuhhacken putzen beim Vorstellungsgespraech", klingt alles nach Lehrbuch, nicht Realitaet.

    5 Leserempfehlungen
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    Und die Realität via Plattformen wie LinkedIn, Xing & Co sieht ja noch ein klein wenig anders aus. Gut 70% kann man als spammende Durchlauferhitzer bezeichnen, die selbst eigentlich keine Ahnung haben von dem, was sie suchen.
    So sieht der Alltag dort aus:

    1) Personalverein XYZ schickt Mitarbeiter A los, zu suchen. Person B schreibt dann alle an mit einer halbherzigen Stellenausschreibung und dem Hinweis, sich bei Interesse bei Person C zu melden. Wenn ich hier Person B sage "Kein Interesse", kommt ein paar Tage später Person D mit demselben Mist an.

    2) Headhunter sind größtenteils unfähig, Profile zu deuten - sei es fachlich oder nur, wenn es darum geht, zu deuten, ob denn der in Frage kommende Kandidat gemäß Profil überhaupt auf der Suche ist.

    3) Das dreisteste was ich erlebt habe, ist dass sich ein Headhunter zu einem Kollegen via Sekretariat hat durchstellen lassen, weil er anhand der Profildaten keine Kontaktdaten freigegeben hatte, aber eben Arbeitgeber und Standort ersichtlich waren.

    4) Headhunter wissen eigentlich gar nicht was sie da vermitteln sollen. Wenn man sich wirklich mal auf ein Gespräch einlässt, will man auch einen Dialog führen - fachlich gesehen, wenn auch auf unterem Level - und keine Lobeshymnen auf den eventuellen Arbeitgeber mit abstrakten Konditionen.

    5) Man will vllt. auch nicht für jeden arbeiten, aber man erntet meist die Antwort "Darf ich nicht sagen" auf die Frage, wer denn der AG ist. Vermutlich Konzeptproblem.

  2. ... wenn der Headhunter dein Profil einem Interessenten präsentiert, dann macht er es um des Geldes wegen, nicht um den "Besten" vorzustellen !

    Deshalb : " Der Einkaufsleiter hat nie wieder von dem Headhunter gehört."
    Das hat nichts mit seinem Zögern zu tun. Wahrscheinlich war der Job schon weg !

  3. Die Headhunter , mit denen ich bisher zu tun hatte, zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass sie nicht wussten, was ich eigentlich beruflich mache, welche Berufsbilder es in meiner Branche so gibt und wie mein alter sowie der neue Job zusammenpassen könnten. Das waren völlige Nullinger, die Typen.

    Einer wollte auch Provision von einem Unternehmen, wo ich mir selber einen Job gesucht hatte. Das geld wollte er deshalb, weil ich mich ja dort beworben hatte, während er mich (in anderen Firmen) vermitteln wollte.

    Headhunter, nie wieder.

    Eine Leserempfehlung
  4. Und die Realität via Plattformen wie LinkedIn, Xing & Co sieht ja noch ein klein wenig anders aus. Gut 70% kann man als spammende Durchlauferhitzer bezeichnen, die selbst eigentlich keine Ahnung haben von dem, was sie suchen.
    So sieht der Alltag dort aus:

    1) Personalverein XYZ schickt Mitarbeiter A los, zu suchen. Person B schreibt dann alle an mit einer halbherzigen Stellenausschreibung und dem Hinweis, sich bei Interesse bei Person C zu melden. Wenn ich hier Person B sage "Kein Interesse", kommt ein paar Tage später Person D mit demselben Mist an.

    2) Headhunter sind größtenteils unfähig, Profile zu deuten - sei es fachlich oder nur, wenn es darum geht, zu deuten, ob denn der in Frage kommende Kandidat gemäß Profil überhaupt auf der Suche ist.

    3) Das dreisteste was ich erlebt habe, ist dass sich ein Headhunter zu einem Kollegen via Sekretariat hat durchstellen lassen, weil er anhand der Profildaten keine Kontaktdaten freigegeben hatte, aber eben Arbeitgeber und Standort ersichtlich waren.

    4) Headhunter wissen eigentlich gar nicht was sie da vermitteln sollen. Wenn man sich wirklich mal auf ein Gespräch einlässt, will man auch einen Dialog führen - fachlich gesehen, wenn auch auf unterem Level - und keine Lobeshymnen auf den eventuellen Arbeitgeber mit abstrakten Konditionen.

    5) Man will vllt. auch nicht für jeden arbeiten, aber man erntet meist die Antwort "Darf ich nicht sagen" auf die Frage, wer denn der AG ist. Vermutlich Konzeptproblem.

    Antwort auf "naja..."
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    ... scheinen hier wirklich Einige nicht zu wissen:

    Das Durchmogeln an der Hauseinwahl/Sekretariate per Legende ist absolut üblich, auch Kaltakquise/Recherche dürfte so laufen, das machen auch die Seriösesten... Seit Xing lässt das etwas nach.

    Dass in der ersten Ansprache der Auftraggeber nicht genannt wird sondern nur die Position abstrakt beschrieben wird, ist auch 100% normales Procedere, hängt mit den Absprachen des Auftraggebers zusammen. (Ist klar, dass man dort in den letzten Monaten selbst vorstellig wurde, ist der Kandidat uninteressant.)

    Wurde der Lebeneslauf (!) übersandt und beidseitig Interesse bekundet, gibt es auch eine ausführliche Stellenbeschreibung und der Auftraggeber wird genannt.

    Und ja, die Unternehmen wollen genau die seltene "Kandidaten-Perle", die alle wollen und nur mit Aufwand zu einem gelotst wird. Der erscheint dann auch in den schöneren Farben als ein direkter Bewerber. So werden viele attraktive Jobs nicht mehr veröffentlicht.

    Es macht also Sinn diese Leute nett zu behandeln und seine Bewerbungen nciht Wäschekörbeweise zu veschicken...

  5. ... scheinen hier wirklich Einige nicht zu wissen:

    Das Durchmogeln an der Hauseinwahl/Sekretariate per Legende ist absolut üblich, auch Kaltakquise/Recherche dürfte so laufen, das machen auch die Seriösesten... Seit Xing lässt das etwas nach.

    Dass in der ersten Ansprache der Auftraggeber nicht genannt wird sondern nur die Position abstrakt beschrieben wird, ist auch 100% normales Procedere, hängt mit den Absprachen des Auftraggebers zusammen. (Ist klar, dass man dort in den letzten Monaten selbst vorstellig wurde, ist der Kandidat uninteressant.)

    Wurde der Lebeneslauf (!) übersandt und beidseitig Interesse bekundet, gibt es auch eine ausführliche Stellenbeschreibung und der Auftraggeber wird genannt.

    Und ja, die Unternehmen wollen genau die seltene "Kandidaten-Perle", die alle wollen und nur mit Aufwand zu einem gelotst wird. Der erscheint dann auch in den schöneren Farben als ein direkter Bewerber. So werden viele attraktive Jobs nicht mehr veröffentlicht.

    Es macht also Sinn diese Leute nett zu behandeln und seine Bewerbungen nciht Wäschekörbeweise zu veschicken...

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    "Das Durchmogeln an der Hauseinwahl/Sekretariate per Legende ist absolut üblich"

    Dass es üblich sein mag, macht es nicht besser.
    Genau so einen Fall, dass mich ein Headhunter über das Seketariat meines aktuellen Arbeitgebers angerufen hat, hatte ich auch vor nicht allzulanger Zeit:
    Am Abend zuvor hatte er mir an meine private E-Mailadresse (diese hatte ich ihm als Kontaktmöglichkeit gegeben, aber keinerlei Telefonnummer - weder privat, und schon gar nicht dienstlich) eine Stellenbeschreibung geschickt und wollte "sich nur mal erkundigen, ob ich mir diese denn schon angesehen hätte".
    In einer Firma mit ein paar hundert Mitarbeitern mag so ein Telefonat in der üblichen Menge an auflaufenden Gesprächen im Sekretariat untergehen. In einer kleinen Firma mit gerade mal 4 Personen kommt man in der Mittagspause dann schon in Erklärungsnöte...

    Tja, und wenn besagter Headhunter dann auch noch einigermaßen Ahnung von der Branche gehabt hätte, wäre ihm vielleicht von vornherein aufgegangen, dass der winzige Unterpunkt in meinem Profil "Methodenvalidierung für toxikologische Prüfverfahren" absolut nichts mit Softwarevalidierung zu tun hat...

    Aber ich will nicht alle Headhunter über einen Kamm scheren - zum Glück gibts auch andere.

  6. "Das Durchmogeln an der Hauseinwahl/Sekretariate per Legende ist absolut üblich"

    Dass es üblich sein mag, macht es nicht besser.
    Genau so einen Fall, dass mich ein Headhunter über das Seketariat meines aktuellen Arbeitgebers angerufen hat, hatte ich auch vor nicht allzulanger Zeit:
    Am Abend zuvor hatte er mir an meine private E-Mailadresse (diese hatte ich ihm als Kontaktmöglichkeit gegeben, aber keinerlei Telefonnummer - weder privat, und schon gar nicht dienstlich) eine Stellenbeschreibung geschickt und wollte "sich nur mal erkundigen, ob ich mir diese denn schon angesehen hätte".
    In einer Firma mit ein paar hundert Mitarbeitern mag so ein Telefonat in der üblichen Menge an auflaufenden Gesprächen im Sekretariat untergehen. In einer kleinen Firma mit gerade mal 4 Personen kommt man in der Mittagspause dann schon in Erklärungsnöte...

    Tja, und wenn besagter Headhunter dann auch noch einigermaßen Ahnung von der Branche gehabt hätte, wäre ihm vielleicht von vornherein aufgegangen, dass der winzige Unterpunkt in meinem Profil "Methodenvalidierung für toxikologische Prüfverfahren" absolut nichts mit Softwarevalidierung zu tun hat...

    Aber ich will nicht alle Headhunter über einen Kamm scheren - zum Glück gibts auch andere.

  7. Ein "Headhunter" wird in der Regel nicht den ganzen Tag rumtelefonieren. Das übernimmt der Researcher, entweder ein Berufseinsteiger (der mal Consultant werden möchte) oder auch eine studentische Aushilfe. Daher ist die Qualität solcher Ersttelefonate nicht immer wirklich überzeugend. :-(

    Hier geht es um die Vorselektion, das nächste Gespräch wird dann der Consultant/Headhunter persönlich führen, und dann kann man auch ein höheres Maß an Professionalität erwarten.

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