Hat die Leitung der Uni Lüneburg bei der Finanzierung ihres neuen Zentralgebäudes, das im Jahr 2015 fertig sein soll, geschlampt und getrickst? Darüber soll und kann an dieser Stelle kein Urteil gefällt werden.

Wohl aber muss gefordert werden, dass fair mit ihr umgegangen wird.

Seit Ende Mai steht die Universität am Pranger; seitdem der Bremer Weser Kurier aus einem Prüfbericht der EU-Anti-Betrugsbehörde Olaf zitiert hat. Demnach hätte die Uni gegen Vergaberegeln verstoßen und möglicherweise versucht, auf krummen Wegen Zahlungen an Daniel Libeskind zu leisten, den weltbekannten Architekten des Gebäudes, der gleichzeitig eine Professur an der Uni innehat. Im schlimmsten Fall stünde der ganze EU-Zuschuss, 10,4 Millionen Euro, auf dem Spiel.

Das ist starker Tobak, der nach einer Erklärung der Uni-Leitung verlangt. Doch ihr sind die Hände gebunden – weil sie den Bericht nicht lesen darf! Das niedersächsische Wissenschaftsministerium hat ihr die Einsichtnahme mit Verweis auf die von Olaf geforderte Vertraulichkeit verwehrt. Stattdessen wurde der Bericht an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Nun kann jeder sein Mütchen an der Uni-Leitung kühlen, die wegen ihres Reformeifers viele Feinde hat. Das darf eine verantwortungsbewusste Wissenschaftsministerin nicht zulassen. Bis die Vorwürfe geklärt sind, muss sie sich vor und nicht neben die Universität stellen.