Hongkong : Hilfe, die Gucci-Shopper!

Während China sich Hongkong einverleibt, gedeiht dort ein Feindbild: Luxustouristen vom chinesischen Festland
Shopping-Touristen vom Festland in Hongkong © Anthony Wallace/AFP/Getty Images

An der größten Outletshoppingmall der Stadt kann man sie erleben, gleich an der Tung-Chung-U-Bahn-Station. Den Typus "Tourist aus Festlandchina", den sie hier Heuschrecke nennen. Er versetzt halb Hongkong in Schrecken.

Sie drängen aus den Toren der Mall, beladen wie Erdbebenopfer, doch mit seligem Lächeln. Sie schleppen Koffertrolleys, Tüten und Taschen voller Gucci, Prada, Louis Vuitton. Alles billiger als auf dem Festland, wo eine üppige Luxussteuer erhoben wird. Auf dem Trottoir rasten Familien so entspannt, als säßen sie vor ihrem Bauernhaus. Ein Mann trinkt Bier, die Schuhe hat er ausgezogen, eine Frau hält ein Kind zum Pinkeln über den Asphalt.

Liu Waitong, 37, Dichter und Fotograf, sitzt in einem Café gegenüber und betrachtet das Treiben mit neugieriger Milde. Liu hat in Peking studiert, er spricht ein exzellentes Mandarin, seine Frau kommt vom Festland. Das Wort Heuschrecken gefällt ihm nicht, er findet es "hässlich und nazimäßig" und wirbt für Differenzierung. "Man sollte das Politische und das Private trennen. Die Chinesen sind nicht ihre Regierung." Stets hat er seine Mithongkonger zur Mäßigung aufgerufen, wenn der chinesisch-chinesische Kulturkampf mal wieder ausbrach. Also eigentlich: immer.

Da war etwa im vergangenen Jahr der Streit in der U-Bahn, in einem Handyvideo dokumentiert. Ein Hongkonger stört sich daran, dass ein Mädchen vom Festland in der U-Bahn isst, es kommt zum Streit, das Mädchen spuckt seine Nudeln auf den Boden. Für viele Hongkonger bewies das erneut:

Die vom Festland! Haben Geld, aber kein Benehmen! Kommen hierher, kaufen alles weg, können nicht anstehen, machen, was sie wollen!

Die Antwort vom Festland ließ nicht lange auf sich warten, Kong Qingdong, Professor der Peking-Universität, schäumte in einer Videonachricht: "Die Hongkonger sehen sich einfach nicht als Chinesen. Sie sind Bastarde, gewohnt, den britischen Imperialisten wie Hündchen nachzulaufen!"

Da waren, ebenfalls im vergangenen Jahr, die wütenden Kundgebungen vor dem Dolce & Gabbana Flagship Store, als ein Mitarbeiter Hongkonger ermahnte, doch bitte keine Fotos zu machen, das dürften nur Festlandchinesen und andere Touristen. Da waren die Protestveranstaltungen, bei denen Demonstranten die britische Flagge wehen ließen. Da war die Umfrage der South China Morning Post im März, die weder repräsentativ noch wissenschaftlich, aber trotzdem erstaunlich war: Mehr als 90 Prozent der Teilnehmer wünschten sich zurück in die koloniale Vergangenheit. Eine Gruppe streitet für ein unabhängiges Hongkong, andere fordern, ausgerechnet im liberalen Hongkong die Reisebeschränkungen zu verschärfen. In den Krankenhäusern wurde kürzlich eine Nullquote für Schwangere vom Festland verhängt – ganze Gruppen waren angereist, um ihre Babys in Hongkong zur Welt zu bringen und dadurch Zugang zum dortigen Erziehungs- und Bildungssystem zu erhalten. An den Universitäten stöhnen Studenten, die Festlandskonkurrenz schnappe ihnen Stipendien und begehrte Studienplätze weg.

Fotograf Liu fand die Erregung oft überzogen und Nostalgie mit Blick auf die koloniale Vergangenheit unangebracht. "Sie hat doch vor allem damit zu tun, dass es den Hongkongern in den Achtzigern wirtschaftlich viel besser ging. Doch auch das war eine Blase. Man muss doch nicht den Briten hinterhertrauern, nur weil man mit der chinesischen Regierung unzufrieden ist."

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Kommentare

12 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Zehntausende Milliarden Dollar pro Stunde??? Ist das nicht ein klein bisschen übertrieben? Also in Zahlen 10.000 x 1.000.000.000 Dollar pro Stunde?

Ein Euro sind 10HKD. Also gehen die von einem stündlichen Schaden von 1.000.000.000.000€ (1 Billion Euro) aus?

Ist es möglich, dass es sich dabei um einen Tippfehler handelt? :D

Kann durchaus stimmen. Es geht ja um HANDELS volumen

Also darum wieviel Geld am Ende für ein paar Sekunden bis ein Paar minuten von einem Wertpapier zum anderen geschoben wird. Die Zahlen sind da schwindelerregend hoch. Aber es ist natürlich nicht so das da ökonomische Substanz in gleicher Höhe hintersteckt.

Wenn ich jeden Tag 5000 EUR mein Geld von einem Unterkonto zum anderen Schiebe, dann hab ich am Ende des Monats auf meinen Konten Kontobewegungen von 150.000 Euro. Und das nur bei einmal rumschieben pro Tag.