KunstmarktWie verkauft man eine Performance?

Über Gattung, Präsentationsform und Größe eines Kunstwerks entscheidet auch der Markt. von 

Kunst besteht aus zwei Dingen, schreibt die amerikanische Kunstkennerin Molly Barnes in ihrem Buch How to get hung (auf Deutsch in etwa: "Wie man es schafft, gehängt zu werden"): aus einer Liebesaffäre und einem Business. Schon der Titel von Barnes Ratgeber für angehende Künstlerstars zeugt indes von einem Denkfehler. Denn nicht alles, was sich Kunst nennt, lässt sich auch an Wände hängen. Und da fangen die Verkaufsprobleme doch erst richtig an.

Unter kaufmännischen Gesichtspunkten halten viele Galeristen zum Beispiel wenig von Happenings oder Performances, und vor großen Installationen graust es ihnen kaum weniger. Laut einer bundesweiten Umfrage durch das Berliner Institut für Strategieentwicklung (IFSE) setzt die große Mehrheit von ihnen auf klassische Malerei, wenn es ums Verkaufen geht. 62 Prozent sagen, diese Kunstgattung sei am wichtigsten für ihre Galerie. Immerhin noch 11 Prozent nennen Skulpturen, erst dann folgen Fotografie und Zeichnung mit jeweils 8 Prozent, Druckgrafiken, Medienkunst und Installationen bringen es zusammen noch mal auf 6 Prozent. Performance und reine Konzeptkunst spielen gar keine Rolle.

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Auch für immaterielle Kunstformen entwickeln die Galeristen einen Markt

Was nicht heißt, dass Letztere in den Galerien gar nicht zu sehen sind. Die Galerien weisen den Verdacht, es ginge in ihrer Branche nur ums Geldverdienen, bekanntlich gern von sich. "Die immateriellen Kunstformen sind beliebt als Marketingaktionen und demonstrieren zugleich die vermeintliche Unabhängigkeit vom Kunstmarkt", sagt IFSE-Geschäftsführer Hergen Wöbken. Und natürlich gibt es längst Verfahren dafür, auch sie zu verkäuflichen Werken zu machen.

"Wir haben in den siebziger Jahren damit angefangen, sehr sorgsam das eine Bild herauszusuchen, das ihre Performance am besten repräsentierte", erzählt etwa der Galerist Sean Kelly in dem Film The Artist is present über seine Arbeit mit Marina Abramovic. Kelly war der Erste, der von Abramovics Performancekunst Fotos in kleinen Editionen für 2.000 bis 5.000 Dollar verkaufte. Heute wären diese Fotos wohl das Zehnfache wert. "Das Modell, mit dem wir für Marina einen Markt geschaffen haben, wurde von allen anderen Galeristen übernommen", sagt Kelly stolz.

Doch bleiben allen Werkcharakter-Diskussionen zum Trotz selbst die schönsten Dokumentationen, Fotoeditionen oder auch Lizenzmodelle von Performances, wie sie etwa Tino Sehgal anbietet, für viele Sammler doch nur Krücken auf dem Weg zum Eigentum am eigentlichen Werk. Jedenfalls sieht es nicht so aus, als könnte demnächst anstatt eines Gemäldes von Picasso oder Munch die Dokumentation eines Happenings alle Auktionsrekorde brechen. "Der Markt ruft derzeit wie schon lange nicht mehr nach dem einen singulären, sicheren Gemälde von einem großen Künstlergenie", sagt Cai Wagner, seit dreizehn Jahren Galerist in Berlin. Er bedauert die konservative Wende auf dem Kunstmarkt, die durch die Finanzkrise noch verstärkt worden sei. "Dabei würden spielerische, mutigere Formate viel besser in unsere Zeit passen."

Formate, wie sie etwa die Street Art entwickelte: Der Künstler Banksy hat seine Bilder bekanntlich auf Hauswände gesprüht. Oder in einer Guerilla-Aktion die knallorangefarbene Puppe eines Guantánamo-Häftlings in den Disney Park geschmuggelt. Geld dafür gab es nicht, aber Aufmerksamkeit. Erst als Banksy seine Kunst auch auf Leinwänder sprühte, erzielte sie Traumerlöse von bis zu 1,9 Millionen Dollar auf Auktionen. Wobei dann wiederum nicht wenige seiner Ideen an Witz verloren.

Leserkommentare
  1. The funniest way of giving head.

    2 Leserempfehlungen
    • kamau
    • 07. Juli 2013 19:49 Uhr

    Schade, dass die Zeit" aus Hamburg die größten deutschen Performance Künstler Kommissar Hjuler und Mama Baer nicht erwähnt- ein deutsches Gesamtkunstwerk!

  2. 3. Pipapo

    In der Kunst geht es nicht um das grosse Geld sonder um die grosse Kunst.

    Es ist egal wie es geht, hauptsache es geht. Strom Miete alle die Sachen müssen bezahlt werden aber wir machen Kunst um der Kunst willen und weder um der Erziehung noch um des Geldes willen. Wer Geld will wird Bänker, wer Erziehen will wird Buchhändler.

    Eine Performance ist unantastbar. Es gibt keinen Marktwert für das. Alles was übrigbleibt ist für die Geier.
    Und wer so etwas für Geld macht ist in meinen Augen fälscher als falsch. Untragbar.

    Schreiben Sie doch lieber einen interessanten Artikel über diese wichtige Kunstform an sich. Das ist hier ja doch nicht das Handelsblatt.

    Eine Leserempfehlung
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    Sind Sie sich da so sicher? Es wird längst schon vom Markt bestimmt was Kunst ist und vor allem was angeblich groß. Performance hat genauso Marktwert wie alles andere. Kunst ist nunmal auch eine Ware und als Künstler wird man verkauft, bzw. verkauft sich eben selbst.

    Das blendet man in der Künstleregozentrik aber gerne aus, man will ja etwas höheres, besseres, größeres sein. Da passt es natürlich nicht so gut, dass man einen Preis hat. :P

  3. Sind Sie sich da so sicher? Es wird längst schon vom Markt bestimmt was Kunst ist und vor allem was angeblich groß. Performance hat genauso Marktwert wie alles andere. Kunst ist nunmal auch eine Ware und als Künstler wird man verkauft, bzw. verkauft sich eben selbst.

    Das blendet man in der Künstleregozentrik aber gerne aus, man will ja etwas höheres, besseres, größeres sein. Da passt es natürlich nicht so gut, dass man einen Preis hat. :P

    Antwort auf "Pipapo"
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    denn Kunst hat einen entweder emotionalen und/oder rationalen Effekt auf den einzelnen Betrachter - genau das unterscheidet ja Kunst von Kram.

    Und dies ist ein intrinsischer Wert, der nicht allgemein zu quantifizieren oder zu verpreisen ist.

    Auf einem anderen Blatte steht natürlich die Tatsache, daß dieser eigentliche Wert eines Kunstwerk in keinerlei Verhältnis zu Preis oder Ansehen des Künstlers steht - (man schaue sich all die schönen Versuche an, in denen Menschen bei unbekannten Gemälden entscheiden sollten, ob dies nun große Kunst von berühmten Künstlern, oder Bilder von Amateurmalern vom nächsten Flohmarkt seien - mit dem Ergebnis, daß sowohl akademische Kunstkenner als auch "normale Leute" nur eine Trefferquote auf Zufallsniveau erreichen).

    Dennoch: Kunst hat einen Eigenwert - nämlich den der Wirkung, die sie auf die Betrachter/Hörer/Konsumenten hat. Und ich habe hohen Respekt vor allen Künstlern, die versuchen, diesen Wert zu erhöhen und nicht den Geldwert, der sich durch die Absurditäten des Kunstmarktes nach ganz anderen Kategorien bemißt.

  4. haben keinen bleibenden Ort, sie sind Moment. Es ist tatsächlich ein bisserl unsinnig, von einer wie auch immer gearteten Dokumentation zu erwarten, daß sie einen eigenen, marktfähigen Wert darstellt: Dann hätte man die Performance selbst ja nicht gebraucht, sondern z.B. gleich eine Studioaufnahme oder Animation herausgebracht. - Die übrigens im Kunstmarkt ebenfalls keine Rolle spielen.

    Eines ist richtig gedeutet: Performances sind ein Thema für Museen, als Beigabe zu Messen oder Ausstellungen großer Kunstvereine, die sich über Bildungsauftrag, Spenden oder Eintrittsgelder finanzieren. Man kann es gut finden, daß das so ist. Bei mancher Performance hat man allerdings den Eindruck, als wären sie absichtlich auf diesen Markt hin produziert... viel Spektakel um recht wenig Kunst oder Bedeutung. - Was allerdings auch für McCartneys Hunde gilt. Da zieht schließlich auch nur der Name.

    Aber die Aufteilung der Umsätze nach Prozenten war schon interessant, und der Trend zum Original waren schon interessant, danke dafür.

    Eine Leserempfehlung
  5. ist Geschichte. Auch früher brauchte man dafür ein Nebeneinkommen oder einen Mäzen bzw man war Erbe. Jedenfalls ist die Kunst nicht um ihrer selbst willen (was auch immer das bedeuten soll) da. Es geht um Kommunikation, Reflektion und Darstellung. Daher gibt es durchaus einen Wert von Kunst, nämlich inwiefern sie diesen Ansprüchen gerecht wird. Dass dieser Wert nicht centgenau bestimmt werden kann, ist klar.

    Allerdings finde ich, dass Kunst sich nicht vollständig der Nachfrage (dem Markt) beugen sollte. Dann verliert sie nämlich ihre Visionalität und teilweise auch Authenzität- Das Ergebnis der Ausrichtung der "Kunst" am Markt kann man heutzutage in den seltsamen Blüten der kommerziellen House- und Popmusik hören.

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