ZEITmagazin: Herr Pereira, Sie haben eine erstaunliche Karriere hinter sich: Sie haben Schreibmaschinen verkauft, waren Sänger, schließlich wurden Sie Kulturmanager. Wie kam das?

Alexander Pereira: Ich wollte eigentlich immer Sänger werden, aber meine Mutter sagte, ich soll was Vernünftiges lernen. Also habe ich erst bei der österreichischen Fremdenverkehrswerbung angefangen. Über London bin ich dann nach Frankfurt gekommen, zu Olivetti. Ich war ziemlich erfolgreich als Verkaufsleiter, bin aber jeden Tag spät abends nach Wiesbaden gerast, um Gesangsstunden zu nehmen. Insgesamt habe ich zwölf Jahre lang Gesang studiert. Dann habe ich für mich selbst Konzerte organisiert. Das ging gut bis zu dem Tag, an dem ich mit drei tollen Solisten auftrat. Wir sangen die Krönungsmesse von Mozart, und da habe ich viele Fehler gemacht. Nach der Aufführung kam die Sopranistin in die Garderobe, hat ordentlich ausgeholt und mir eine Watsche gegeben.

ZEITmagazin: Sie hat Ihnen eine runtergehauen?

Pereira: Es war eine ordentliche Watsche. Von dem Tag an wusste ich, mit dem Singen, das wird nichts.

ZEITmagazin: Hat sie Ihnen geholfen, eine Entscheidung zu treffen?

Pereira: Ja, ganz bestimmt, aber erst mal habe ich weitergesungen. Nebenbei fing ich an, Konzerte zu organisieren. Hermann Josef Abs von der Deutschen Bank bat mich, bei seinen Frankfurter Bachkonzerten mitzuhelfen, das machte mir großen Spaß. Mir war schon klar, das war’s dann mit Olivetti, hatte aber zugleich das Gefühl, es zerreißt mich. Ich verstand nicht, was will das Schicksal von mir? Dann kam eines schönen Tages ein Anruf vom Konzerthaus in Wien, ob ich Interesse hätte, das Konzerthaus zu übernehmen.

ZEITmagazin: Wie alt waren Sie damals?

Pereira: 33. Und plötzlich machte alles Sinn. Ich konnte mein Studium und meine Erfahrungen als Sänger nutzen, um andere Künstler beurteilen zu können und zu fördern.

ZEITmagazin: Ohne diesen Anruf wären Sie also heute wohl nicht da, wo Sie sind.

Pereira: Ja, die Konzerthausgesellschaft war sehr mutig, einem in seiner Freizeit singenden, Konzerte organisierenden Verkaufsleiter von Olivetti eines der größten Musikinstitute der Welt anzubieten. Die Künstler, die ich für die Bach-Konzerte engagiert hatte, waren zum Teil aus Wien, die hatten mich empfohlen – das Alban Berg Quartett, Nikolaus Harnoncourt, Heinrich Schiff. Ich bin dann auch nur mit 17 zu 16 Stimmen von einer 33-köpfigen sogenannten Direktion gewählt worden, mit einer Stimme Mehrheit.

ZEITmagazin: Sie trauen sich vieles zu.

Pereira: Ich glaube, dass man im Leben die Aufgabe hat, irgendwie zu erkennen, wo einen das Schicksal hinführen will.

ZEITmagazin: Sie glauben tatsächlich an das Schicksal?

Pereira: Ja doch, ich glaube, dass es eine gewisse Prädestination gibt, in die man sich begibt. Sie können das anders nennen. Es gibt in der Bibel das Gleichnis von den Talenten. Man soll sie nicht vergraben, sondern nehmen und mehren und der Gesellschaft wieder zurückgeben, möglichst mit Zinsen. Ich denke, in diesem Bereich liegt auch ein Stück vorgezeichneter Weg, den ein Mensch hat.