Stimmt's?Kann man sich schwerer oder leichter machen?

...fragt Julia Siebert aus Köln. von 

Pilgerin Kind Huckepack Fatima  Portugal

Mit ihrem schlafenden Kind auf dem Rücken pilgert diese Frau zum Wallfahrtsort Fatima in Portugal.  |  © Paulo Cunha/dpa

Eltern können es bestätigen: Ein schlafendes Kind lässt sich viel schwerer tragen als ein waches (zumindest wenn das wache Kind nicht gerade widerspenstig ist und sich mit Händen und Füßen wehrt).

Die größere Mühe liegt aber nicht daran, dass das Kind seine Masse erhöhen oder verringern würde, sondern daran, dass es dem Träger die Arbeit erschweren oder erleichtern kann.

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Der erste wichtige Parameter für das "gefühlte Gewicht" einer Person oder eines Gegenstands ist die Steifigkeit. Man kann eine Kiste Bier, die etwa 15 Kilogramm wiegt, viel leichter tragen als einen schlaffen Sandsack mit dem gleichen Gewicht.

Der Grund ist: Der Sack ist schwerer zu fassen. Außerdem verschiebt sich sein Schwerpunkt ständig – der Träger muss die Masse nicht nur heben, sondern auch immer wieder ausbalancieren. Das kostet Kraft. Entsprechend ist ein Mensch mit Körperspannung leichter zu tragen als ein völlig erschlaffter.

Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild  |  © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Zudem kommt es auf die Position des Schwerpunkts an. Je weiter dieser vom Körper des Trägers entfernt ist, desto mehr Kraft müssen dessen Arme aufwenden. Kaum jemand kann einen Bierkasten mit ausgestreckten Armen tragen.

Ein wacher Mensch kann dem Träger also die Arbeit erleichtern oder erschweren: "Leichter" macht sich, wer sich an den anderen schmiegt und sein Gewicht gut verteilt, indem er ihm zum Beispiel die Arme um den Hals legt.

Dagegen zeigen uns Ringer, wie man sich besonders "schwer" machen kann: Sie werfen Kopf und Gliedmaßen zurück, sodass ihr Schwerpunkt möglichst weit außen liegt – dadurch wird es für den Gegner fast unmöglich, sie zu heben.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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Leserkommentare
  1. ... auf den Schultern oder auf dem Schultergürtel. Deshalb gibt es auch die spezielle Trageweise des Militärs für Verletzte. Und deshalb haben die chinesischen Kulis die Krbe auch an Stangen über die Schulter/über den Schultergürtel getragen ...

  2. 2. Krass

    Kaum jemand kann einen Bierkasten mit ausgestreckten Armen tragen.

    ich falle also schon unter "kaum jemand ist so stark wie ich" :)

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    Ich glaube es ging nicht um die leere Kiste ;)

  3. >> Man kann eine Kiste Bier, die etwa 15 Kilogramm wiegt, viel leichter tragen als einen schlaffen Sandsack mit dem gleichen Gewicht. <<

    ... bestimmt mal wieder so eine Psycho-Sache. Was erwartet den Träger denn, wenn er dann den Sandsack an Ort und Stelle transportiert hat? Bei der Kiste Bier ist die Motivation einfach größer ;-)

    >> Kann man sich schwerer oder leichter machen? <<

    Schon, aber ich fürchte, das ist ein eher langfristig angelegtes Projekt.

    14 Leserempfehlungen
  4. Ich frage mich ja immer, wenn ich mit meinem Rennrad über Schotterwege fahre, ob ich, indem ich aus dem Sattel gehe, das Gewicht so verlagere, dass der Druck auf die Reifen geringer und somit die Gefahr eines Platten geringer wird. Anscheinend scheint es so zu sein.

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    • Xilev
    • 06. Juli 2013 20:50 Uhr

    Mit dem Rennrad merkst du es ja eindeutig wenn du über eine Boardsteinkante fährst. Wenn du mit dem Vorderrad drüber fährst verlagert man seinen Schwerpunkt zum Hinterrad, dann gibt es nicht so einen riesen Schlag auf den Rahmen. Ist das Vorderrad dann über der Kante gehst du automatisch mit dem Schwerpunkt nach Vorne um das Hinterrad zu entlasten.
    Bei Kies verhält sich das genauso. Du kann die Belastung der Räder durch deinen Schwerpunkt beeinflussen, die Gesamtkraft (Körper + Rahmen) bleibt jedoch die gleiche.
    Was ich immer mache wenn ich über Kies fahre ist, das ich aus dem Sattel geh und die Knie dabei anwinkel. Dadurch wirken die Knie wie eine Feder und der Rahmen wird nicht ganz so stark belastet --> Gefahr eines Platten wird kleiner. Zumindest hoff ich das immer ;)

    • Xilev
    • 06. Juli 2013 20:50 Uhr

    Mit dem Rennrad merkst du es ja eindeutig wenn du über eine Boardsteinkante fährst. Wenn du mit dem Vorderrad drüber fährst verlagert man seinen Schwerpunkt zum Hinterrad, dann gibt es nicht so einen riesen Schlag auf den Rahmen. Ist das Vorderrad dann über der Kante gehst du automatisch mit dem Schwerpunkt nach Vorne um das Hinterrad zu entlasten.
    Bei Kies verhält sich das genauso. Du kann die Belastung der Räder durch deinen Schwerpunkt beeinflussen, die Gesamtkraft (Körper + Rahmen) bleibt jedoch die gleiche.
    Was ich immer mache wenn ich über Kies fahre ist, das ich aus dem Sattel geh und die Knie dabei anwinkel. Dadurch wirken die Knie wie eine Feder und der Rahmen wird nicht ganz so stark belastet --> Gefahr eines Platten wird kleiner. Zumindest hoff ich das immer ;)

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Gewichtsverlagerung"
  5. 6. Danke

    Interessanter Artikel. Danke für die Erklärung :)

  6. Ich glaube es ging nicht um die leere Kiste ;)

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Krass"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    um sie danach mit Zement zu befüllen

    • ztc77
    • 07. Juli 2013 0:32 Uhr

    Ein Kind, das man auf den Schultern trägt, ist leichter, als wenn man es auf einen Fuß stellt und hochhebt. Das heißt:

    Seine Masse in Kilogramm ist gleich groß, sofern es dazwischen weder geschwitzt hat noch auf dem Klo war.

    Sein Gewicht in Newton ist oben minimal weniger, weil die Newton mit dem Abstand vom Erdmittelpunkt kleiner werden.

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  • Serie Stimmt's?
  • Schlagworte Körper
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