In einem Land wie dem unseren ist es verpönt, eine Knoblauchfahne zu haben. Das Problem ließe sich einfach lösen, indem alle Knoblauch äßen – denn wenn man selbst Knoblauch gegessen hat, nimmt man bekanntlich den Geruch bei anderen nicht wahr.

Alle Wochenmarkt-Rezepte © Miguel Medina/AFP/Getty Images

Das viel größere Problem des heutigen Knoblauchessers ist aber die Tatsache, dass die Knollen, obwohl gerade erst im Supermarkt gekauft, oft so muffig schmecken wie ein korkiger Wein. Denn Knoblauch ist eigentlich ein Saisongemüse: Er wird nur einmal im Jahr geerntet, und zwar im Sommer. Über Monate wird er dann in den Kühllagern in China um jeden Preis und ohne Rücksicht auf das Aroma am Leben erhalten. Die Knollen werden in Chlor gewaschen und mit ionisierenden Strahlen behandelt, um den Reifeprozess zu verzögern. So hat man das ganze Jahr über strahlend weißen Knoblauch, der spätestens ab März schmeckt, wie es im Keller riecht.

Eine Alternative ist Bärlauch, der wilde Knoblauch, der im Frühjahr vor allem in Süddeutschland in schattigen Laubwäldern wächst. Es war ein kaltes Frühjahr, nicht gut für den Bärlauch. Doch wenn man sich die Mühe macht, die Blättchen aufzutreiben, kann man sie mit (weicher) Butter und etwas Meersalz pürieren – man erhält dann eine aromatische Begleitung zu Baguette und Grillsteak.

Man kann auch jungen Knoblauch nehmen, der jetzt auf Wochenmärkten erhältlich ist. Er schmeckt frisch und scharf, hat eine zarte grüne Farbe und eine Haut, so glatt wie die eines jungen Mädchens.

Bärlauchbutter

250 g Butter
1 Bund Bärlauch (alternativ: eine Knolle frischer Knoblauch)
etwas Meersalz