Topbanker Hilmar Kopper"Ich war ein Kartoffelklauer"

Sein Amt bei der HSH Nordbank warf Hilmar Kopper hin. Nun spricht der Topbanker über Hemingway, Herrhausen – und geheime Zettel. von  und

DIE ZEIT: Anfang des Jahres haben Sie als Aufsichtsratschef der HSH Nordbank aufgehört. Dies war das letzte Ihrer vielen Ämter. Wie verbringen Sie heute Ihre Tage?

Hilmar Kopper: Ich wickele noch ab, aber mehr geistig. Ich lese viel.

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ZEIT: Was heißt "geistig abwickeln"?

Kopper: Nicht abrupt alles fallen zu lassen, sondern sich interessiert zu halten. Aus der Distanz involviert zu bleiben. Das ist die Voraussetzung, um das Alter noch ein wenig hinauszuschieben.

Hilmar Kopper: Jugend

Als eines von vier Kindern wurde Hilmar Kopper 1935 in Oslanin geboren. Weil die Stadt bei Danzig im Polnischen Korridor lag, war Kopper in seinen ersten Lebensjahren polnischer Staatsbürger – bis 1939 der Krieg und die Deutschen kamen. Jahre später folgte die Flucht gen Westen.

Karriere

Nach dem Abitur begann Kopper eine Lehre bei der Rheinisch-Westfälischen Bank, einem Teil der nach dem Krieg zerschlagenen Deutschen Bank. Diese wurde 1957 neu gegründet und etablierte sich wieder als Marktführer. Kopper, von 1989 an Sprecher des Vorstands, stärkte das Investmentbanking in London, holte Schlüsselfiguren wie Edson Mitchell und Josef Ackermann, brach in Deutschland die Macht der Regionalfürsten. 1994 nannte er 50 Millionen D-Mark Peanuts und erlangte so Berühmtheit. Nach seinem Abtritt führte er den Aufsichtsrat.

Einfluss

Gut 60 Aufsichtsräten gehörte Kopper an. Als Chefaufseher von DaimlerChrysler führte er auch in der Industrie die Boni ein. Er hat drei Kinder, keines wurde Banker. Mit seiner zweiten Frau – Brigitte Seebacher, Witwe von Willy Brandt – lebt Kopper heute im Westerwald.

ZEIT: Wenn Sie an Ihre Anfänge, Ihre Kindheit in Westpreußen denken, was fällt Ihnen ein?

Kopper: Die wunderbaren Sommer. Die wunderbare Landschaft. Die Alleen.

ZEIT: Ihre Familie lebte seit 300 Jahren dort.

Kopper: Mein Vater wollte den Hof der Familie nicht übernehmen und machte erst auf mehreren großen Gütern Station, um sich als Verwalter zu bewähren. Geboren wurde ich daher auf einem Gut der Krockows, denn zu dieser Zeit war mein Vater dort Verwalter. Die Eltern von Matthias Graf von Krockow, der 2009 bei Sal. Oppenheim fallierte, waren Freunde meiner Eltern. Später nutzte mein Vater das Erlernte, um sich eine Domäne, ein Gut, zu kaufen. 2.000 Morgen.

ZEIT: Sie wären gerne Bauer geworden.

Kopper: Bauer ist ein wahnsinnig schöner Beruf. Deswegen wohne ich jetzt auch so gerne im Westerwald. Wenn ich dort aus dem Fenster blicke, sehe ich kein Haus, bis an den Horizont. Ich sehe Wiesen und Wald. Es ist sehr angenehm dort, Sie müssen Ihre Haustür nicht abschließen. Ich bin gerne unter freiem Himmel.

ZEIT: Wie schwer fiel Ihnen der Neuanfang in Westdeutschland?

Kopper: Nach der Flucht war mein Vater zunächst nicht da, mein Bruder und ich mussten für die Familie sorgen. Ich war ein begnadeter Schwarzhändler, schon mit zehn Jahren. Frisch- und Altmunition.

ZEIT: Munition? Was haben Sie damit gemacht?

Kopper: Eingesammelt. Selbst entschärft. Und dann an Schrotthändler verkloppt. Ich war auch ein exzellenter Kartoffelklauer, sammelte Holz, alles, was man zum Überleben brauchte. Ich habe damals verinnerlicht, dass man Verantwortung für andere und Aufgaben hat. Nach dem Krieg habe ich vier Jahre in einer ehemaligen Wehrmachtsbaracke in Niedersachsen gewohnt, mit Spalten in den Wänden. Wenn ich im Winter aufwachte, war die Bettdecke über mir gefroren, steif – und glitzerte freudig. Nun gut, gelobt sei, was hart macht.

ZEIT: Weil Ihr Bruder bereits studierte und das Geld nicht reichte, begannen Sie 1954 eine Lehre bei einem Vorgängerinstitut der Deutschen Bank. Wie sah Ihr Alltag aus?

Kopper: Ich wusste gar nicht, was eine Bank ist, und war zunächst völlig desorientiert. Ich arbeitete in einem notdürftig hergerichteten Gebäude in Köln-Mülheim. Es gab keine EDV, man konnte noch geradezu körperlich nachvollziehen, was in der Bank geschieht. Man begleitete jeden Schritt.

ZEIT: Nach der Lehre zog es Sie ins Ausland.

Kopper: Kurz darauf ging es für einige Zeit nach New York, ja, zu einer kleinen, feinen Bank.

Leserkommentare
  1. ...er versucht nicht nach der Verrentung auf freundlicher Onkel zu machen, sondern präsentiert sich genauso wie während seiner Zeit als Großbanker: Kalt und wenig einfühlsam für die Belange des "Normalmenschen".

    Bezeichnend seine Einschätzung von Fehlentscheidungen. Tenor "Kamma nix machen"

    Wie alle Banker werden gewinnträchtige Entscheidungen mit gewaltigen Boni belohnt ("Brillanter Mann, muss man anständig entlohnen!"), katastrophale Fehler allerdings mit "unvorhersehbarenn Marktentwicklungen" entschuldigt.

    Unvergessen bleibt sein "Peanuts" für die 50 Millionen, die der Milliardenpleitier Jürgen Schneider den von ihm beauftragten Handwerksbetrieben schuldig blieb, die u.a. auch nur deswegen auf diesen Blender hereinfielen, weil die Deutsche Bank offenkundig jegliche Kontrollfunktion bei der Kreditvergabe an Schneider aufgegeben hatte.

    2 Leserempfehlungen
    • keibe
    • 17. Juli 2013 22:52 Uhr

    "Der Schwarzmarkt 1945 - 48, Willi A. Boelke"

    Aber ich gönne es ihm: kannst Du was, wirst Du was.

  2. „Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.“
    Bertolt Brecht

    Eine Leserempfehlung
    • mores
    • 19. Juli 2013 12:43 Uhr

    Die Bezeichnung "Banker" flößt KEIN Vertrauen mehr ein, sondern lässt eher an "gewerbsmäßigen Betrug" denken. Die Anklage gegen Herrn Nonnenmacher u. a. belegt den Stimmungswechsel. Die Medien ersetzen den Begriff "SteuerSÜNDER" endlich durch "SteuerBETRÜGER"!

  3. und Großgrundbesitz schimmert auch bei Kopper durch....Bis heute regieren und die 200 Familien.......

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