BausparenDie Mogelpackung

Hauskäufer werden derzeit mit einer Kombination aus Bausparvertrag und Kredit gelockt. Die Zinsen dafür sind nur scheinbar minimal. von 

Bei Christine und Frank S. wäre die Antwort eigentlich ganz einfach gewesen. Einfach, aber hart: Ein eigenes Haus können sie sich einfach nicht leisten. Zwar kommt das Paar gemeinsam auf ein monatliches Nettoeinkommen von 3.500 Euro. Davon aber müssen die Sozialarbeiterin und der Künstler die Wohn- und Lebenskosten für sich und zwei Kinder bestreiten. Am Ende des Monats bleiben ihnen da nur etwa 150 Euro übrig. Auch Eigenkapital für den Hauskauf bringen die beiden nicht mit. In die eigenen vier Wände werden sie aber trotzdem bald ziehen. Denn sie waren bei einigen Banken und Bausparkassen. Die Berater dort rechneten ihnen vor, dass sie ein Haus auch ohne Erspartes kaufen könnten, sofort sogar – wenn sie einen Bausparvertrag abschließen würden.

Die Berater argumentierten, dass die Darlehenszinsen so günstig wie nie seien und dass sie die Gelegenheit nicht verpassen dürften: Wer jetzt einen Bausparvertrag unterzeichne, der sichere sich diese historischen Tiefstzinsen für viele Jahre. In der Tat: Mit nur einem Prozent Hypothekenzinsen wirbt derzeit die Deutsche Bank für das Bausparen, mit 1,6 Prozent lockt Konkurrent Wüstenrot, Schwäbisch Hall wirbt mit 1,5 Prozent. Viele Finanzierer überbieten sich zurzeit mit Kampfzinsen für Darlehen.

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Und die Kunden greifen zu: 3,5 Millionen Verträge unterzeichneten die Deutschen im vergangenen Jahr, das waren 9.600 Verträge pro Tag. "2012 war die Bausparsumme mit 102,6 Milliarden Euro so hoch wie nur einmal zuvor in der Geschichte", sagt Andreas J. Zehnder, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Privaten Bausparkassen. Insgesamt ist die Schar der deutschen Bausparer heute 30 Millionen Menschen groß und 825 Milliarden Euro schwer. Bausparen, so scheint es, ist das neue Topinvestment. Mitnichten, sagt Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: "Dass zurzeit massenhaft Verträge verkauft werden, hängt nicht damit zusammen, dass sie für die Kunden so nützlich wären. Es liegt daran, dass das Bausparen den Banken enorme Profite bringt." So niedrig, wie die Institute sagen, sind deren Zinsen nur auf dem Papier.

Effektivzins

Der Effektivzins – häufig auch der effektive Jahreszins genannt – soll die jährlichen Gesamtkosten eines Kredites oder Darlehens angeben. Er rechnet dann alle wichtigen Kosten mit ein und wird im Verhältnis zur Auszahlungssumme in Prozent angegeben. Mit diesem Zinssatz sollen die Kunden die Angebote verschiedener Finanzhäuser besser miteinander vergleichen können

Zwar geben die Finanzierer in ihren Angeboten den Effektivzins für die Darlehen an, das sind die Gesamtkosten des Kredits. Sie verschweigen dabei aber, was noch alles hinzukommt: Abschlussgebühren, Bearbeitungsgebühren, Kontoführungs- und Zuteilungsgebühren. Allein für den Abschluss eines Vertrages hat der Kunde seiner Bank ein Prozent der Bausparsumme zu überweisen – bei einer Finanzierung in Höhe von 100.000 Euro also 1.000 Euro. Dann die Kontoführungsgebühren: Ob Anbieter diese auch noch verlangen dürfen, ist zwar strittig. Seit Jahren kämpfen Verbraucherschützer vor Gericht gegen Anbieter – und gehen durch alle Instanzen. Bereits 2011 urteilte der Bundesgerichtshof, dass Banken für Darlehensverträge keine Kontogebühren verlangen dürfen. Bausparkassen erheben sie trotzdem und argumentieren: "Für uns gilt dieses Urteil nicht."

Rechnet man zusätzlich die Verluste ein, die Kunden in der Sparphase entstehen, wenn sie sich auf eine Verzinsung ihres Guthabens von unter einem Prozent eingelassen haben, fällt das Ergebnis noch schlimmer aus: Oft machen die Guthabenzinsen über 20 oder 30 Jahre kaum die Gebühren wett. Deshalb urteilt Nauhauser: "Fast alle Angebote sind eine Zumutung. Bausparen ist die reine Geldvernichtung."

Nur ahnt das kaum jemand, der Angebote vergleicht. Wobei "vergleichen" nicht das richtige Wort sei, sagt Bausparexperte Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen. Denn jede der 22 Bausparkassen bietet mehrere Tarife mit unterschiedlichen Zinssätzen, Tilgungshöhen, Kreditraten, Lauf- und Zuteilungszeiten an. Selbst Finanzexperten können da kaum das beste Angebot ermitteln.

Noch komplexer wird es, wenn die Kassen Kombimodelle anbieten. Bei denen bekommt der Kunde zwei Verträge: einen Darlehensvertrag, der den Hauskauf sofort finanziert, und einen langfristigen Bausparvertrag, der später den Darlehensvertrag ablösen soll. Aus dem Branchenverband heißt es: "In der Kombination liegt ein großer Vorteil. Damit sichern sich Sparer über Jahrzehnte exzellente Zinskonditionen." Kritiker sehen das ganz anders: "Durch diese Art der Kombination wird es unmöglich, die Bedingungen verschiedener Tarife zu vergleichen", sagt Nauhauser. "Nicht einmal der Effektivzins über die Gesamtzeit wird ausgewiesen." Dazu sind die Bausparkassen nämlich nicht verpflichtet. Stattdessen verwirren sie Kunden mit zwei verschiedenen Zinssätzen – einen für den Darlehens- und einen für den Bausparvertrag.

Leserkommentare
    • wolki
    • 17. Juli 2013 15:43 Uhr

    Weis man ja inzwischen, dass bei den Banken der Räuber hinter dem Schalter sitzt.

    Auch ich habe Lehrgeld bei der ersten Hausfinanzierung mit der Kombinantion Kredit, Bausparen und Abschluss einer Lebensversicherung machen müssen.

    Allerdings konnte ich es mir leisten bei der Anschlussfinanzierung kein Bausparen mehr machen zu müssen. Kann auch nur jedem davon abraten. Kein Bausparen!!!!

    Es verdient nur die Bank und der Kunde wird doppelt abkassiert.

    3 Leserempfehlungen
  1. wäre das arglistige Täuschung und die Verträge würden von Gerichten reihenweise kassiert werden.

    Aber wie schon so oft gelten für Banken andere Spielregeln und diese dürfen ihre Kunden hinter's Licht führen und dann die gesalzene Rechnung auf den Tisch legen. Mit Beträgen darauf, die bei der Beratung niemals gefallen sind.

    6 Leserempfehlungen
    • wolki
    • 17. Juli 2013 15:49 Uhr

    Und bitte kein Wohnriester abschließen, ist noch schlimmer als Bausparen. Die Rechnung kommt dann, wenn man in Rente ist oder den Riestervertrag vorzeitig kündigt, dann darf man darauf nämlich noch Steuern zahlen. Sagt einem aber keiner.

    6 Leserempfehlungen
  2. Habe ich das richtig verstanden? Ein Paar mit 150,- € "Spielgeld" pro Monat, 0,0 € Eigenkapital und zwei Kindern will ein 220.000,- € Haus komplett fremdfinanzieren?

    Mir erscheint das reichlich abenteuerlich. Es mag platt klingen, aber riskante Investments sind nun einmal eine Sache, die man sich einfach leisten können muss. Mit Einkünften, die einem erlauben, gerade so über die Runden zu kommen, kommen derartige Vorhaben eigentlich nicht in Frage.

    Mir scheint, die Sache mit den Immobilienblasen hat sich noch lange nicht erledigt.

    8 Leserempfehlungen
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    wenn einem der Bankberater sogar VORRECHNET, dass sie es sich leisten können, wieso soll man dann nein sagen?

    • Wombel
    • 18. Juli 2013 8:52 Uhr

    1000€/Monat für eine solide finanzierung, bei 3500€ Netto ist das machbar wenn man sparsam Leben kann. Aber wer nur 150€ über hat sollte es lassen.

  3. wenn einem der Bankberater sogar VORRECHNET, dass sie es sich leisten können, wieso soll man dann nein sagen?

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Riskant"
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    ... weil man immer noch eine Verantwortung für das eigene Leben tragen sollte.

    Je komplizierter ein Finanzprodukt ist, desto weiter sollte der Bogen sein den man darum macht.

    Bausparverträge gehören dazu.

    Kredit nehmen und abbezahlen ... alles andere ist Mist!

    "wenn einem der Bankberater sogar VORRECHNET, dass sie es sich leisten können, wieso soll man dann nein sagen?"

    Wenn die Fliege bereits vor dem Schreibtisch der Spinne sitzt, ist es ohnehin zu spät.

    Denke, das Problem besteht darin, dass bei vielen Menschen das Wunschdenken die höchste Instanz darstellt, und kritische Überlegungen bez. der finanziellen Realisierbarkeit von Vorhaben durch höchstrichterlichen Spruch problemlos ausgehebelt werden können.

    Die wenigsten Menschen wären bereit ins Spielcasino zu gehen und ihr gesamtes Vermögen beim Roulette auf eine Zahl zu setzen. Erstaunlich viele sind jedoch bereit, zu dem wenigen vorhandenen auch noch Geld das sie nicht haben auszugeben. Und dies für Projekte die sie auf Jahrzehnte hinaus binden, und deren Realisierung mit nicht unbeträchtlichen Risiken verbunden ist.

    und ein mündiger Verbraucher / Kunde ist.
    Sagt den Leuten doch mal, dass sie sich was nicht leisten können, dann laufen viele so lange durch die Gegend, bis sie einen treffen, der ihnen das trotzdem positiv vorrechnet. Handyvertrag, Auto, Haus egal was.
    Wenns nicht klappt, was mit Kopfrechnen und Nachdenken absehbar ist, wer ist dann wohl schuld? Natürlich die bösen Banken - mag sein, aber die ganz bestimmt nicht allein.

    Mal sehr einfach skizziert:

    Man nehme sich sich ein Tabellenkalkulationsprogram seines Vertrauens und erstelle mal folgende Tabelle:

    Einkommen netto: xxxx
    ./. fixe Ausgaben:
    Kaltmiete
    Nebenkosten (detailiert) (o .Grundsteuer)
    Kabelanschluss
    Grundsteuer
    Kosten für Auto, etx.
    Berufskleidung und andere
    durschnittliche ausgaben für Nahrrungsmittel.
    Strom und Heizung.
    weitere Kosten die auf den Monat umzulegen sind
    Abschreibungen
    ________________________________________
    Summe

    (Einsparpotenziale entdecken.)

    vs.

    Netto-Einkommen
    ./. fixe Ausgaben
    Kreditkosten (Reste gehen an Rückstellungen zusätzlich)
    Nebenkosten (verteilen)
    Grunsteuer und andere Abgaben
    Kosten für Auto, etx.
    Berufskleidung und andere
    durschnittliche Ausgaben für Nahrrungsmittel.
    Strom und Heizung.
    weitere Kosten die auf den Monat umzulegen sind
    Abschreibungen (Rückstellungen bilden)
    Rücklagen
    Auto, etc. (mit Abschreibungen)
    (Handgeld)
    __________________________________________

    Summe
    (Einsparpotenziale aktiveren)

    Wenn die Summen die am Ende rauskommen, bei vier personen nicht mindestens ´500 - 800 € betragen, sollte man keinen weitere.langfristigen Kredite aufnehmen.

    Wie es im Artikel steht, es ist einfacher und risikoärmer ins Haben zu sparen, als gegen ein Soll.

    Mit einem schönen Großen Monitor kann man sich sowas doch gemeinsam durchrechnen.

  4. Dass mit dem Bausparen ist irgendwie ein Buch mit sieben Siegeln. Ich habe schon ein paar Bausparverträge bespart, aber wenn es um die Anschlussfinanzierung ging, hatte es sich irgendwie nie so richtig gelohnt, sie in Anspruch zu nehmen. Insofern drängt sich wirklich der Verdacht auf, die Banken sind bei Bausparverträgen nicht ehrlich mit ihren Kunden.

    Was ist nur aus der guten, alten Bank geworden, wo Bankgeschäfte eines waren, nämlich langweilig? Das waren die Zeiten, wo der Kunde noch etwas von seiner Bank hatte. Heute hat man ständig das Gefühl, da sitzt einem einer gegenüber, der einen über den Leisten ziehen will.

    Wobei die Bankangestellten einem leid tun können. Die haben heute nämlich Verkaufsdruck und sind gezwungen, in regelmäßigen Abständen ihre zugewiesenen Kunden zu kontaktieren, um ihnen die neusten Finanzprodukte angedeihen zu lassen. Und das sicher nicht zum Vorteil des Kunden.

  5. da die Sinzen so tief liegen sind die Häuserpreise sooooooo hoch.....alles eine Ilusion

  6. ... weil man immer noch eine Verantwortung für das eigene Leben tragen sollte.

    Je komplizierter ein Finanzprodukt ist, desto weiter sollte der Bogen sein den man darum macht.

    Bausparverträge gehören dazu.

    Kredit nehmen und abbezahlen ... alles andere ist Mist!

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Natürlich, aber "

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