"Mein Herz wollte bleiben"

Nach meinem Designstudium und einem Stipendium in Spanien wollte ich mich in Portugal als Designer selbstständig machen. Ich habe aber schnell gemerkt, dass es jetzt gerade nicht die beste Zeit dafür ist. Dann kam die Chance, nach Deutschland zu gehen – ein anderer Portugiese suchte Designer für sein Unternehmen in München. Ich hatte schon vorher mal Arbeitsproben an ausländische Firmen geschickt, aber nie an Deutschland gedacht, schon aufgrund der Sprache. Als es losging, habe ich erst um zehn Uhr abends meine Koffer gepackt: Vom Kopf her wollte ich reisen, aber nicht vom Herzen her. Meine Mutter war damals im Krankenhaus. Gleich in der ersten Nacht in München habe ich in einer portugiesischen Bar Landsleute kennengelernt. Weil ich so viel arbeite, habe ich vor allem mit ihnen zu tun.

Meine Kollegen sind sehr nett, aber viele Deutsche, denen ich begegne, wissen wenig über meine Heimat. Sie denken zum Beispiel, dass man in Portugal Spanisch spricht. Auch ich habe erst jetzt, nach sieben Monaten, ein Gefühl für Deutschland. Meine Vorstellungen haben sich bestätigt: Die Deutschen halten sich gern an Regeln. Ich mag das: Ich arbeite mit Ideen, und ich denke, sie gehören geschützt. Aber ich mag auch Kreativität. Manchmal geht das nicht zusammen. Die Arbeit ist hart, meist zwölf Stunden am Tag, aber eine schöne Herausforderung. Mein Vertrag läuft bis Ende 2014, mal sehen, wie es weitergeht.

Luis Porém, 33, Produktdesigner aus Alenquer in Portugal. Er lebt seit letztem Oktober in München

"Lockere Chefs"

Als mein Freund vor zwei Jahren ins Ausland wollte, habe ich gesagt: "Nur nach München." Ich bin auf Menorca aufgewachsen, aber meine Mutter ist Deutsche, ich war in den Ferien oft in ihrer Heimatstadt. Und wenn ich schon in ein Land gehe, dessen Sprache ich kaum kann – bei uns daheim wurde nur Spanisch gesprochen –, dann an einen Ort, an dem ich mich zu Hause fühle. In Spanien war es schwierig: Ich hätte mit meinem Bachelor in Jura eine Anstellung als Junior-Anwältin finden können, aber dabei so wenig verdient, dass ich zu meinen Eltern hätte ziehen oder sie um einen Zuschuss hätte bitten müssen. Beides wollte ich nicht. Mein Freund ist Produktdesigner, bei ihm sah es noch schlechter aus. Heute arbeite ich halbtags bei einer deutschspanischen Anwältin, parallel dazu in einer zweiten Kanzlei.

Bis ich die beiden Stellen gefunden hatte, musste ich allerdings einiges ausprobieren. Erst habe ich in der Modebranche ein Praktikum gemacht, dann beim Film, anschließend im Marketing gearbeitet. Ich musste Geld verdienen, aber ich habe so auch gut Deutsch gelernt. Im Februar habe ich mir gesagt: "Schluss damit, Julia – du musst dich wieder auf Jura konzentrieren." Mir gefallen in Deutschland viele Dinge: Die Chefs sind oft viel lockerer als in Spanien und gehen mittags mit ihren Angestellten zum Essen. Anderseits, ich weiß, es klingt klischeehaft – aber ich vermisse die Sonne und das Licht.

Julia Hernández, 24, kam von Menorca und arbeitet jetzt als Juristin in München